aus der reihe tanzen

bauzeit ist programm. vier wochen sind die studierenden des instituts damit beschäftigt, den ort, an dem wir uns begegnen, noch schöner zu machen als er es ohnehin schon ist. gestern hatte patrick zur stadtführung eingelanden.. wir waren am christopherus-haus, am ,,ort der begegnung“, bei der uwh, beim tuchladen, standen vor brigittes haustür, wo ich über den omnibus gesprochen habe, und sind schließlich im [….] raum eingekehrt.

ich genieße die bauzeit. sie ist am institut die schönste zeit überhaupt. man lernt die ,,neuen“ kennen, arbeitet praktisch und sieht jeden tag aufs neue, was man geschaffen hat.

diese bauzeit ist für mich nicht mehr verpflichtend. ich werde nicht mehr in der form weiter ,,studieren“, wie ich es bisher gemacht habe. ,,der jonas studiert hier FREI“, ist so eine floskel geworden, die gerade die runde macht. der grund dafür ist folgender:

in der vorstellungsrunde am sonntag-nachmittag war die aufgabe, dass aus allen anwesenden menschen zwei kreise gebildet werden… ein äußerer und ein innerer kreis, bei dem sich immer zwei menschen gegenüber stehen. man reicht sich die hand, stellt sich einander vor und kommt ins gespräch. anschließend rotiert der innere kreis in eine richtung, bis man vor einem anderen menschen steht und die gleiche prozedur noch einmal durchläuft… das haben wir drei mal gemacht, bis ich schließlich christa, meiner mentorin, gegenüberstand. wir mussten beide lachen, weil wir eine stunde zuvor noch ein intimes gespräch hatten, um über mein weiteres vorhaben zu sprechen. ,,irgendwie muss ich dich aber auch irgendwie einordnen können“, meinte sie. ,,ja dann viel spaß… kannstes ja mal versuchen“, haben wir uns lachend nach diesem gespräch verabschiedet. als christa und ich uns dann in den besagten kreisen gegenüberstanden, mussten wir wieder beide lachen. das war die letzte rotation des innenkreises und anschließend sollte jeder vor der versammelten mannschaft seinen letzten gesprächspartner vorstellen. wir standen ganz am ende der ganzen runde.. während man also durchweg sachen hörte wie ,,der stefan kommt aus koblenz und studiert gartenbau“, war ich schon sehr gespannt darauf, wie christa mich nun ,,einordnen“ wolle. ich meinte zu ihr ,,tja, das ist dann wohl karma!“. und ihre vorstellung fiel sehr knapp und herzlich aus, indem sie sagte: ,,der jonas studiert hier FREI!“

ein raunen geht durch die runde und viele schauen sich an und fragen ,,hää? sowas kann man hier auch machen?“ einige kamen nachher zu mir und fragten: ,,sorry, hab ich das richtig verstanden? hat die christa gerade gesagt du studierst hier FRAGEN?“

fand ich beides sehr treffend für das, was ich an diesem schönen ort vorhabe. küchen-aktion ist so eine sache… auf eurythmie habe ich auch richtig lust… dazwischen soll sich alles einpendeln und ich frage mich: wo lang?

ich wollte diesen beitrag schon veröffentlicht haben, mir aber unten auf dem hof noch eine zigarette rauchen, um noch einmal nachzufragen, ob er sich gut anfühlt… mein nachbar von unten kommt und wir beginnen ein gespräch… hartz iv, ehrenamt und engagement… er erzählt mir was er macht (super symphatischer typ, über sechszig und seit jahren hartz iv -empfänger…). peter heisst der gute, der an einem schweren hüftschaden leidet. früher hat er sich mal bei den linken engangiert, kann nicht mehr ,,arbeiten“, kann aber messerscharf erwerbstätigkeit und arbeit voneinander trennen und wird leider ständig vom hartz iv -amt drangsaliert. er stellt mir seine arbeit vor und ich bin sofort feuer und flamme. ich glaube, da geht dann wohl demnächst meine reise hin:

er selbst sei ,,kein engel… aber die kinder sind es“, meint er noch zur verabschiedung. hört sich auch nach einer schönen küchen-aktion an.

Jonas

Jonas

28 jahre, witten
Jonas

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31. August 2017 | 18:27