wie soll ich nur…

ich will gerne etwas erzählen von den letzten wochen im wolang-bus, währenddessen ging es gar nicht, ich war vom aufgang der sonne bis zu ihrem niedergang in höchster aufmerksamkeit für die nöte des busses (und auch nachts konnten mich kleinste geräusche aus dem schlaf holen), aber es ist so viel, dass ich diese zeit eh nur bruchstückhaft wiedergeben kann.

seit ich zu hause bin befinde ich mich in einem wohligen nebel, die wärme der wohnung, die güte der zeit, und verbringe viel zeit in meinem bett mit büchern, musik und filmchen. sich in einer nebelwolke zu befinden ist schön, man sollte dann nur nicht auto fahren. so sah ich gestern auf der autobahn die abfahrtskurve nicht, sah sie viel zu spät, wollte bremsen, das auto schlingerte, ich, lenkrad wieder gerade, voll gegen so einen weißen poller und erst dann wurde das auto langsamer… wir sind ganz knapp an etwas schlimmem vorbei geschlittert, ich umarme jonas und brigitte.

… ich wollte vom wolang-bus berichten.

ich bin froh, von anfang bis ende im wolangbus mitgefahren zu sein und alle höhen und tiefen miterlebt zu haben. aus meiner perspektive waren wir ein wild zusammengewürfelter haufen junger menschen, die gemeinsam etwas machen wollten, gemeinsam diesen bus in bewegung setzen wollten. wir brauchten ein paar tage, bis wir uns zusammen gerauft hatten, bis wir ein gemeinsam agierender organismus waren. ich war aber auch schon in den ersten tagen berührt davon, wie es einfach funktionierte. ich war z.b. voll mit irgendwas beschäftigt, da sah ich, dass der wasserkanister frisch aufgefüllt da stand, dann kam emi in den bus gestiegen und hatte eine suppenkelle auf dem flohmarkt gekauft, isabella stand in der „küche“ und pürierte kichererbsen, elmo verwandelte durch seine musik den wolang-bus in einen party-bus und jan hatte noch abends um 23 uhr spaß dabei sich mit jungen leuten über alles und direkte demokratie zu unterhalten. und so könnte ich über jeden meiner mitfahrer etwas sagen. der bus hat die ganz eigenen fähigkeiten jedes mitfahrers zum vorschein gebracht. und ich bin allen dankbar, dass sie mitgefahren sind, auch wenn die fahrt manchmal eine zerreißprobe war.

jede station hatte ihre besonderheiten und ihren ganz eigenen charme, so war es in bonn die aufbruchsstimmung, die freude, dass es losgeht, mein highlight war, dass auch beethoven abstimmen wollte, in koblenz war die schlussaktion das schönste für mich, dieses bild, wie die verschiedensten menschen im kreis zusammensitzen und sich beraten, wie sie es machen wollen, ob wir ein bge einführen wollen (hier kamen davids fähigkeiten zum strahlen) und in bernkastel kues war es das experiment mit matthias schenk, das mich so sehr beschenkte. die herbstdialoge fande ich allgemein so schön, dass ich nächstes jahr auf jeden fall wieder kommen möchte. in jena agierten wir wie ich finde am besten zusammen, alles lief wie am schnürchen, jedes zahnrädchen griff in das nächste und so viel gelacht wie bei isabellas erstem abschiedsabend, an dem wir karaoke sangen, habe ich schon lange nicht mehr. in kladow ging es so weiter, ich erinnere mich noch, wie ich um zwei uhr nachts spülte, lina im schlafanzug und mit schlechtem gewissen fragte, ob sie helfen solle und ich meinte, nein, du kannst ja nichts dafür dass ich einen schaden habe. in chemnitz, dresden und halle mussten mir uns wieder ganz neu finden, da wichtige stützen fehlten, dafür aber zu meiner großen freude sophia eingestiegen war und auch christopher ein paar tage später kam. außerdem arbeitete ein filmer ein paar tage mit – der miguel. die luft war bei mir schon langsam draußen, aber auch hier gab es immer wieder so schöne ereignisse. genauso in berlin, der endstation, die akion auf der spd-veranstaltung saß einfach wie die faust auf dem auge. und dann kam noch die elefanten-aktion, ein riesen ding vor dem ich tausend tode starb, das verrückteste was ich bisher in meinem leben gemacht habe. ich fühlte mich so schlecht, bis wir um die ecke bogen und alle da waren, jan hagelstein mit der kamera, sophia und maria, noemi, lina, kilian… und alle freuten sich. da freute ich mich auch.

wir haben so viele menschen kennen gelernt, so viel zusammen erlebt und gestaltet, so viel gesehen und ich bin froh, dass wir den bus in bewegung gesetzt haben.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

Letzte Artikel von Freya Lintz (Alle anzeigen)

wie soll ich nur…
1. Oktober 2017 | 13:40