zahlen, zahlen, immer nur zahlen

endlich habe ich wieder zeit zu lesen. ich bin in ein zweites eisenstein-buch eingetaucht und am liebsten würde ich wieder einen blogeintrag mit der überschrift „charles eisenstein erklärt die welt“ beginnen. ich habe beim lesen die ganze zeit das gefühl, dass er das ausspricht, was ich schon lange geahnt habe, wo mir aber das wissen und das denken fehlte, die ahnungen zu begründen. zum beispiel in dem kapitel „mathematik und maß“: ich bin schon lange der ansicht, dass rechnen und spielen mit zahlen nicht die höchste form des denkens ist und dass die rechen-genies nicht die größten denker sind. aber so werden sie in unserer gesellschaft gefeiert. mein physik-lehrer (den ich übrigens gestern getroffen habe) hat mal gesagt, dass alle philosophen, die wirklich was drauf hatten und der gesellschaft mit ihren theorien weitergeholfen haben, immer auch mathematiker waren. da bin ich im unterricht fast geplatzt vor wut, aber mir hat der stoff in meinem gehirn gefehlt, um etwas erwidern zu können. charles eisenstein liefert mir nun den stoff. ich finde, mathematik ist ein spiel, bei dem du mit zahlen nach bestimmten regeln hantierst. wer gut rechnen kann, kennt eben gut die regeln und ist routiniert im umgang mit ihnen. das heißt aber nicht, dass er gut denken kann. er kann dieses spiel gut spielen, würde ich sagen. die wirklichkeit ist nämlich viel komplexer und vielschichtiger und nicht so eindeutig, wie die mathematiker sich das vorstellen. wenn du also nur mit deinem im rechnen geübten denken die welt um dich herum verstehen und erklären willst, bist du voll auf dem holzweg. das im rechnen geübte denken kann dir helfen, deine gedanken zu ordnen und sortieren, ok. was ich aber immer faszinierend finde, wie menschen denken, die überhaupt kein gespür für zahlen haben, die sind meistens viel dichter an der realität dran.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
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zahlen, zahlen, immer nur zahlen
22. Juli 2017 | 14:51