Der unterschätze Wert des Bettmachens

Lang bevor ich das erste Mal in den Omnibus gestiegen bin habe ich einmal einen Radiobericht über gutes Aufstehen gehört. Schnell sollte das aus dem Bett kommen sein und dann gilt es proaktiv in den Tag zu starten: erst ein Glas Wasser, dann ein Heißgetränk aufsetzten und dann das Bett machen. So betrachtet der Aufstehende schon nach wenigen Minuten die ersten Aufgaben des Tages als erfolgreich absolviert. Über die Bedeutung des Wortes ‚erfolgreich‘ lässt sich hier gerne streiten. Im Omnibus war nicht nur der Morgen so, es war der ganze Tag. Ich begann zu sehen, was ich in den letzten Minuten, Stunden und Tagen getan hatte: Unerheblich war es nur, ob es um das Anrichten des Frühstücks, das Polieren der Goldleiste oder ein bisschen Modellieren an der sozialen Plastik war. Das Gefühl etwas getan zu haben – oder wie es schlau heißt „Selbstwirksamkeit“ – habe ich noch nie so stark erlebt wie über den vier Rädern oder neben den vier Stühlen. So waren meine zwei Wochen im heimischen NRW nicht nur gutes Aufstehen; sie waren gutes Leben. Der Wert des Bettmachens kann gerne unterschätzt bleiben. Worauf es ankommt passiert auf der Straße.

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PS: Die Lego-Figur ist so etwas wie meine künstlerische Signatur, daran erkennt man meine Beiträge 🙂

Johannes Breuninger

20 jahre, student, freiburg.

kontakt: Johannes.breuninger@web.de

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17. Oktober 2016 | 20:12