substantiell

…sind für mich die Künstlergespräche geworden, die ich seit etwa einem Jahr in der Galerie eines Freundes in Witten führe… ,Mimas‘ heißt die kleine Galerie, die in die städtische Konsumhölle integriert ist und zwischen Friseur-Salon und Schuhladen ein sonderbares Bild abgibt. So mancher Mensch wird vielleicht nicht darauf vorbereitet sein, wenn er beim Bummeln durch ein Einkaufszentrum in einem der Schaufenster auf einmal eigenartige, großformatige Holzskulpturen erblickt, viel weniger sogar, wenn in dem gleichen Laden ein paar komische Gestalten herumschleichen und mit unterschiedlichen Musik-Instrumenten eine eigenartige, jeglicher Konventionen entbehrende Musik zum Besten geben – und sich sogleich ein Haufen sonderbarer Gestalten zum Gespräch zusammensetzt…

Bei dieser letzten Veranstaltung hat sich mir im Gespräch mit dem ehemaligen Alanus-Dozenten Klaus Schröder ein wunderbares Einsehen in die Zeitigkeit moderner Kunst ergeben. Eingerahmt von Klang-Collagen, sprechenden Menschen, der Musik des Lebens und der stillen Arbeit von Klaus‘ Exponaten haben sich mir Perspektiven moderner Kunst erschlossen, die sich in ihrer Substanz in und für die Zeit entfalten wollen. Was ist , was bleibt und was was wird beim Betrachten eines Kunstwerkes? Wer bin ich, wer bleibe ich und wer werde ich nach dem Betrachten eines Kunstwerkes sein?

Wie könnte Kunst denn auf andere Weise wirksam werden, wenn sie sich nicht in Zeit und Raum als etwas sich substantiell-Entwickelndes entfalten könnte? Diese Frage war mein Ergebnis nach dem letzten dieser Künstlergespräche. ,Kunst‘ scheint mir daher in vielerlei Hinsicht leider ein verschimmelnder Begriff zu sein, der sich auf augenblickliche ,Artefakte‘ beziehen muss… Ich weiss mein ,Aha!-Erlebnis‘ leider vorerst nicht anders in Worte zu fassen. Aber wie wertlos ist eine Kunst, die sich nach der Betrachtung zur Seite legen lassen ließe – die wir, nachdem wir sie konsumiert haben, gleich wieder vergessen dürften? Und wie wertvoll kann Kunst schließlich sein, wenn sie aus dem augenblicklichen Raum in die Zeit hinein wirken kann?

substantiell

Zeit

Nach langer Zeit will ich mich an diesem Ort wieder zu Wort melden.

Zeit – sie scheint mir ein merkwürdiges Rätsel zu sein. Ehe man sich ihrer gewiss wird, ist sie schon verstrichen. Neue Erfahrungen wollen sich immer wieder aufs Neue behaupten und damit den bereits gemachten Erfahrungen ihre Gültigkeit streitig machen… Wie oft komme ich mir im Gegenwärtigen so schlau vor und schaue kurze Zeit später beschämend auf diesen Nichtsnutz zurück, der ich eben noch gewesen bin. ,,Genialer Einfall, Jonas!“, so sage ich mir heute – ,,oh man, hast du das gestern wirklich gedacht, Jonas?“, spricht der Jonas einen Tag später… Eine ewig wiederkehrende Erfahrung, die vor nichts halt macht. Eine Teufelsspirale, die mir immer wieder vor Augen führt, wie beschränkt ich als Mensch doch bin!

Im Verlaufe meines Schreibens auf diesem Blog habe ich diese Erfahrung immer wieder aufs Neue gemacht… Damals, wenn ich einen Eintrag verfasst habe, bin ich nachts aufgewacht – beschämt und verschwitzt – und wollte meinen Stunden zuvor verfassten Eintrag wieder löschen… Rätselhaft, dass ich mich überwinden konnte zu sagen: ,,Jonas, steh zu dem, was du gedacht und gefühlt hast!“ Heute weiß ich, dass genau dies das Richtige gewesen ist. Der Jonas von gestern hat es gedacht und gefühlt… und der Jonas von heute sollte dazu stehen, was er gestern gewesen ist und zukünftig noch sein wird!

Er lebt vor allem in der Gegenwart – dieser Jonas – und nur in der Gegenwart wird alle Zeit unendlich!

In tiefer Dankbarkeit möchte ich mich den Schreiberlingen dieses Blogs zuwenden, die jene Zeit für einen Moment festhalten können, um sich ihrer Unendlichkeit zu vergewissern: Werner, Sophia, Freya, Christopher, Mathias, Enoch, Johannes, Yunus! Mit euch habe ich Zeit auf dieser lieben Erde verbringen dürfen, die unendlich sein wird!

Zeit

MUSIKPHÄNOMENOLOGIE ODER KLASSISCHE MUSIK: brexit

dieses video fahre ich mir in letzter zeit in dauerschleife rein. es eröffnet mir den tag und schließt ihn später wieder ab:

steven isserlis spielt joseph haydns cello-konzert in c-dur… ein brite spielt auf einem italienischen cello das konzert eines österreichers mit einem norwegischen kammerorchester. ich, als deutscher, schreibe nun darüber und darf teil dieser verbundenheit sein.

johannes stüttgen hatte vor zwei monaten einen vortrag bei uns am institut gehalten und meinte bei diesem vortrag ganz beiläufig, dass er die digitaliesierung ,,langweilig“ fände. ich finde sie an dem punkt, wo ich dieses video sehe und höre – wo es jeder sehen und hören kann – äußerst spannend.

wie aber soll ich meinem eindruck, den ich beim sehen und hören habe, überhaupt weitergeben können.. über eine empfindung schreiben, über die ich eigentlich gar nicht schreiben kann?

immer wenn ich musik-stücke gehört habe von cellisten, die ich schätze, habe ich darauf geachtet ,,wie spielt der cellist diese stelle jetzt? welche dynamik.. wo betont der cellist? welches gefühl will er vermitteln? wo wird er langsamer… wo wird er schneller?“ in gewisser weise also sehr analytisch…

als ich letztens mit einer freundin über die ,,interpretation“ von isserlis sprach, waren wir uns beide einig darüber, dass isserlis den haydn sehr ,,leicht“ spiele und ich erzählte ihr, dass ich hier das erste mal das gefühl hatte, dass ein musiker nicht ein stück ,,interpretiert“, sondern dass er die musik ,,er-klingen“ lässt.. also dass er das, was bei haydn in der seele vorging, was diesen dazu bewegt hat, dieses stück zu schreiben, wieder erklingen ,,lässt“. das ist dann wohl, in worte gefasst, meine empfindung.

ich finde es darüber hinaus sehr bemerkenswert, dass steven isserlis ein brite ist… ich kenne es noch von all den meisterklassen von damals, wo sich kinder miteinander gemessen haben, wer welches stück am besten spielen kann… ,,die polen wissen nicht wie man bach spiele“, ,,die holländer hätten ohnehin kein gefühl“ usw. … hahaha, grausam!

meine sentenz beim sehen und hören des videos ist vielmehr: steven isserlis, der brite, wurde zwar in groß-britannien geboren, er spielt das cello eines italieners (stradivari), die norweger gehören gar nicht zur europäischen union und ich will gar nicht zu dieser europäischen union dazu gehören.. aber der moment, wo er haydn er-klingen lässt, ist ein moment, wo er alle nationalstaaten überwindet…

apropos ,,brexit“: das wort ,,europa“ steckt ja auch in ,,eurythmie“ drin… symptomatisch, dass sich in unserem eurythmie-kurs 8 nationalitäten gemeinsam bewegen…

 

MUSIKPHÄNOMENOLOGIE ODER KLASSISCHE MUSIK: brexit

wo lang mit ,,wo lang“?

für das erste dezember-wochenende dieses jahres haben wir ein treffen von wo-lang-blog/ wo-lang-konferenz/ wo-lang-bus -menschen angesetzt, zu dem hoffentlich viele akteure zusammentreffen werden. auch du, lieber yunus, bist herzlich eingeladen, da du durch deine wundervollen blog-einträge schon viel für unsere arbeit getan hast, ohne dass du die wo-lang menschen in persona antreffen durftest.

während der wo-lang-bus unterwegs gewesen ist, tauchte bei mir das bedürfnis auf, die unterschiedlichen ausprägungen der wo-lang-initiative zu verbinden. die nahtstelle hat der wo-lang-bus selbst gebildet: konferenz-menschen, die am bus gearbeitet haben, schreiberlinge des blogs, und mitarbeiter des omnibus‘ haben auf engem raum miteinander ein zusammensein gelebt, das mich als erfahrung wohl mein leben lang begleiten wird. über allem stand die frage: wo lang? als innere frage, aber auch als initiative, die sich selbst diesen namen gegeben hat und sich in blog, konferenz und bus niedergeschlagen hat.

daher mein hilferuf an dich, lieber yunus: können wir nicht ein wenig ,,einheit schaffen“?

wo lang mit ,,wo lang“?

einheit schaffen

danke freya für den ausführlichen bericht. als ich samstag abend nach hause kam, musste ich yunus‘ einladung zu seiner geburtstags-feier absagen, weil ich in gedanken immer noch bei dem mann war, der auf einmal auf der autobahn stand. ein paar sekunden vor freyas stunt stand nämlich ein alter, bärtiger mann, mit leerem gesichtsausdruck auf der seitenspur und hat uns für einen augenblick fassungslos gemacht. ich konnte leider noch nicht herausfinden, was der mann auf der autobahn verloren hatte und ob ihm etwas zugestoßen ist. jedenfalls hätte seine aktion noch weitreichendere folgen haben können…

den workshop an der widar schule fand ich hingegen sehr gelungen… brigitte ist mal wieder zur höchstform aufgelaufen und wir konnten bei den wenigen teilnehmerinnen, glaube ich, einen bleibenden eindruck hinterlassen.

ein tag zuvor hatte yunus mit seinem projekt ,,einheit schaffen“ begonnen – eine wunderbar kuratierte ausstellung seiner kalligraphien zu den 99 namen allahs wie auch künstlerisch ausgestalteten sinnsprüchen und gedichten

die folgende ist meine lieblingskalligraphie… elephanten sind jetzt omnipräsent..

einheit schaffen

erste wahl

yunus hat heute geburtstag… ich kann es nicht mehr abwarten dieses video zu posten…

https://www.facebook.com/yugxs/videos/1694734977204892/ (einfach draufklicken)

das video ist letzte woche zwischen yunus und mir entstanden. wir hatten uns erst ein paar tage vorher kennengelernt, aber gleich miteinander angefreundet.

ich würde gerne mehr über yunus – unsere begegnung – und auch über den heutigen tag schreiben, aber heute hat sich alles (fast) überschlagen… freya, brigitte und ich sind nach bochum zu einer tagung gefahren, um einen workshop und einen infostand zu machen. ich werde die tage mal darüber schreiben… dann wird auch hoffentlich klar werden, warum ich heute noch nichts darüber schreiben konnte.

 

erste wahl

fürs erste

will ich den menschen, die der profilneurose auf facebook noch nicht erlegen sind, ein wenig futter geben:

einen zeitungsartikel… ich hatte ein gespräch mit der thüringer landeszeitung. zwar wurde ich ein wenig falsch zitiert, aber alles in einem kommt der artikel ganz gut rüber…wenn man auf den folgenden link klickt, bekommt man einen digitalen zeitungsartikel: http://jena.tlz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Fuer-direkte-Demokratie-Wo-lang-Bus-haelt-in-Jena-1844137537

und hier ist das foto-album unserer facebook-seite. man braucht, um die fotos zu sehen, auch nicht auf facebook angemeldet sein… einfach folgenden link anklicken und es öffnet sich ein neues fenster: https://www.facebook.com/pg/wolangBUS/photos/

 

 

fürs erste

das ding

…vom swr war gestern zu besuch. zwei journalisten hatten freya und kilian interviewt, unsere ,,wäsche-aktion“ gefilmt, die freya sich hat einfallen lassen, und haben gestern abend das folgende video auf ihrer facebook-seite geschaltet:

vom ,,sauber waschen“ taucht in dem beitrag leider nichts auf. auch freyas erläuterung zur aktion schien der redaktion nicht zu gefallen und wurde kurzerhand komplett gestrichen.

das ding