back to the streets

so hatte ich mir das nicht vorgestellt: ich komme am freitag von einer elf stündigen zugfahrt von der cote d´azur in witten an, verbringe am nächsten tag meinen 25 geburtstag, was ja auch immer mit einigen vor- und nachbereitungen verbunden ist und fahre am nächsten nachmittag schon wieder weg. doch zwei eingeplante omnibus-mitfahrerinnen sind ausgefallen und so bin ich mit werner alleine nach gelsenkirchen gefahren. gelsenkirchen ist wohl die ruhrpott-klischee-stadt schlechthin und so kann ich hier intensive regional-kunde betreiben. das hab ich schon im schwabenland gehört: in gelsenkirchen tragen die leute vokuhila, jogginghose, badelatschen, leben nur für ihren fußballverein und von hartz IV. und tatsächlich sagen circa 70 % meiner gesprächspartner, ich lebe von hartz IV. aber die stimmung hier ist gut, alle leute, die am omnibus vorbeilaufen, schauen ihn sich auch an. ich werde so viel gegrüßt, wie in keiner anderen stadt, viele kinder fragen uns auch, was wir hier machen und vor allem viele menschen mit migrationshintergrund. das finde ich oft so schade in vielen städten, dass sich diese menschen nicht trauen uns anzusprechen. aber in gelsenkirchen ist das anders: die mehrheit der passanten hat offensichtlich einen migrationshintergrund, vielleicht sind sie deshalb auch viel selbstbewusster. sie wissen: in gelsenkirchen müssen sie das regeln. werner und ich waren fast ständig im gespräch – so macht die arbeit spaß! und viele gute und lustige gespräche. ein spanier hat mir vorgemacht, wie er als kleiner junge baumwolle gepflückt hat, ein pfälzer aus ludwigshafen war viel zu nett für diese welt, ein ich-weiß-nicht-woher hat werner und mich eingeladen, bei ihm zu essen und zu schlafen und zu duschen und ins internet zu gehen.. da kann man sehen, was passiert, wenn man die grenzen offen lässt – die menschen bedanken sich.  und am besten sind die kinder. man denkt, in so einer stadt wie gelsenkirchen gibt es keine kinder. aber das stimmt nicht. hier springen so viele kinder umher und auch in den kinderwagen werden viele an uns vorbeigeschoben. heute gegen fünf uhr haben zwei kleine jungs (der eine sah asiatisch aus) vor uns auf dem platz fangen gespielt. der eine hat immer gerufen: „fang mich doch, eier-loch!“ also, back to the streets gibt es viel zu entdecken.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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back to the streets
13. Juni 2017 | 22:56