auf den dächern der stadt

heute sind wir spontan auf das „haus der statistik“ am alexanderplatz geklettert.

das haus wurde 1970 von der DDR errichtet und steht seit 2008 leer (seit 8 jahren!)

auf der rückseite gibt es im zweiten stock, oberhalb eines dachvorsprungs ein eingeschlagenes fenster. hier klettern wir hinein.

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in aufgeregter stille erkunden wir die düsteren zimmer und gänge. modrig riecht es, wie eine mischung aus algen und abgebröckeltem putz. unter den füßen knirscht zersplittertes glas und überbleibsel der einrichtung.

in einem langen gang finden wir uns wieder und laufen zum treppenhaus. entlang des flurs gewähren eingetretene türen hier und da den blick in leere, immergleiche zimmer, die ihrerseits den blick zum fenster hinaus auf die nächste grau-weisse fassade leiten.

im achten stock angekommen, steigen wir durch ein fenster hinaus aufs dach. hinter meinen vier freunden überquere ich die von blitzableitern überzogene dachpappe und folge ihnen durch ein loch in der glasfront in den nächsten gebäude abschnitt.  einer der jungs ruft uns in einen dunklen, staubigen technikraum. vorbei an blechernen kanälen und maschinen erklimmen wir die stufen einer gitter treppe , die etliche meter  höher vor einer schweren metall tür endet. wir stoßen sie auf und stehen nun mit blick auf den alexanderplatz wie auf einer modernen klippe über der stadt.

die sonne scheint bereits untergegangen – ein grauer dunstschleier umhüllt die ewigen gebäude berlins und verschlingt die kugel des fernsehturms.

auf einer feuerleiter klettern wir die letzten sprossen hinauf auf die höchste  ebene des gebäudes. hier setzen wir uns an die kante.

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auch von hier scheint mir die welt eine bühne zu sein. aber was für ein seltsames stück wird hier aufgeführt? was geschah bis hierher, dass die akteure mit lährmenden gefährten kreuz und quer zwischen riesigen quadern aus glas und beton hindurchfahren, höher als der höchste berg der umgebung?

und was bewegt sie dazu, im gegenüberliegenden glaskasten stundenlang mit kopfhörern im ohr auf der stelle zu laufen?

und wer hat eigentlich den joint?

der grüne rauch legt sich auf mein bewusstsein und verschlingt – wie der graue dunst den fernsehturm – meine gedanken.

 

 

Jan Tietz

20 jahre, student, berlin.

kontakt: jan_tietz@gmx.de

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17. Oktober 2016 | 2:20