Ein Versuch zur Rufrettung

Juristen haben  keinen leichten Stand. Schon im Studium eilt mir und meinen Kollegen kein guter Ruf voraus. Im Kontext mit meiner Hausarbeit wurde ich von Nicht-Juristen immer wieder mit der Frage nach einem sehr verbreiteten Klischee konfrontiert.

Dem Bücherverstecken.

Es soll wohl vorkommen, wir schreiben alle mehr oder weniger das selbe Gutachten, da ist die eine Quelle Vorsprung für den einen oder anderen vielleicht verlockend. Mir kam es bislang aber nicht vor, wobei ich hier ausdrücklich nicht vom Einzelfall auf die Regel schließen will.

Mir ist eher ein anderes Phänomen, eine kleine, versteckte Solidarität aufgefallen. Es kommt vor, dass meine Kollegen in den Büchern, in denen sie lesen, eine Spur ihrer Lektüre zurücklassen. Die, gewollt oder nicht, für die dann folgenden Leser eine Hilfe darstellt, die gewünschte Stelle auch selbst schnell zu finden: Markierungen:

 

Der kleine grüne Zettel ist im einsamen Schreiben eine kleine Kommunikation. Ich weiß nicht, wie schnell die Bibliothek solche Markierungen entfernt. Sie wahren sich aber den Anschein von etwas nahem, warmen: vor nicht allzu langer Zeit, ist ein Mitstreiter auf der Suche nach der Lösung eines Problems auf genau diesen Seiten gewandelt, die Fährte ist noch heiß, ich bin hier nicht allein. Man könnte von einem „wo-lang?“-Moment sprechen.

Ein besonders schöner Moment war das Finden des folgenden Zettels:

 

 

 

 

 

 

 

 

Sprengstoffgesetz? Sprengstoffgesetz!

 

Was auch immer mich in den Genuss dieser Notiz brachte, auf die ich mir keinen Reim machen kann und will, dieser Person sei an dieser Stelle für Ihre Hausarbeit alles Gute gewünscht!

 

Ein Versuch zur Rufrettung

Die Stadt vor meinen Füßen

Ich wohne nun seit fünf Monaten in Lyon. Nun kommt mir die Frage auf, wann ich die Stadt wirklich kenne;
Wenn ich jemanden auf dem Markt für einen kleinen Plausch treffe? Wenn ich drei mal nacheinander jemandem den Weg erklären kann? Wenn ich einmal durch alle Cafés gehopst bin?
Letztlich kam das Gefühl auf, als ich jemandem mal wieder begegnet bin, ohne ihn zu sehen.

Ein Künstler namens EMEMEM hat es sich zur Aufgabe gemacht die Schlaglöcher der Stadt zu verfliesen. Er heilt die Stadt mit seiner Kunst und agiert mit farbenfroher Zuneigung zu dieser Stadt.  Seine Werke bereichern mich um ein Lächeln, wenn im ihnen im Alltag begegne. Und das anstatt eines unsanften Hopser mit irgendeinem Fortbewegungsmittel durch ein Schlagloch. Die Idee dieses Mannes schlägt ein.

Und als ich einem Altansässigen dieser Stadt auf dem Weg zum Supermarkt dieses Phänomen erklären konnte, fühlte ich mich endgültig angekommen in Lyon.

Die Stadt vor meinen Füßen

Belanglos?

Ich habe über die letzten Jahre immer mehr Abstand zu meinem eigentlichen Herzverein gewonnen. Im Stadion wurde ich mehr Beobachter als leidenschaftlicher Anhänger. Der letzte Sonntag hat mich wieder direkt in die Welt des Fanseins geholt. Mitsamt verlorener Stimme für den Tag danach.

 

 

Man kann es nicht anders sagen, der Aufstieg in die Bundesliga ist eine Belanglosigkeit. Aber all die 200.000 Menschen im Stadion und auf dem Wasen freute sich gemeinsam darüber. Ich will nicht versuchen, sie mit Worten zu umschreiben.

Gegen mein Lächeln kann ich mich seit Sonntag nicht wehren.

Belanglos?

Danke Oma

Der Kleinste zu sein ist cool. Ich habe nur große Schwestern, große Cousinen und große Cousins. In den Zwanzigern zu sein war die meiste Zeit meines Lebens nicht greifbar. Doch jetzt bin ich es. Wie es wohl wäre mit meinen Schwestern und all den anderen gemeinsam diesen Lebensabschnitt zu erleben, zu dem ich immer aufgeschaut habe. Aber alle anderen sind schon weiter.

All die Entscheidungen, die ich damals so spannend fand, sind nun bei mir präsent.

Gestern Abend habe ich das Care-Paket von meiner Oma aufgemacht. Piroschki waren drin. Auch der zehnte Enkel bekommt von Oma solche Pakete. Die haben schon damals bestimmt das Entscheiden erleichtert. Diese fünf russischen Teig-Spezialitäten haben den Lauf der Zeit ein bisschen durcheinandergebracht.

Danke Oma.

Bild

Dumm ist, wer Dummes tut.

Ein unterschätztes Zitat, aus dem Film Forrest Gump. Den Film habe ich schon früher oft gesehen Er spricht er ein großes Publikum an. Das hat Sat 1 wohl dazu bewogen, ihn jedes halbe Jahr einmal zu zeigen. Als ich den Film gestern erneut gesehen habe, erinnerte ich mich an die gesamte Geschichte von Forrest und seiner Jenny. Vielleicht war es wieder der gleiche Klos in meinem Hals wie damals, als der Protagonist fjoköla glasdnö roiweth aerifud niujeogo (ich beuge mich widerwillig dem Nicht-Spoilern-Mantra). Die ganzen historischen Anspielungen zwischendurch waren mir aber neu. Ich hatte weder Kennedy, noch Nixon, noch John Lennon erkannt. Viele Deutungsebenen sind mir bestimmt immer noch verschlossen. Aber eine paar Anspielungen hatten sich durch Reisen, Schulstunden und Bücher sehr viel besser erklärt, als zuvor. Das macht mich glücklich: auch wenn ich den Film schon so oft gesehen habe, meine nunmehr 20 Jahre haben ihn für mich neu gemacht. Aber irgendwie auch nicht. Wie gesagt, der Klos im Hals kam mir bekannt vor. Ich kann immer von einer schönen Geschichte berührt werden. Was für ein schöner Gedanke. Was wäre dann etwas Dummes im Sinne von Forrest Gump? Vielleicht eine ganze Pralinen-Schachtel auf einmal zu essen.

Dumm ist, wer Dummes tut.

Der unterschätze Wert des Bettmachens

Lang bevor ich das erste Mal in den Omnibus gestiegen bin habe ich einmal einen Radiobericht über gutes Aufstehen gehört. Schnell sollte das aus dem Bett kommen sein und dann gilt es proaktiv in den Tag zu starten: erst ein Glas Wasser, dann ein Heißgetränk aufsetzten und dann das Bett machen. So betrachtet der Aufstehende schon nach wenigen Minuten die ersten Aufgaben des Tages als erfolgreich absolviert. Über die Bedeutung des Wortes ‚erfolgreich‘ lässt sich hier gerne streiten. Im Omnibus war nicht nur der Morgen so, es war der ganze Tag. Ich begann zu sehen, was ich in den letzten Minuten, Stunden und Tagen getan hatte: Unerheblich war es nur, ob es um das Anrichten des Frühstücks, das Polieren der Goldleiste oder ein bisschen Modellieren an der sozialen Plastik war. Das Gefühl etwas getan zu haben – oder wie es schlau heißt „Selbstwirksamkeit“ – habe ich noch nie so stark erlebt wie über den vier Rädern oder neben den vier Stühlen. So waren meine zwei Wochen im heimischen NRW nicht nur gutes Aufstehen; sie waren gutes Leben. Der Wert des Bettmachens kann gerne unterschätzt bleiben. Worauf es ankommt passiert auf der Straße.

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PS: Die Lego-Figur ist so etwas wie meine künstlerische Signatur, daran erkennt man meine Beiträge 🙂

Der unterschätze Wert des Bettmachens