Die schweigende Mehrheit

Heute Vormittag füllte sich die Deutzer Werft nach und nach. Nach einem ausgiebigen und eher späten Frühstück mussten wir mit dem Omnibus vom Traumplatz wegfahren und uns zwischen den anderen Infoständen, zwischen den Grünen und den Piraten einreihen.

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Brigitte, Michael und unser Praktikant tauchten bald auf, wir stellten die Tische und Unterschriftenlisten raus und dann ging es auch schon los. Viele Menschen kamen zu uns und wollten sich informieren und unterschreiben.

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Als auch alle jungen Omnibus-Aktivisten da waren und der Demo-Zug gleich los gehen sollte, überließen wir Brigitte und Werner ihrem Schicksal vor dem heiß begehrten Omnibus und schlugen uns bis ganz vorne an die Spitze des Demo-Zuges durch. Wir mussten noch warten, bis die Polizisten den Weg frei gaben, dann stürmten wir auf die Deutzer Brücke und positionierten uns Pfeilförmig mit Blickrichtung entgegen dem Demo-Zug. Ach ja, das wichtigste: wir hatten unsere Münder mit schwarzem Klebeband beklebt, dass wir nicht mehr sprechen konnten. Dann kamen die Menschen auf uns zu. Sie blickten uns erstaunt an, meistens bildeten sie einen Freiraum um unsere Formation, manchmal liefen sie einfach zwischen uns hindurch, manche hielten den Daumen hoch, ganz viele fotografierten uns. Drei mal klatschten die Leute und immer konnte man alle möglichen Wortfetzen aufschnappen. Ich hörte drei mal „die schweigende Mehrheit“, diese Interpretation gefiel mir besonders gut. Wir hatten extra keine Erklärung auf einem Plakat oder so mitgenommen, was wir wollten war ein Bild erzeugen, das in den Menschen wie ein Rätsel wirken sollte. Vielen leuchtete aber sicher unmittelbar ein, was das Bild bedeutete. Ganz wenige machten wir damit auch wütend. Sie wurden wütend, weil wir keine Stimme hatten, zum Schweigen verdammt waren und sie wollten uns in diesem Zustand nicht sehen.

Jule filmte fast die ganze Zeit. Wir blieben stehen, bis die Aufräumwagen an uns vorbei fuhren, das war circa nach anderthalb Stunden.

Um 18 Uhr war die ganze Demo dann vorbei, und wir fuhren mit dem Omnibus ins Winterquartier nach Hattingen.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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Die schweigende Mehrheit
17. September 2016 | 22:25