Eurovision

Als ich die Frage von Studifreunden letzte Woche, was ich denn am Wochenende mache, mit anscheinend funkelnden Augen mit „ESC gucken!“ beantwortete, löste das eine schöne Verwirrung aus.

„Eh, du, echt? Das hätte ich jetzt irgendwie gar nicht von dir gedacht…“
Auch das Feuilleton arbeitete sich bereits seit einigen Tagen an diesem jährlichen Ereignis ab, die allgemeine Oberflächlichkeit des Eurovision Song Contest als konstante Setzung.
Ich für meinen Teil bin jedoch großer Fan, schon seit ich ein Knirps bin und mir seitdem einige Lieblingslieder bewahrt habe. Auch bei diesem grundsoliden Jahrgang habe ich wieder von neuem erfahren, warum. Ich war dieses mal komplett „unvorbereitet“ und kannte keinen einzigen Song bereits im Voraus. Umso schöner war die Herausforderungen für die Darbietungen, sich in einem großen Raum, wo wir mit internationalen Austauschstudenten einen Beamer aufgebaut hatten, und mit zischendem, paralellen Kochen rivalisierender Akkustik, einen Fetzen Berührung in mein Ohr zu bahnen.
Von Portugal wurde ich kalt erwischt und habe in meiner spekulativen Arroganz den knapp 200 Millionen Zuschauern in ganz Europa nicht zugetraut, so etwas im Televoting zum Sieger zu küren. Und so etwas passiert immer mal wieder in einem Jahrgang und ich glaube gar nicht mal so wenigen.
Außerdem versinke ich gerne in vielerlei Nuancen, sei es Moderatoren, die tatsächlich selbst in den wenigen Sekunden, die sie in einer Zuschaltung haben, subtile oder unsubtile politische Botschaften verstecken wollen; wie der Freiraum zwischen den Liedern und der Punktevergabe jeweils vom Gastgeber ausgeschmückt wird; welche altbekannten Gesichter vielleicht mal wiederkehren; oder welche Länder sich mal für ein paar Jahre ganz rausgenommen haben. Oder auch die stillschweigend akzeptierte Lächerlichkeit, das die größten Geldgeber automatisch im Finale sind, und meistens in schöner Regelmäßigkeit am Schlechtesten abschneiden.
Es gäbe noch so viel zu sagen, zu beobachten, und auszutauschen. Dass das Ganze trotzdem so kritisch und verächtlich als oberflächlich bezeichnet wird, wundert mich dann aber doch. Ich glaube, da ist ganz viel Projektion dabei, denn vieles von unserem Alltagsleben fällt selbst in die Kategorie „oberflächlich“ und zwar ziemlich lässig.

Enoch

20, studi, 世界人, erfurt.

kontakt: enoh.tabak@uni-Erfurt.de

Letzte Artikel von Enoch (Alle anzeigen)

Eurovision

Ein Gedanke zu „Eurovision

  1. Maria schreibt:

    Jaaaaaaa! Kann mich dem nur anschließen… war das ganze Wochenende im ESC-Fieber!

Kommentare sind geschlossen.

15. Mai 2017 | 0:57