substantiell

…sind für mich die Künstlergespräche geworden, die ich seit etwa einem Jahr in der Galerie eines Freundes in Witten führe… ,Mimas‘ heißt die kleine Galerie, die in die städtische Konsumhölle integriert ist und zwischen Friseur-Salon und Schuhladen ein sonderbares Bild abgibt. So mancher Mensch wird vielleicht nicht darauf vorbereitet sein, wenn er beim Bummeln durch ein Einkaufszentrum in einem der Schaufenster auf einmal eigenartige, großformatige Holzskulpturen erblickt, viel weniger sogar, wenn in dem gleichen Laden ein paar komische Gestalten herumschleichen und mit unterschiedlichen Musik-Instrumenten eine eigenartige, jeglicher Konventionen entbehrende Musik zum Besten geben – und sich sogleich ein Haufen sonderbarer Gestalten zum Gespräch zusammensetzt…

Bei dieser letzten Veranstaltung hat sich mir im Gespräch mit dem ehemaligen Alanus-Dozenten Klaus Schröder ein wunderbares Einsehen in die Zeitigkeit moderner Kunst ergeben. Eingerahmt von Klang-Collagen, sprechenden Menschen, der Musik des Lebens und der stillen Arbeit von Klaus‘ Exponaten haben sich mir Perspektiven moderner Kunst erschlossen, die sich in ihrer Substanz in und für die Zeit entfalten wollen. Was ist , was bleibt und was was wird beim Betrachten eines Kunstwerkes? Wer bin ich, wer bleibe ich und wer werde ich nach dem Betrachten eines Kunstwerkes sein?

Wie könnte Kunst denn auf andere Weise wirksam werden, wenn sie sich nicht in Zeit und Raum als etwas sich substantiell-Entwickelndes entfalten könnte? Diese Frage war mein Ergebnis nach dem letzten dieser Künstlergespräche. ,Kunst‘ scheint mir daher in vielerlei Hinsicht leider ein verschimmelnder Begriff zu sein, der sich auf augenblickliche ,Artefakte‘ beziehen muss… Ich weiss mein ,Aha!-Erlebnis‘ leider vorerst nicht anders in Worte zu fassen. Aber wie wertlos ist eine Kunst, die sich nach der Betrachtung zur Seite legen lassen ließe – die wir, nachdem wir sie konsumiert haben, gleich wieder vergessen dürften? Und wie wertvoll kann Kunst schließlich sein, wenn sie aus dem augenblicklichen Raum in die Zeit hinein wirken kann?

Jonas

Jonas

28 jahre, witten
Jonas

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3. November 2018 | 17:08