mit dem omnibus durch ba-wü

die letzten zwei wochen habe ich meinen diesjährigen omnibus-dienst geleistet – ich muss einfach mindestens einmal im jahr eine etappe mitgefahren sein. es ist immer wieder eine herausforderung und ich komme immer wieder an die grenzen meiner kräfte, aber ich suche diese herausforderung und brauche irgendwie auch diese existentiale arbeit. für eine kurze, begrenzte zeit.

zunächst einmal startete meine mitfahrt in überlingen am bodensee mit einem unterrichtsmarathon über direkte demokratie an der waldorfschule überlingen. werner und mathias sprachen mit vier klassen je eine dreiviertelstunde und ich machte das gleiche parallel mit anderen vier klassen. ab der zweiten einheit hatte ich unterstützung von julius, einem heilerziehungspfleger, den isabella mir organisiert hatte, aber für die gestaltung der vorstellung und des gesprächs war ich trotzdem fast auf mich allein gestellt. ich bin sehr zufrieden mit mir, wie ich das (als behindertenbeauftragte) hinbekommen habe und denke auch mit guten gedanken an die schüler zurück. von der letzten klasse, einer elften war ich schwer beeindruckt. kein lehrer war dabei, die schüler hatten schon einen stuhlkreis gerichtet und schenkten mir alle ihre aufmerksamkeit, obwohl es schon ein uhr war und der zweit letzte schultag vor den sommerferien. auch die 9. klasse, als chaotisch angekündigt, stellte viel interessierte fragen, nachdem einmal das eis gebrochen war.

dann standen wir dienstag und mittwoch auf dem landungsplatz in überlingen und konnten während der arbeit auf den bodensee schauen. gibt es einen schöneren arbeitsplatz? mathias half uns, die anna aus witten stieß dazu und leon und isabella kamen uns immer abends besuchen. das war wirklich schön und trotzdem freute ich mich, als es in singen ruhiger wurde.

dann fuhr ich ja für einen kurzen blitzbesuch auf das eine-erde-camp der bundjugend hessen, von dem ich schon berichtet habe. das wochenende verbrachte der omnibus bei mathias zuhause, einem wilden, experimentellen gelände mit kleinen oasen und besonderen orten.

dann ging es auf die schwäbische alb nach sigmaringen. hier habe ich schon einmal vor mehr als zehn jahren einen verregneten aber wunderschönen zelturlaub verbracht. die pressearbeit funktionierte super und bescherte uns in dieser kleinen schlafstadt drei produktive tage.

wir wurde jeden tag mindestens einmal von menschen mit behinderung besucht und ganz herzlich begrüßt, sodass wir uns hier sehr willkommen fühlten. anna und ich bereiteten ausgefeilte salate vor und tauschten lieblingslieder und -rapper aus. am mittwoch reiste anna ab und werner und ich arbeiteten die zweite hälfte der woche alleine. am mittwochabend fuhren wir weiter nach albstadt, einem kleinen städtchen, indem der omnibus bisher noch nie war.

von anfang an hatte ich hier ein komisches gefühl und eine diffuse leichte angst. die zusammensetzung der menschen war sehr heterogen, gut bürgerliche schwaben, alle möglichen ausländer, punker und hippies und jedes grüppchen blieb unter sich. es kamen wenige gespräche zusammen und werner und ich konnten den laden  gut zu zweit bedienen. werner hat in seinem blog-eintrag „schwäbischer alptraum“ ja beschrieben, was in der nacht auf freitag passierte. ein typ schlug die scheibe ein und thronte sturzbetrunken auf dem fahrersitz. wir ließen die polizei kommen und der einbruch konnte so gut es ging geklärt werden, doch der schreck steckte noch eine Weile in unseren knochen.

jetzt steht der omnibus vor meiner haustür und ich freue mich darauf erst einmal „lekker“ (holländisch: gut, herrlich) zu relaxen.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
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7. August 2017 | 14:56