Wie ein Hähnchen auf dem Hähnchengrill…

…so sitz ich da und tropfe still.

Diese Lied-Zeile eines Heidelberger Sängers hatte ich heute im Kopf, als ich vor dem Omnibus präsent stand und saß, um Interessierte zu empfangen. Es war schon morgens so heiß, dass wir schon beim Frühstück schwitzten. Den Vormittag über hatte ich leichtes Leiden. Aber ohne Leiden keine Leidenschaft.

Thema war heute und die letzten Tage vor dem Omnibus immer wieder der Brexit. Ich finde das sehr gut, denn am Unterschied Volksabstimmung/Referendum kann man so schön die Feinheiten der Volksanstimmung aufzeigen. Was mich allerdings ärgert, wenn die Leute mit dem Satz kommen „sind Sie auch jetzt noch nach dem Brexit für Volksabstimmung?“ Oder „der Brexit hat ja gezeigt, was bei Volksbastimmung rauskommen kann.“ Dann erkläre ich ihnen immer den Unterschied Volksabstimmung/Referendum, aber wütend macht mich trotzdem, dass viele Deutsche sich einbilden, sie wüssten, was gut für die Briten ist und die Briten hätten einen großen Fehler gemacht. Ich finde es persönlich sympathisch, dass Großbritannien sich selbst bestimmen will und sich von den stark zentralistischen und undemokratischen Strukturen der EU lösen will.

Mit meiner Förderer-Werbung war ich insgesamt in Landau nicht so erfolgreich wie in Kaiserslautern, obwohl mir die Menschen, mit denen ich in Landau sprach viel wohlhabender vorkamen. Daher stellte ich während des Tages die These auf, dass je reicher die Menschen einer Stadt sind, desto weniger wollen sie ihr Geld hergeben.

Um sechs Uhr machten wir uns dann auf den Weg nach Wiesloch bei Heidelberg, also auf die andere Rheinseite nach Ba-Wü. Wir hatten circa 50 km zu fahren und gingen außerdem tanken, den Wassertank auffüllen und das alte Wasser ablassen. Dann fuhren wir in Wiesloch auf unseren Platz zu und damit sollte der anstrengendste Teil des Tages erst noch beginnen: Denn auf den Marktplatz, unseren Standplatz für die nächsten zwei Tage, führten nur zwei schmale Sträßchen, die bis auf den Marktplatz auch noch eine ganz schöne Steigung bewältigten. Werner fuhr also erst einmal mutig das eine Sträßchen, das noch schmälere wie sich später herausstellte, hinauf. Das war so steil, dass er das richtig mit Schmackes hoch musste. Mir blieb das Herz stehen, da wir so nah an den Häuserwänden vorbei rauschten. Dann landeten wir auf einem winzigen Platz, der auch noch halb voll mit Stühlen und Tischen eines italienischen Rastaurants gestellt war. Die Menschen starrten uns alle mit großen Augen und offenen Mündern an. Dann wollte Werner wenden, um die offene Seite des Omnibus dem Platz zuwenden zu können. Er rangierte hin und her, zwei Mitarbeiter des Restaurants halfen auch, aber es half alles nichts. Also fuhren wir das andere Sträßchen ein Stück herunter, Werner wendete dort, wir fuhren wieder auf den Marktplatz hoch und Werner parkte schön. Als er den Motor abstellte, applaudierten die Menschen im Restaurant. Ich kann auch nur applaudieren, dass Werner dieses Manöver so mutig gemeistert hat. Ich habe dabei wieder gemerkt, wie anspruchsvoll das Omnibus-Fahren ist und weiß, dass ich das niemals könnte.

Jetzt stehen wir aber optimal auf diesem kleinen Platz, erfreuen uns an dem Stimmengewirr aus dem Restaurant und sind gespannt auf den morgigen Tag.

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Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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25. August 2016 | 22:39