Die schweigende Mehrheit

Für mich ist die Direkte Demokratie dazu da, diese „schweigende Mehrheit“ überhaupt endlich mal kennenzulernen. Mit ihr ohne ideologischen Balast ins Gespräch zu kommen und dabei auch wieder mit mir selber. Wie stehst du zu diesem Thema? -Und wie steh‘ eigentlich ich nochmal dazu? Was wollen wir eigentlich? Was ist für die Zukunft das Wichtigste und warum nutzen wir die bisher einmaligen Ressourcen und Möglichkeiten der Menschheit nicht optimal aus (…) und (wie) geht da noch was?

In der Vergangenheit haben bereits allerhand Idioten die Figur der “silent majority“ ganz dreist ausgenutzt und behauptet, dass diese hinter ihnen stünde – und auch jetzt sind da wieder einige fleißig dabei. Dabei haben wir wirklich keine Ahnung. Und suhlen uns darin auch noch.
Ich möchte die schweigende Mehrheit nicht als ausgenutzte Figur sehen, als vage Masse, sondern auch und gerade jetzt, wo wir alle so verrückt scheinen, den Sprung nach vorne machen – mit direktem Kontakt unser Schweigen reflektieren…
An einem Ort wie Tokyo ist die schweigende Mehrheit in derart unnachgiebiger Weise präsent, dass ich mich, in Besinnung auf eine wunderschöne Geste, die bereits einige wo-lang-Leute eingenommen haben, mit Freu(n)den auf die Spur und genau in diesen Kontakt gegeben habe

– und siehe da, allerlei Wunder sind aus dieser mich umgebenden schweigenden Mehrheit herausgetreten…

Einmal mehr habe ich erfahren, wie unglaublich viel Potential diese Geste hat und würde mir wirklich wünschen das Ausprobieren damit auszuweiten, mit vielen und mit wenigen anderen, ikimashō.

 

Die schweigende Mehrheit

Wo Lang

Wo lang?

Diese Frage musste ich mir andauernd im Geiste behandelt wissen und konnte es aber leider nicht vollbringen, bis ich mich zu der schmerzhaften und befreienden Entscheidung bewegte, für dieses mal den Omnibus wieder zu verlassen.

Meine Welle reichte nicht weit und ging nach zweien Tagen wieder in das ewige Meer wo sie sich nun zu erholen sucht.

Mein Leib durstet nach Erholung, und

Anderes sucht wohl meine Seele, und ihr möchte ich doch gehör schenken

Ich weiß wohl wenig, was ich ihr alles Verdanke

Die sich so schön schmückt mit dem Namen – Seele

Wo lang?

Wo Lang

Und da seh ich ihn nun wieder, dieses besondere Omnibus Wesen. Wenn ich um mich schaue, wenn ich im Omnibus bin. Wenn ich durch die Stadt laufe, ihn erscheinen sehe zwischen Beton und Asphalt.

Und wieder, wie damals im kalten Herbst sind Gabriele und Werner – Omi und Opi Da Lang – voll am start.

Quasi wie Gestern, nun aber wieder im Sommer, wie das erste Mal als ich zum Bus kam, sind wir im sonnigen Baden-Wuerttenberg und fuhren mit luftdurchwehtem Omnibus wieder über die Autobahn, nur diesmal von Karlsruhe nach Offenburg und nicht von Freya Zuhuase nach Bad Urach zum Märchenhaften Wasserfall. Etwas von dieser Idylle hat Offenburg jedoch auch.

Wir stehen jetzt an der Ursula Säule, die als Stadtpatronin hier gilt – vor dem sogenannten Salzhaus. Es umgeben uns alte Bauten.

Anders und doch voller Erinnerung sitze ich nun hier am Esstisch im Kerzenlicht und schreibe wieder an meinen Smartphone einen Blog Beitrag.

Ich freue mich hier zu sein, und den Omnibus wieder begleiten zu dürfen.

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nach der gestrigen diskussion über charles eisensteins „ökonomie der verbundenheit“ auf der omnibus-mitarbeiter-versammlung, möchte ich nur dieses festhalten: es geht nicht darum, in einen urzustand zurückzukehren, sondern es geht um eine ganz neue zukunft, die wir heute schon mit taten voller schönheit erschaffen.

„alles ist in bewegung, nichts wird wieder so wie es war…“

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Ando II

Weiter mit einem zweiten Gang.
Wenige Wochen nach meiner Ankunft in Japan hatte bis zum Ende des Jahres die Ausstellung „Tadao Ando: Endeavors“ im National Art Center in Tokyo aufgeschlagen. Das zähle ich im Wechselspiel aus finden und geworfen sein als hypride Form. Erst am letzten Wochenende vor Schluss hatte ich geschafft hinzugehen, hatte mich extra früh auf den Weg gemacht und war bereits 20 Minuten vor Kassenöffnung da:

Immerhin konnte ich in der Warteschlange die breite Streuung in der Demographie der interessierten Besucher feststellen…Die von Tadao selbst kuratierte Ausstellung war fantastisch, und hatte wirklich sehr viele Perspektiven. Zu gerne wäre ich nochmal hingegangen. Es gab eine Installation in Originalgröße der 光の教会, der Church of Light (die übrigens auch in Kansai steht), seinem Büro und vielem mehr.

Dort habe ich dann auch erst erfahren, dass der Skytree, der höchste Turm der Welt, ebenfalls von ihm designt ist, statisch gesehen ein Meisterwerk und als erdbebensicher besungen.

Andere Facetten seiner Arbeit gefallen mir aber viel besser.
Zum Beispiel dieses Onsen in Takarazuka in der Nähe von Osaka:

Ich freue mich schon auf die nächsten Begegnungen. Die Ausstellung hat bereits Hinweise darauf gegeben, dass die schönsten Stücke bis in entlegene Teile verteilt sind.

Ando II

Ando

Über die Zeit hier habe ich mich immer mal wieder auf die Spur eines meiner Lieblingsarchitekten – Tadao Ando – begeben. Stets begleitet hat mich dabei der Gedanke an meinen lieben Freund im Omnibus und es erscheint mir rückblickend auch so selbstverständlich, dass wir bei diesem Künstler eine frühe Gemeinsamkeit gefunden haben.

Gefunden hatten wir sie bei einem unbekümmerten Spaziergang entlang der Nordsee hin zu einem offensichtlich vom 4×4 house inspirierten Haus. Die beste Art unser Warten auf die Überfahrt nach Sylt von Dänemark aus zu überbrücken. Schnell haben wir erkannt, dass in diesem Fall der Meister nicht selbst Hand angelegt hatte und ich habe den Verdacht, dass sich das zu einem noch größeren ironischen Schmunzeln ausweiten wird, wenn ich vor dem Original stehen werde. Bis jetzt ist mir das noch nicht gelungen.

Wenn man durch Tokyo läuft, dann wird man aber ohnehin mit großer Wahrscheinlichkeit in eine Begegnung mit ihm geworfen und dieses Wechselspiel – wer findet wen – genieße ich sehr.

Vor ein paar Monaten war ich in Osaka, dort wo alles angefangen hat für Ando. Osaka wiederum liegt in „Kansai“, dem Westen Japans, der im Vergleich zu „Kanto“, dem Osten bzw. der Region rund um Tokyo, als deutlich extrovertierter und temperamentvoller gilt. Hier sprechen einen die Leute viel schneller an, von hier kommen fast alle Komiker, viele Schauspieler und Künstler. Kobe, Osaka und Kyoto sind der schöne Dreiklang in diesem Teil Japans und liegen nicht mal eine Stunde auseinander, erblühen aber in ganz deutlichen Eigenheiten.
Innerhalb dieses Dreiklangs ist Osaka die industrielle Stadt und hatte im Zuge der rasanten Modernisierung ab dem späten 19. Jahrhundert auch sehr schnell den Spitznamen Manchester verpasst bekommen. Armadas an Touristen murmeln regelmäßig ein bisschen erstaunt, es gebe “nicht wirklich was zu sehen“. Da war es für mich nur stimmig, dass sich für mich in den Vorstädten, die früher ausschließlich, und heute überwiegend von der Arbeiterklasse bewohnt sind, die schönsten Erlebnisse ergeben haben. Und ebenso, dass mich die Spur zu einem der ersten Werke von Meister Ando hierhin geführt hat…

住吉の長屋 [sumiyoshi no nagaya] – das Row House in Sumiyoshi. Ich empfehle jedem,  mal kurz nachzugoogeln… – und halt, wenn ihr zu den glücklichen zählt, die noch gar nichts darüber wissen, und auch keine Idee davon haben, wie es im Inneren aussieht, die seien eingeladen sich auszumalen, wie es denn aussehen könnte! Ach und die die es wissen natürlich auch..!)
Ein anderer Name ist Azuma House (東邸, azumatei)
Noch ein Blick von der Rückseite, die man nur von einem Hof erspähen kann:
Und noch ein paar Eindrücken von der näheren Umgebung, inklusive dieser wohnungsbaulichen Verzweiflungstat gleich in der nächsten Straße, der Kontrast spricht Bände…

Und diese Ader in Richtung Stadt für eine kleine Straßenbahn, auch einen Steinwurf entfernt:

Ando

Sprung ins Erfrischende

Nachdem ich mich immer wieder (geht’s den anderen Schreiberlingen auch so? ) ganz hilflos hab paralysieren lassen wenn ich hier einen neuen Beitrag angefangen habe, Abschnitte verschiedenster Länge bereits getippt waren, be-schweißt (in Tokyo ist nach der kürzesten Regenzeit vielleicht überhaupt seit Aufzeichnung, nämlich nur 1 Woche, eine brütende Schwüle ausgebreitet), blitzartig Sätze reinzuckten und dann wieder das Hadern begann, bis hin dann zum großen Scheinschlusstrost, dem Abspeichern als Entwurf (und da versauert jetzt bereits eine Menge) , habe ich jetzt entschieden einfach wieder ins Nass zu springen. Das setzt bei mir (bestimmt auch getrieben von dem Gespräch mit dem Wetter und der näheren Atmosphäre) diese unzähligen Erinnerungen frei, banal aber konkret, gefühlt abstrakt genauso wie schön und weit, an unzählige Sprünge ins Wasser, von Beckenrändern, Wasserfällen, Meeresstränden.
Nach einem Zögern aus Ungemütlichkeit, Grundlos oder Angst,  der Sprung und platsch, alles vorherige löst sich auf und ich gebe mich der Ursprünglichkeit des Elements hin.

Und die Ursprünglichkeit der Zeilen hier war eigentlich zuerst zu verbinden, einzuladen zu Eindrücken und Assoziationen auf anderen Ebenen und ich verliere wieder zu viele Worte um diese eigentlich sonnenklare Idee auszudrücken. Weg mit der Illusion von „erschöpfenden Berichten“, dafür sind mir die Gespräche und Wiedersehen auch viel zu kostbar, auf die ich mich schon sehr freue.

Deswegen versuche ich bewusst in den nächsten Wochen einfach ein paar knappe Rufe dazulassen die ich analog sowieso immer wieder gerne aufgreifen möchte und kann dadurch für mich vielleicht in den letzten Monaten hier das Geschehene der vergangenen Zeit in neuer Art Revue passieren lassen.
Zum Abschluss ein Bilderrätsel bzw. ein Hinweis auf Kommendes:

Und jetzt begebe ich mich super erfrischt mit der Maus hin zum Button. Klick.
またね。

Sprung ins Erfrischende