alles gute, ama

diesen beitrag wollte ich eigentlich am samstag schreiben, da an diesem tag meine oma 92 jahre alt geworden ist. wir nennen sie nicht „oma“ sondern „ama“, da mein großer bruder diese bennenung in die welt gesetzt hat und es dann bei diesem namen geblieben ist. sie ist ein mensch aus einer anderen zeit, aus einer anderen welt und es ist für mich unglaublich bereichernd, ihr zuzuhören. sie erzählt viel, von den verlusten ihrer kindheit, von den brüdern, die als kinder gestorben sind, von der harten arbeit, vom krieg, von dem beginn eines bürgerlichen lebens, von dem wenigen, was man damals hatte, von ihrem geliebten mann, von ihren kindern, von dem frühen verlust ihres mannes und von vielem mehr. sie hatte ganz andere sorgen als ich, sie kennt so etwas wie umweltzerstörung und die ausbeutung der südlichen welt nicht und wird es auch nicht mehr in ihr weltbild integrieren können. dennoch bewundere ich sie. sie hat auch „nur“ die hauptschule besucht, also keine höhere bildung genossen und sich demnach selbst gebildet. sie hatte den vorteil, das sie nicht ver-bildet wurde, also von einer herrschenden anschauung, einem gesellschafts-paradigma zu sehr geprägt wurde. sie musste für alles mögliche eigene erklärungen entwerfen – die beste schulung für freies denken, wie ich finde.

am liebsten bin ich mit meiner mutter zusammen bei meiner oma – drei generationen frauenpower, das fühlt sich gut an. da treffen dann wirklich drei welten aufeinander, weil wir alle so verschieden sind.

ich habe viel von meiner oma gelernt und sie gibt mir auch viel kraft, da ich für sie irgendwie das größte, das „schätzsche“ bin und ich werde sehr traurig sein, wenn sie – wahrscheinlich bald – von dieser erde verschwinden wird.

Freya Lintz

Freya Lintz

24 jahre, studentin, witten.

kontakt: freya.lintz@omnibus.org
Freya Lintz

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alles gute, ama
15. Mai 2017 | 12:52