Rheingold

Erst sollte dieser Blogeintrag „der Omnibus provoziert“ heißen. Denn der Omnibus begegnet den Leuten meist wie ein Gefährt aus einer anderen Welt und holt sie so für einen kurzen Moment aus ihrer Schiene heraus. Das kann in den Menschen Erstaunen, Freude hervorrufen (wie bei dem Mann gestern, der uns bei sich duschen ließ), es kann manche Menschen aber anscheinend auch rasend machen.

Die gestrige Nacht war für mich sehr aufregend und schlaflos. Zwischen halb zwei und drei Uhr nachts wurde ich von verschiedenen Pöblern draußen vor dem Omnibus wachgehalten. Die ersten fuhrwerkten direkt unter meinem Fenster und als das Wort „Backstein“ fiel, dachte ich, jetzt schmeißen die gleich einen Stein durch ein Fester und bin runter gerannt. Ich sah noch, wie die zwei junge Typen eine Omnibus-Klappe wieder zumachten und rief ihnen zu, sie sollten weggehen, wir wollten hier schlafen. Dann bin ich mit immer noch klopfendem Herzen wieder ins Bett gegangen und habe noch die absonderlichsten Gesprächsfetzen aufgenommen. Einer sprach in sein Handy „und dann hab ich gedacht, fuck was macht hier der Omnibus.“ Es klang so, als wollte er uns fertig machen. Dann sagte ein anderer „Volksabstimmung – was denn für eine Volksabstimmung? – scheiß Volksabstimmung, ich sollte hier alles kaputt machen“. Ich lauschte, ob seinen Worten Taten folgten, aber er ging wohl weiter. Dann wurde ich wieder aus dem Schlaf gerissen, weil jemand wild versuchte die Tür aufzumachen. Ich rannte wieder runter und rief den Typen hinterher, dass sie uns in Ruhe lassen sollten. Dann drehte der eine um, stellte sich vor mich und sagte, dass es ihm leid täte. Der wollte echt nur pöbeln. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es die gleichen waren, die schon zuerst da waren. Ich war so wütend und konnte meine Stimme kaum kontrollieren, das merkte der Typ, wahrscheinlich wurde ihm da klar, was sie für Scheiße bauen und sie ließen uns dann in Ruhe.

Der Arbeits-Tag war dann mindestens genauso ruhig, wie der gestrige.

Dann packten wir um kurz vor zwei alles ein, stürzten uns wieder in den Schlund und fuhren nach Speyer. Wir stellten uns auf eine Landzunge, auf der auch viele PKWs parkten und gingen an den Rhein-Strand. Es war, ist so schön! Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Der große blaugrün glitzernde Fluss auf dem ein reger Verkehr herrschte, von kleinen Flitzies bis zu großen Container-Schiffen. Dann die Baum-Reihen auf der anderen Rheinseite, der strahlend blaue Himmel, der Autoverkehr auf der Rheinbrücke und über allem thronte der Speyrer Dom. Der Strand bestand aus Kieselsteinen und war zwar belebt aber wirklich nicht voll. Johanna und ich gingen ins Wasser, ich stand erst mal eine ganze Weile nur bis zu den Oberschenkeln im Wasser da und konnte mich gar nicht an all dem satt sehen.

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Auf dem Weg zurück zum Omnibus sagte ich zu Werner und Johanna, dass ich hier zwei Wochen Uralub machen könnte, ohne mich zu langweilen.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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Rheingold
27. August 2016 | 21:59