das wanja-prinzip

wir menschen sind immer auf der suche nach menschlichen regeln, prinzipien, ursache-wirkungsverhältnissen. daran finde ich auch nichts verwerflich, wir könnten uns gar nicht orientieren ohne diese orientierungshilfen. in uns allen stecken kleine soziologen. die sozialwissenschaften übertreiben es allerdings meistens mit ihrer neurotischen suche nach kausalitäten und determinanten. davon, dass menschliches handeln determiniert ist, halte ich nichts. in der welt da draußen stelle ich das gegenteil fest. immer wieder handeln menschen ganz anders, als ich es erwarte. immer wieder bin ich überrascht, was in den köpfen anderer menschen vorgeht. sich diese offenheit zu bewahren finde ich wichtig, weil man ansonsten andersheit überhaupt nicht mehr verstehen und für wahr halten kann. und trotzdem macht es immer wieder spaß nach „regeln“ zu suchen.

mit dieser methodologischen einleitung, soll nun mein wanja-prinzip verstanden werden:

immer wieder gibt es phasen in unserem leben, kürzere oder sich über jahre hinziehende, in denen wir „nichts tun“. wir hängen rum, können uns für nichts motivieren, alles fällt schwer, man macht zeug wie sinnlos fernsehschauen oder exzessives computerspielen (was vor allem bei unseren männlichen mitmenschen zu beobachten ist) oder ähnliches. ich versuche solche phasen nicht zu verteufeln und mich so schnell wie möglich daraus zu befreien, sondern gebe mir meine zeit des unproduktivseins. dann denke ich nämlich immer an den starken wanja, der sieben jahre lang nur auf der ofenbank lag und sonnenblumenkerne aß (und kein wort sprach). alle hielten ihn für einen nichtsnutz und schmarotzer, bis er sich nach sieben jahren aus der waagerechte erhob, bärenstark war und die böse hexe babajaga besiegte.

ich kann das wanja-prinzip oft bei mir beobachten: ich befinde mich ein paar tage lang in einer sehr unmotivierten stimmung, schaue mir viele naturdokus an, bin schnell genervt, wenn jemand meine ruhe stört und habe nur richtigen spaß am essen. in diesen tagen denke ich dann an den starken wanja und zelebriere die „nichtstuerei“ richtiggehend. und dann irgendwann… … …ist die lust und die kraft wieder da, etwas anzupacken.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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das wanja-prinzip
4. März 2017 | 14:30