Vollmond war vorgestern

Gerade habe ich „wo lang“ geöffnet und mich so sehr gefreut über die Vielheit und Vielfalt der neuen Beiträge. Toll so ein Blog, in dem so viele verschiedene Menschen ehrlich aus ihrem Leben berichten.

Vollmond war vorgestern – also in der Nacht von Sonntag auf Montag. Ich war mit meiner Mutter auf der A8 unterwegs, als ich den Mond fett durch die Fahrer-Fensterscheibe erblickte. Ich glaube, so groß habe ich den Mond noch nie gesehen.

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Ich bin eine Woche zu Hause bei meinen Eltern und mache ein Praktikum bei dem Schulsozialarbeiter der Grundschule, an der meine Mutter arbeitet. Heute war ich den zweiten Tag dabei, finde sehr interessant, was ich alles sehe und mitbekomme, bin aber noch am Überlegen, wie ich die Rolle Schulsozialarbeiter bewerten will. Er ist Sittenwächter und verbietet den Schülern ganz klar, dass nicht geschubst, geschlagen, geprügelt, getreten, geschmissen, geworfen, geflucht und beschimpft wird. Er verbietet ganz schön viel. Kann man verbieten, dass die Kinder sich schlagen? Ist das sinnvoll? Das beschäftigt mich jetzt sehr. Denn ich stelle mir vor, dass wenn man überhaupt nicht mehr in konfrontativen Körperkontakt mit anderen Menschen treten darf, dass wir alle dann irgendwann nur noch stumm und apathisch, unbeweglich auf unseren Stühlen sitzen. Man kann das Körperliche nicht ausblenden, aber unsere Gesellschaft versucht das immer.

Was mir positiv bei meiner Begleitung von Tom (Name von der Redaktion geändert) auffällt, dass er sich so für die Verletzten und Gedemütigten einsetzt. Meine Mutter nennt ihn, den Robin Hood. Heute ist er sogar in die Rolle von Olaf, dem schwarzgelockten Mobber geschlüpft, um zu zeigen, wie scheiße es sich anfühlt, gedisst zu werden. Und er übt in den „Klassenrat-Stunden“ mit den Schülern einen ehrlichen und konstruktiven Umgang miteinander. Von der letzten Klasse heute, der 4a war ich schwer beeindruckt. Wie offen die über ihre Probleme geredet haben und wie sie sich dabei fühlen, das können die meisten Erwachsenen nicht so gut. Und zum Schluss sagen alle Kinder ihrem rechten Nebensitzer etwas liebes. Am Anfang fand ich das affig, aber heute finde ich es schon richtig gut.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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Vollmond war vorgestern
18. Oktober 2016 | 18:37