Jenseits von Volksmusik und Klassik

Die letzten Tage habe ich mich intensiv mit zwei Opernchören beschäftigt, in Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung, die gestern statt gefunden hat.

Ich habe viel über Giuseppe Verdi gelernt, z.B. dass er sagte, dass die italienische Musik an der menschlichen Stimme, am Gesang orientiert ist, während sich die deutsche Musik an einem abstrakten Tonsystem orientiert.

Während ich mich also mit einem Lied aus der Oper Nabucco von Verdi beschäftigt habe, ist mir auch klar geworden, dass dieses Lied in Italien zugleich Volksmusik ist. „Va pensiero“ kennt jeder, es ist die heimliche Nationalhymne Italiens, es ist also ganz tief im „Volk“ verankert. Da ich in einem Haushalt aufgewachsen bin, wo viel klassische Musik gehört wurde, kenne ich aus Deutschland die große Kluft zwischen Volksmusik (das wird im Weindorf gespielt) und Klassik (das hört nur eine ganz bestimmte „Klasse“ Menschen). Und diese Kluft tut mir sehr weh. Mir ist also in Auseinandersetzung mit „Va pensiero“ aufgefallen, dass diese Kluft in Italien stärker geschlossen ist, an manchen Stellen nicht da ist. Was mir sehr gut gefällt. Irgendwie bin ich auch ein bisschen sauer auf die genialen deutschen Komponisten, die ja hätten versuchen können, mit ihren kreativen Energien die Volksmusik zu verfeinern. Eine Person, die mir einfällt, der die Symbiose von Volksmusik und Klassik im deutschsprachigen Raum gelungen ist, ist Franz Schubert. Er hat Gedichte vertont und die Lieder sind teilweise in Liedergut übergegangen, das bekannteste ist sicher „Am Brunnen vor dem Tore…“

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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Jenseits von Volksmusik und Klassik
30. September 2016 | 13:34