es geht weiter

nach der gestrigen diskussion über charles eisensteins „ökonomie der verbundenheit“ auf der omnibus-mitarbeiter-versammlung, möchte ich nur dieses festhalten: es geht nicht darum, in einen urzustand zurückzukehren, sondern es geht um eine ganz neue zukunft, die wir heute schon mit taten voller schönheit erschaffen.

„alles ist in bewegung, nichts wird wieder so wie es war…“

es geht weiter

ordnung und flexibel

immer ich mit meiner ordnung… wer aber mein zimmer kennt weiß, dass ich nicht zwanghaft bin…

darüber habe ich gestern nachgedacht, als ich mir am klavier die akkorde zu meinen lieblings liedern zusammengesucht habe: die töne ergeben sich ja durch schwingungen, die ganz einfach in der natur vorkommen. diese schwingungen stehen zueinander in symmetrischen verhältnissen – fast! reine töne sind nicht ganz exakt in ihren zahlenverhältnissen, da musste erst johann sebastian bach kommen und die sache gerade biegen. ich sprang vom klavier auf – war das die formel des lebens? ordnung und flexibel? am wochenende bei einem vortrag über rhythmus hatte ich nämlich etwas ähnliches gehört: das herz soll rhythmisch schlagen, wenn es das nicht tut, ist es sehr sehr ernst. wenn es aber ganz gerade gleichmäßig schlägt, dann ist es ebenso gefährlich und tödlich. die lebendigkeit braucht diese leichte abweichung von der norm.

wir lebewesen orientieren uns an ordnungen, aber lebendig sind wir nur, wenn wir flexibel sind und immer wieder von der ordnung abweichen.

ordnung und flexibel

beuys meets … funny van dannen

beide stammen ja vom „linken“ niederrhein, beide strahlen aus meiner sicht viel verrücktheit und kreativität aus und ich sehe auch gemeinsamkeiten in ihren weltanschauungen. funny van dannens werk umfasst etwa 10 bis 15 alben mit vielleicht 200 liedern, außerdem gibt es noch gedichte und kurzgeschichten von ihm und funny van dannen ist eigentlich maler. aber als maler hat er nie den erfolg bekommen, wie er ihn als „singer songwriter“ hat. seine musik ist wie eine große schatztruhe, du kannst immer darin stöbern und etwas finden, was du noch nicht kennst, manchmal findest du ramsch, aber meistens findest du ungewöhnliche besonderheiten. ich bin sehr froh funny van dannen gezeigt bekommen zu haben, er hat mich mit seinem humor und seiner verrücktheit aus mancher sackgasse befreit.

1000 Dinge

Johnny war ein Butterkeks er glaubte an die Liebe

doch er wurde aufgegessen, das tat weh.

Heidi war ein Wohnmobil, sie wollte in die Berge,

aber ihre Eigentümer fuhren an die See.

Die Dinge sind verzweifelt das Leben ist nicht fein

ein Keks kann nicht weinen und ein Wohnmobil nicht schrei´n.

Die Sachen sagen leise, seid bitte fair

sonst hau´n wir alle ab und euer Leben wird sehr schwer.

Tausend Dinge brauchen Liebe, tausend Dinge wollen glücklich sein.

Tausend Dinge sagen, bitte, könnt ihr vielleicht einmal aufmerksam sein.

Toni war ein Küchenmesser, wollte niemand weh tun

doch er musste schneiden bis er daran zerbrach.

Helga war ein Telefon, sie fand Gespräche eklig,

könnt ihr ahnen wie sie litt, wenn jemand lange sprach?

Billy war ein Tesafilm, er wollte nicht mehr kleben,

niemand riss den Zettel ab, der so an ihm hing.

Renate war ein Kaugummi, sie hatte Angst vor Zähnen,

sie wurde hart wie Stein, klar dass da was kaputt ging.

Die Dinge sind verzweifelt, das Leben ist nicht fein,

ein Keks kann nicht weinen und ein Wohnmobil nicht schrei´n.

Die Sachen sagen leise, seid bitte fair

sonst hau´n wir alle ab und euer Leben wird sehr schwer.

Tausend Dinge brauchen Liebe, tausend Dinge wollen glücklich sein.

Tausend Dinge sagen, bitte, könnt ihr vielleicht einmal aufmerksam sein.

beuys meets … funny van dannen

barock zum entspannen und genießen – oder – keine angst vor klassikern

wir sind in musikgeschichte beim barock angelangt und auf einmal beginne ich barock zu lieben. früher hat der mich immer genervt, das war so musik, die meine eltern sonntagsmorgens eingeschaltet haben oder die um diese uhrzeit im radio lief. so friede-freude-eierkuchen-musik, die mir irgendwie sehr oberflächlich vorkam. jetzt lerne ich den barock wieder ganz neu kennen und zu schätzen. denn genau das ist sein vorteil: er ist nicht dramatisch, verstörend, jagt dich durch alle möglichen tonarten, sodass du innerlich ganz aufgewühlt bist. vor bach (und dem wohltemperierten klavier) konnten musikstücke nur in einer tonart spielen, nach bach war es möglich innerhalb eines musikstückes die motive und melodien durch alle möglichen tonarten zu jagen. das birgt natürlich ganz neue möglichkeiten in sich – regt uns menschen aber auch auf. und so kann ich jedem, der sich ein bisschen schöne begleitmusik wünscht, nur empfehlen: hört barock! ich habe in spotify eine tolle playlist gefunden, die heißt „barock zum entspannen und genießen“ oder von meinem liebling „vivaldi zum entspannen und genießen“. ich glaub meine musikprofessoren würden die hände über dem kopf zusammenschlagen, wenn sie „barock“ und „entspannen und genießen“ in einem satz hören würden. musik ist doch nicht zum entspannen und genießen da, was ist denn das für eine haltung? ja warum denn nicht? warum muss denn alles immer so geistreich, ernst und angestrengt sein? und deshalb, hier ein kleines schmankerl, ein klassiker aus dem „winter“ von vivaldi.

barock zum entspannen und genießen – oder – keine angst vor klassikern

musikphänomenologie oder klassische musik

mein neues studium macht mir großen spaß – und eigentlich wollte ich ja nur meinen studentenstatus nicht verlieren. ich bin wie ein trockener schwamm, der alles was er bekommt aufsaugt. dass ich jetzt musikwissenschaft (d.h. kulturvermittlung mit schwerpunkt musikwissenschaft) studiere, habe ich ingo, dem universitätsmusikdirektor der uni wh zu verdanken. ich war stammgast in seinen jedes semester stattfindenden seminaren, in denen musikphänomenologie zu immer einem anderen thema betrieben wurde. das heißt wir hörten uns eine musik an und dann konnte jeder sagen was er wollte: was er gehört hatte, welche assoziationen ihr kamen, wie das gemacht war.. der offenheit waren keine grenzen gesetzt und vorkenntnisse waren natürlich nicht nötig. so muss die herangehensweise an musik sein – jeder mensch hat seine ganz eigene musikalität die viel mit seinem kreativen potenzial zu tun hat und durch musiklauschen und darüber sprechen kommt man an diese meist verborgenen schichten und schätze heran.

ich finde es schön, dass ich jetzt durch mein studium die möglichkeit habe, ganz viel musikphönomenologie zu betreiben. ich weiß, dass jeder musikphänomenologie betreibt, vielleicht unbewusst. für die meisten menschen ist „ihre“ musik eine lebensnotwendige tankstelle, ohne die sie ihren alltag gar nicht bewältigen könnten.

ich will mal hier den versuch wagen, der geneigten leserschaft ein bisschen klassische musik näher zu bringen, da mir sehr klar ist, dass die klassische musik langsam ausstirbt (wie das bildungsbürgertum, aber dazu ein ander mal). sie hatte zu viel vor, war leider größenwahnsinnig und zu meinem noch größeren bedauern eingebildet. mit diesen charakter-eigenschaften muss man im 21. jahrhundert wahrscheinlich langsam aussterben. doch sollten wir nicht vergessen, was wir ihr alles zu verdanken haben. schwärmerische melodien, unerklärliche klänge und die filmmusik. ohne filmmusik wären filme und das ganze fernsehen langweilig, also: dankeschön klassische musik. und wer war der wahre erfinder der filmmusik? richard wagner. man kann richard wagner finden wie man will, seine eigenen urteile sollte man erstmal beiseite legen und sich ganz vorurteilsfrei und offen auf seine musik einlassen. denn eines muss man ihm lassen – er konnte komponieren wie ein weltmeister (schon wieder so ein größenwahnsinniger).

und so will ich hier als erste musikphänomenologische einlage im rahmen des weltkulturerbes „klassische musik“ ein bisschen wagner erklingen lassen. es ist die ouvertüre des „tannhäuser“, dessen geschichte man jetzt beim lauschen gar nicht kennen braucht. schaut mal wie die musik auf euch wirkt, welche bilder kommen euch?

musikphänomenologie oder klassische musik