in die oper gehen

heute abend bin ich in die oper gegangen. in das diesjährige opern air projekt des nürtinger konzert-ensembles, das nun schon seit 19 jahren alle zwei jahre eine oper in nürtinger freilicht-kulisse aufführt. meine eltern sind seit anfang an dabei und auch ich habe als 7jährige, als 9jährige und als 11jährige mitgemacht. dieses jahr wurde wieder „carmen“ zum besten gegeben, wie vor 14 jahren. ich hatte damals im kinderchor mitgesungen, durfte noch bei der schmuggler-scene mitspielen und am schluss wieder mit den anderen kindern vor der „stierkampf-arena“ herumspringen. was für kindheitserlebnisse, musik und sänger und tolle kostüme und ganz viele leute und alles draußen in der nürtinger altstadt und du darfst bis mitternacht auf bleiben. ich habe alle proben und alle aufführungen ganz genau verfolgt, sodass ich heute noch die ganze oper singen kann. ich war bei der heutigen premiere also eine scharfe beobachterin und kritikerin, wurde aber mit einer einfallsreichen inszenierung und tollen solisten beschenkt.

tja, opern sind so eine sache. ich bin damit aufgewachsen, aber ich kann mir auch eine andere, vielleicht schönere art des musikalischen miteinanders vorstellen, bei der alle anwesenden wenigstens minimal mitmachen können. unsere europäische musiktradition ist sehr auf die bühnen-performance, das virtuosentum und das passive publikum ausgerichtet. außerdem sind eigentlich fast alle opern schreckliche geschichten, oder? ich kannte carmen als kind schon von einer cd und fand die geschichte furchtbar, ich hasste diese frau, die so egoistisch war und dem armen mann so viel leid zufügte. was du als frau aus der geschichte lernen kannst: wenn du von deinem typen verlangst, dass er für dich seinen job bei der polizei aufgibt und mit dir und deiner kriminellen gang mitzieht und du ihn dann für einen anderen typen links liegen lässt, dann wird er dich umbringen. und die anderen opern-storys sind auch nicht besser. ich habe mich schon als kind gefragt, warum die nicht mal opern aus schönen geschichten entwickeln können. die sollten sich zum beispiel mal „die kinder aus bullerbü“ oder „ferien auf saltkrokan“ als opern-stoff vornehmen. wer will denn die ganze zeit diese schrecklichen geschichten hören.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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in die oper gehen
22. Juli 2017 | 0:48