barcelona

zu dritt wohnen wir in einem kleinen, dürftig eingerichteten zimmer nahe der sagrada familia. das fenster zur straße steht immer offen, sodass sich morgens beim aufwachen die stadtgeräusche in meine träume mischen.
ich stehe auf, gehe zum fenster und setz mich auf die klima anlage, die auf dem kleinen „balkon“ steht. ich zünd mir eine kippe an und beobachte das treiben auf der straße. wie eine bühne kommt sie mir vor. im cafe direkt unter dem balkon sitzen die ersten touristen und warten auf den asiatischen jungen, der von früh bis spät mit notizblock und tablet zwischen den tischen und der sich unter mir befindenden theke hin und her läuft.
das geräusch eines rollenden skateboards zieht meine augen auf einen jungen mann, der dreist und elegant zwischen den passannten hindurchfährt. mit einer brille auf der nase könnte ich sicherlich erkennen, dass er schmunzelt.
das skateboard entfernt sich und die unterschwelligen bässe der autos und busse dröhnen wieder in mein ohr. ich bin nicht der einzige, den sie beeinflussen. auch die ahornblättrige platane, die sich ihren weg aus der fußgängerzone hin zum blauen himmel erkämpft, wirkt erschöpft und entwurzelt in ihrem kreisrunden ausschnitt im beton.
wir – mein cousin paul und unser freund patrick, gehen raus und tauchen ein in die stadt.

aber etwas steht zwischen mir und meiner umwelt. es unterbricht den lebendigen austausch von mir und den beiden freunden. es verschluckt auch die heiteren ausdrücke der stadt und diejenigen, die ich an sie zurück senden will. beim tanzen hindert es meinen körper, ausdruck meiner lebensfreude zu werden und lässt ihn stattdessen mechanisch durchdachte bewegungen ablaufen. (auch beim schreiben dämmt es den fluss aus der sinnlichkeit)
mein ganzes bewusstsein ist erfüllt vom vordergründigen, rationalen denken, ohne dass ich eine richtung vorgeben würde. dieses beständige summen lässt mich alle impulse vorerst durchdenken, drängt mich zum zweifeln und macht mich unsicher. es lässt meinem herz nurnoch wenig raum, sich zu entfalten.

vielleicht spiegelt sich darin meine intuitive anteilnahme an der kalten, rechtwinkligen landschaft aus beton, die sich in ähnlichem ausmaß auf die lebendige natur gelegt hat, und deren leblose strassen und fassaden besonders in der nacht einen schatten in mich werfen.
ich denke aber eher, dass es persönliche gründe hat, denn eigentlich ist barcelona eine wunderschöne stadt.

Jan Tietz

20 jahre, student, berlin.

kontakt: jan_tietz@gmx.de

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barcelona
5. Oktober 2016 | 3:06