neue gefährten

mittlerweile verbringe ich den gesamten tag, meist von 10 bis etwa 19 uhr in der uni. nach wie vor habe ich freude am studieren und die architektur interessiert mich mehr und mehr.

am meisten freue ich mich über samad und nils, zwei freunde aus dresden in meinem alter. mit ihnen verbringe ich die meiste zeit in der uni. wir treiben viel schabernack und amüsieren uns gelegentlich über unsere komilitonen (einige sollten vielleicht lieber schauspieler werden) oder über unseren schwäbischen twl-professor, der langsam auf dem podest auf und abgeht während er gemächlich von konschtruktionen un laschteinzugschbreide erzählt.

noch mehr freue ich mich aber über die ernsthaften gespräche, beziehungsweise die tiefe unseres austauschs, die mein interesse weckt anstatt mich dazu zu drängen, die unterhaltungen zu entschleiern.

schon immer vermisste ich in meinem umfeld einen freund vom selben schlage. nun habe ich gleich zwei gefunden. dabei ist mir aufgefallen, dass sich, zumidest in unsrem jahgang, nicht gegensätze sondern parallelitäten anziehen.

 

das spektrum meiner aufmerksamkeit ist im studium konkretisiert, aber auch geschmälert. neben dem studium finde ich kaum zeit und konzentration, mich mit anderen, spannenden dingen zu beschäftigen. ich weiß noch nicht recht wie ich das handhaben soll.

außerdem kann man gewisse inhalte (das gehört wohl dazu) nicht einordnen oder abgleichen. man muss sie für bare münze nehmen und auf die intuition vertrauen, auffassungen und haltungen erspüren zu können.

im studentencafe der architektur fakultät, das eher einer bar gleicht, gibt es augustiner helles für einen euro. hier findet man uns nach dem pflichtprogamm.

 

 

 

 

 

 

neue gefährten

ein neuer tagesablauf (und ein neuer lebensabschnitt)

irgendwie will mir dieser artikel – über das studieren – noch nicht richtig über die lippen gehen. aber so viel sei schon mal gesagt:

ich habe schon einige, sehr spannende mitstudenten kennengelernt (otto gehört noch nicht dazu). nach den ersten kennenlern wochen, in denen ich mir gelgentlich wie in einer selbsthilfe gruppe vorkam, kenne ich nun viele der etwa 160 gesichter und fühle mich bereits dem einen oder der anderen zugehörig.

erstaunlich viele meiner ‚komilitonen‘ rufen assoziationen von neubausiedlungen und langweiligen whatsapp nachrichten bei mir hervor, aber das sei nicht weiter bemerkenswert.

die organisation, allen voran das ständige sich-für-irgendeinen-klimm-bimm-im-TUBit-Portal-anmelden-müssen, hat mir schon mehr nerven geraubt, als meine erste arbeitsgruppe. diese besteht aus mir und drei weiteren, sympathischen studenten, die sich allerdings, für meinen geschmack, zu häufig in euphorischen anekdoten und selbstreflexionen aus ihrem leben schwelgen.

donatella fioretti wird ihrem namen alle mal gerecht und ist die professorin, die uns hauptsächlich durch das erste semester begleiten wird. sie hat das charisma einer italienischen opern diva. am ersten tag sprach sie über landkarten und grafiken, und welche macht diese auf die tatsächliche welt ausüben. außerdem sahen wir uns den film „fahrenheit 451“ an (kennt den jemand? mir hat der sehr gur gefallen!)

heute haben wir tierschädel getöpfert, außerdem war eine sehr schöne atmosphäre unter den studenten. ich hatte viele lustige gespräche. neue freundschaften erblickten das licht der welt.

die abwesenheit meiner zukünftigen brille, sowie der klaren sicht, wird immer deutlicher. umso mehr hab mich über den beitrag auf „er-fahrungen“ gefreut. die brille gefällt mir ausserordentlich!

gerne würde ich auch über lassenskraft sprechen. ich erlebe „lassen“ eher als abwesenheit von kraft. vielleicht solltest du mir ein wenig dieser kraft übertragen!

 

ein neuer tagesablauf (und ein neuer lebensabschnitt)

auf den dächern der stadt

heute sind wir spontan auf das „haus der statistik“ am alexanderplatz geklettert.

das haus wurde 1970 von der DDR errichtet und steht seit 2008 leer (seit 8 jahren!)

auf der rückseite gibt es im zweiten stock, oberhalb eines dachvorsprungs ein eingeschlagenes fenster. hier klettern wir hinein.

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in aufgeregter stille erkunden wir die düsteren zimmer und gänge. modrig riecht es, wie eine mischung aus algen und abgebröckeltem putz. unter den füßen knirscht zersplittertes glas und überbleibsel der einrichtung.

in einem langen gang finden wir uns wieder und laufen zum treppenhaus. entlang des flurs gewähren eingetretene türen hier und da den blick in leere, immergleiche zimmer, die ihrerseits den blick zum fenster hinaus auf die nächste grau-weisse fassade leiten.

im achten stock angekommen, steigen wir durch ein fenster hinaus aufs dach. hinter meinen vier freunden überquere ich die von blitzableitern überzogene dachpappe und folge ihnen durch ein loch in der glasfront in den nächsten gebäude abschnitt.  einer der jungs ruft uns in einen dunklen, staubigen technikraum. vorbei an blechernen kanälen und maschinen erklimmen wir die stufen einer gitter treppe , die etliche meter  höher vor einer schweren metall tür endet. wir stoßen sie auf und stehen nun mit blick auf den alexanderplatz wie auf einer modernen klippe über der stadt.

die sonne scheint bereits untergegangen – ein grauer dunstschleier umhüllt die ewigen gebäude berlins und verschlingt die kugel des fernsehturms.

auf einer feuerleiter klettern wir die letzten sprossen hinauf auf die höchste  ebene des gebäudes. hier setzen wir uns an die kante.

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auch von hier scheint mir die welt eine bühne zu sein. aber was für ein seltsames stück wird hier aufgeführt? was geschah bis hierher, dass die akteure mit lährmenden gefährten kreuz und quer zwischen riesigen quadern aus glas und beton hindurchfahren, höher als der höchste berg der umgebung?

und was bewegt sie dazu, im gegenüberliegenden glaskasten stundenlang mit kopfhörern im ohr auf der stelle zu laufen?

und wer hat eigentlich den joint?

der grüne rauch legt sich auf mein bewusstsein und verschlingt – wie der graue dunst den fernsehturm – meine gedanken.

 

 

auf den dächern der stadt

barcelona

zu dritt wohnen wir in einem kleinen, dürftig eingerichteten zimmer nahe der sagrada familia. das fenster zur straße steht immer offen, sodass sich morgens beim aufwachen die stadtgeräusche in meine träume mischen.
ich stehe auf, gehe zum fenster und setz mich auf die klima anlage, die auf dem kleinen „balkon“ steht. ich zünd mir eine kippe an und beobachte das treiben auf der straße. wie eine bühne kommt sie mir vor. im cafe direkt unter dem balkon sitzen die ersten touristen und warten auf den asiatischen jungen, der von früh bis spät mit notizblock und tablet zwischen den tischen und der sich unter mir befindenden theke hin und her läuft.
das geräusch eines rollenden skateboards zieht meine augen auf einen jungen mann, der dreist und elegant zwischen den passannten hindurchfährt. mit einer brille auf der nase könnte ich sicherlich erkennen, dass er schmunzelt.
das skateboard entfernt sich und die unterschwelligen bässe der autos und busse dröhnen wieder in mein ohr. ich bin nicht der einzige, den sie beeinflussen. auch die ahornblättrige platane, die sich ihren weg aus der fußgängerzone hin zum blauen himmel erkämpft, wirkt erschöpft und entwurzelt in ihrem kreisrunden ausschnitt im beton.
wir – mein cousin paul und unser freund patrick, gehen raus und tauchen ein in die stadt.

aber etwas steht zwischen mir und meiner umwelt. es unterbricht den lebendigen austausch von mir und den beiden freunden. es verschluckt auch die heiteren ausdrücke der stadt und diejenigen, die ich an sie zurück senden will. beim tanzen hindert es meinen körper, ausdruck meiner lebensfreude zu werden und lässt ihn stattdessen mechanisch durchdachte bewegungen ablaufen. (auch beim schreiben dämmt es den fluss aus der sinnlichkeit)
mein ganzes bewusstsein ist erfüllt vom vordergründigen, rationalen denken, ohne dass ich eine richtung vorgeben würde. dieses beständige summen lässt mich alle impulse vorerst durchdenken, drängt mich zum zweifeln und macht mich unsicher. es lässt meinem herz nurnoch wenig raum, sich zu entfalten.

vielleicht spiegelt sich darin meine intuitive anteilnahme an der kalten, rechtwinkligen landschaft aus beton, die sich in ähnlichem ausmaß auf die lebendige natur gelegt hat, und deren leblose strassen und fassaden besonders in der nacht einen schatten in mich werfen.
ich denke aber eher, dass es persönliche gründe hat, denn eigentlich ist barcelona eine wunderschöne stadt.

barcelona