Der OMNIBUS ist überall oder die Kinder von Diyarbakir

Heute hatte ich viel für den OMNIBUS gearbeitet, FörderkandidatInnen eingegeben (ich weiß, ich wiederhole mich), wegen Strom und Standplätzen telefoniert, den Kerzendeal angefangen in die Wege zu leiten und auch einige Telefonate entgegengenommen.

Als erstes rief Gabriele an und wir verabredeten, dass wir nach der Anti-Ceta-Demo zu ihr nach Refrath fahren und uns bei ihrem Grillfest mit drei von Sofias Schwestern dazu gesellen dürfen. Dann rief eine Frau an, sie duzte mich gleich und sagte, dass sie mich aus Kaiserslautern kennt. Oh Mann, klar, die hatte ich ja auch in meinem zweiten Blogeintrag erwähnt. Sie hat wirklich keine Scheu, anderen Leuten auf die Nerven zu gehen, dafür bewundere ich sie. Sie ist mir tatsächlich auch nicht auf die Nerven gegangen, ich habe große Geduld und ein riesen Verständnis für alles.

Als ich fertig mit allem war und das Büro verlassen wollte, stand Flo (Florian Kämpf) vor der Tür. Er ist im April letzten Jahres zwei Wochen am Omnibus mitgefahren und brauchte jetzt eine Praktikumsbescheinigung. Die hab ich ihm gleich profimäßig ausgestellt und unterschrieben.

Als ich später am Nachmittag ein zweites Mal im Omnibus-Büro war und das Haus wieder am Verlassen war, fuhr Jonas just in die Einfahrt.

Der Omnibus ist überall.

Am Abend wurde hinter dem raum in der Studio Bühne ein kurdischer Film mit englischen Untertiteln gezeigt. Er heißt auf deutsch „Die Kinder von Diyarbakir“. Anfangs fand ich ihn chaotisch und habe nicht verstanden worum es genau ging, dann hat sich eine Geschichte herausgeschält. Die Eltern von drei Geschwistern wurden von einer Pseudo-Polizei im Auto bei einer Pseudo-Kontrolle erschossen. Das kleinste der drei Geschwister war ein Baby, das bald starb, als die Kinder begannen sich alleine durchzuschlagen. Gülistan und Firat fingen an, ein Straßenkinderleben zu leben.

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Der Film erinnerte mich an Slumdog Millionär, er war wirklich gut.

Die Geschwister begegneten beide auf unterschiedliche Weise dem Mörder ihrer Eltern und Gülistan, das Mädchen, hatte schon die Waffe gehoben, um auf den Rücken zu schießen. Ich dachte fest in dem Film, das sie abdrücken würde, ich glaube, wenn mir so etwas als Kind widerfahren wäre, dann hätte ich auch abgedrückt. Aber ich kenne solche Weltverhältnisse ja gar nicht, ich kenne Weltverhältnisse in denen ich mit großer Überzeugung Pazifistin sein kann. Die Kinder führten dann allerdings einen anderen Plan aus…

Die Musik gefiel mir auch sehr gut, ich frag mich was das für eine Flöte war, die so eindringlich und klagend sang. Es gibt so viele Tausende Musikinstrumente, mit denen so viel Freuden und Leiden erzeugt werden können, warum lernen wir Kinder aus gutem Hause immer nur eines von zehn üblichen Orchesterinstrumenten?

Die Kinder in dem Film erfuhren Schmerzen, die ich mir nur mit Hilfe eines dunklen Raumes und aufwendig erzeugten Bildern vorstellen kann, aber trotzdem strahlten die Kinder für mich eine Eigenständigkeit, Wildheit und wie ich finde auch Freiheit aus, die in mir als Westeuropäerin aus geordneten, sicheren Verhältnissen eine Sehnsucht nach ebensolcher Freiheit wachruft.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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7. September 2016 | 23:25