Kleine Szenen

vielfacher Art spielten sich heute ab und waren willkommene Anlässe zu Schmunzeln und innerlichem Selbstgespräch.

Gerade vorhin hat ein Gewitter, welches kurz und gemächlich auf den Omnibus einprasselte (manchmal bahnt sich das Geräusch erst langsam aus dem Hintergrund seinen Weg, so wie heute, während ich konzentriert und superfix wie immer an der Spüle am „schaffen“ war, was dann noch ein zusätzliches retardierendes Moment ist, in welchem aufgeregte Hoffnung sich vergewissern muss, dass es auch wirklich Gewitter ist und nicht irgendwas anderes Unspektakuläres – so wie diese unfassbar entartete Klammerbemerkung) ein vergleichsweise großes, besinnliches und gelassenes Zeitfenster  geöffnet, auf das ich mich jetzt schon freue. Ein bisschen Pause.

Durch diesen Luxus weiß ich jetzt fast noch garnicht wie viel von den Myriaden an Eindrücken, ich schaffe zu umfassen.

Gestern Abend hab‘ ich endlich noch geschafft einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt Hamms zu machen und bin dabei ins ‚Lutherviertel‘ gekommen,welches mir total gut gefallen hat. Laut Aussage vieler seiner Bewohner ist die Stadt gerade auf einem absteigenden Ast und gerade deshalb fand‘ ich es so bemerkenswert und schön, wie hier experimentiert wurde, auf dem Weg zu einem „Künstlerviertel“, mit Gemälden an Häuserwänden, einer plötzlich auftauchenden kleinen Bühne, Zitaten an Laternen,etc. Unverhofft und damit dann mindestens genauso intensiv, wie wenn man durch solche Viertel in Soho/NY, Amsterdam oder Barcelona flaniert, wo so etwas vom Selbstverständnis getrieben wird.

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Heute war dann ein Forum der Grünen zu Landwirtschaft, wo der Omnibus eingeladen war über das Volksbegehren in Brandenburg zu sprechen und zu erzählen. Gerade auch jetzt mit TTIP und CETA werden immer wieder „Breite Bündnisse“ beschworen und deswegen fand‘ ich Michaels Gedanke besonders toll, dass wir alle als Gesellschaft das breitest mögliche Bündnis sein können,was oft vergessen wird.

-Jedenfalls war das unser Ticket zum „Bio-Büfett“ der Veranstaltung. Und während ich so bisschen abseits meinen „Gutes-Gewissen-Spaghetti-Teller“ schlemmte, breitete sich ein konspiratives, breit grinsendes Trio von Jungs, die offensichtlich nicht zur ‚Klientel‘ gehörten, und sich reingeschlichen hatten auch an einem Stehtisch in der Nähe aus und erfreuten sich ihrer ‚Beute‘. So manche der Teilnehmer wiederum machten sich größte Mühe, das Ganze zu übersehen (und waren innerlich wohl heilfroh,dass man mit den Mengen großzügig kalkuliert hatte und auch der eigene Magen schon gefüllt war) unterstützt von einer einen Alibi-Gesprächspartner Suchenden Mimik, während sich im Hintergrund dann doch auch eine tuschelnde Beratung entwickelte,wie jetzt mit dieser delikaten Situation umzugehen sei.. Ein tolles kleines Stück,und noch toller seine Auflösung. Nach ein paar Minuten kam der ‚Facility Manager‘, zu Deutsch Hausmeister, auf die Jungs zugelaufen,gab‘ ihnen, ebenso breit grinsend, einen fast liebevollen Klaps auf den Kopf und stieg‘ mit ihnen in ein kleines Gespräch ein, während die ‚Täter‘ gleichzeitig ertappt lachten.

Da passt dann auch folgende Aussage einer weiblichen Engagierten später am Omnibus dazu, mit der sie mich unterbrach,als ich mit ihr ins Gespräch kommen wollte,nach ihrer Unterschrift auf dem Stop-CETA-Bogen.

„Jaja, ich bin bei den Grünen,ich weiß und kenn das schon alles.“

Wie schade ist es – und das gilt für alle, die Leute hier bei der Veranstaltungen von den Grünen sind nur ein Beispiel – wenn der Glaube, bereits im richtigen Klub zu sein, verhindert, dass man sich aufrichtig begegnet!

Das ist mir grade zum Beispiel wieder mit Werner gelungen und wir hatten ein tolles Gespräch. Und überhaupt ist das in unserem tollen Trio die letzten Tage ganz oft ein leichtes.

Enoch

20, studi, 世界人, erfurt.

kontakt: enoh.tabak@uni-Erfurt.de

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Kleine Szenen
2. Oktober 2016 | 0:15