Man muss sich Sysyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen

– und mich übrigens auch.

Camus hat für mich mit diesem Gedanken einen der genialsten, unaufgeregtesten „Plottwists“ der Philosophie gemacht. Einfach das ultimative, Jahrtausende alte Bild für ‚Aussichtslosigkeit‘ zu nehmen und kurzerhand festzustellen, dass wir dabei übersehen, dass der gute Kerl schlussendlich gedanklich nur vor sich selbst steht (und in der Geschichte ist ja auch ansonsten niemand mehr zugegen am Ende, ähnlich wie phasenweise hier in Ahlen, aber dazu später mehr) und sich damit aus jeder Situation mit seiner Haltung zu ihr befreien kann.

Tja und die Arbeit mit dem Omnibus, dass bedeutet so einige Felsen zu wälzen… Ein Beispiel aus der Mikroebene der letzten Station:

-Wir haben einen beschissenen Platz von der Stadt bekommen und stellen fest, dass paar Meter weiter, um ein paar Ecken, ein toller Ort ist, wo der Omnibus seine volle Wirkung und Aura entfalten könnte. Freundliche Nachfrage im Rathaus löst die gesamte „ahlglatte“ (im Zweifel sind schlechte Wortspiele immer Absicht) Kette lokaler Bürokratie aus.

„Dafür ist eigentlich die Kollegin zuständig“, „Da muss ich mal telefonieren und geb‘ Ihnen Bescheid“, „Ich kann sie verstehen, und beim nächsten Mal müssten Sie das dann früher…“, „das Kopfsteinpflaster könnte zu Schaden kommen“, …

Das hat dann unweigerlich zur Folge, und ich denke Jeder von uns hat diesen Zustand schonmal erfahren, manchmal vor dem Omnibus zu stehen, und man sieht vor dem geistigen Auge diese runden Steppenläufer durchs Bild rollen (ja, wie bei Spongebob, oder in nem Western). Die Zeit dehnt sich…

-und ZACK! Genau da, und in so vielen weiteren Beispielen wird aus diesem Felsenwälzen wahre Schönheit. Die Gelegenheit, so unendlich viele Details in seiner Umgebung wahrzunehmen, unterschiedlichen Gedanken nachzuhängen, sich darauf einzulassen wirklich den qualitativen ‚Ergebnissen‘ eines Tages mit vollem Bewusstsein eine staunende Anerkennung zu geben.

Traue ich mich wirklich, einfach von einem tollen Gespräch und der Inspiration daraus, fasziniert zu sein? Mich von Zahlen als griffige Koordinaten auf die Frage „Wo lang?“ zu lösen?
Denn ich will ja an einen Ort, an dem keiner von uns je gewesen ist und an den trotzdem jeder hinkommen kann. Dafür kann es keine Koordinaten geben.
Ein Paradies.

Oh.

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Enoch

20, studi, 世界人, erfurt.

kontakt: enoh.tabak@uni-Erfurt.de

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Man muss sich Sysyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen
28. September 2016 | 0:30