barock zum entspannen und genießen – oder – keine angst vor klassikern

wir sind in musikgeschichte beim barock angelangt und auf einmal beginne ich barock zu lieben. früher hat der mich immer genervt, das war so musik, die meine eltern sonntagsmorgens eingeschaltet haben oder die um diese uhrzeit im radio lief. so friede-freude-eierkuchen-musik, die mir irgendwie sehr oberflächlich vorkam. jetzt lerne ich den barock wieder ganz neu kennen und zu schätzen. denn genau das ist sein vorteil: er ist nicht dramatisch, verstörend, jagt dich durch alle möglichen tonarten, sodass du innerlich ganz aufgewühlt bist. vor bach (und dem wohltemperierten klavier) konnten musikstücke nur in einer tonart spielen, nach bach war es möglich innerhalb eines musikstückes die motive und melodien durch alle möglichen tonarten zu jagen. das birgt natürlich ganz neue möglichkeiten in sich – regt uns menschen aber auch auf. und so kann ich jedem, der sich ein bisschen schöne begleitmusik wünscht, nur empfehlen: hört barock! ich habe in spotify eine tolle playlist gefunden, die heißt „barock zum entspannen und genießen“ oder von meinem liebling „vivaldi zum entspannen und genießen“. ich glaub meine musikprofessoren würden die hände über dem kopf zusammenschlagen, wenn sie „barock“ und „entspannen und genießen“ in einem satz hören würden. musik ist doch nicht zum entspannen und genießen da, was ist denn das für eine haltung? ja warum denn nicht? warum muss denn alles immer so geistreich, ernst und angestrengt sein? und deshalb, hier ein kleines schmankerl, ein klassiker aus dem „winter“ von vivaldi.

barock zum entspannen und genießen – oder – keine angst vor klassikern

MUSIKPHÄNOMENOLOGIE ODER KLASSISCHE MUSIK: brexit

dieses video fahre ich mir in letzter zeit in dauerschleife rein. es eröffnet mir den tag und schließt ihn später wieder ab:

steven isserlis spielt joseph haydns cello-konzert in c-dur… ein brite spielt auf einem italienischen cello das konzert eines österreichers mit einem norwegischen kammerorchester. ich, als deutscher, schreibe nun darüber und darf teil dieser verbundenheit sein.

johannes stüttgen hatte vor zwei monaten einen vortrag bei uns am institut gehalten und meinte bei diesem vortrag ganz beiläufig, dass er die digitaliesierung ,,langweilig“ fände. ich finde sie an dem punkt, wo ich dieses video sehe und höre – wo es jeder sehen und hören kann – äußerst spannend.

wie aber soll ich meinem eindruck, den ich beim sehen und hören habe, überhaupt weitergeben können.. über eine empfindung schreiben, über die ich eigentlich gar nicht schreiben kann?

immer wenn ich musik-stücke gehört habe von cellisten, die ich schätze, habe ich darauf geachtet ,,wie spielt der cellist diese stelle jetzt? welche dynamik.. wo betont der cellist? welches gefühl will er vermitteln? wo wird er langsamer… wo wird er schneller?“ in gewisser weise also sehr analytisch…

als ich letztens mit einer freundin über die ,,interpretation“ von isserlis sprach, waren wir uns beide einig darüber, dass isserlis den haydn sehr ,,leicht“ spiele und ich erzählte ihr, dass ich hier das erste mal das gefühl hatte, dass ein musiker nicht ein stück ,,interpretiert“, sondern dass er die musik ,,er-klingen“ lässt.. also dass er das, was bei haydn in der seele vorging, was diesen dazu bewegt hat, dieses stück zu schreiben, wieder erklingen ,,lässt“. das ist dann wohl, in worte gefasst, meine empfindung.

ich finde es darüber hinaus sehr bemerkenswert, dass steven isserlis ein brite ist… ich kenne es noch von all den meisterklassen von damals, wo sich kinder miteinander gemessen haben, wer welches stück am besten spielen kann… ,,die polen wissen nicht wie man bach spiele“, ,,die holländer hätten ohnehin kein gefühl“ usw. … hahaha, grausam!

meine sentenz beim sehen und hören des videos ist vielmehr: steven isserlis, der brite, wurde zwar in groß-britannien geboren, er spielt das cello eines italieners (stradivari), die norweger gehören gar nicht zur europäischen union und ich will gar nicht zu dieser europäischen union dazu gehören.. aber der moment, wo er haydn er-klingen lässt, ist ein moment, wo er alle nationalstaaten überwindet…

apropos ,,brexit“: das wort ,,europa“ steckt ja auch in ,,eurythmie“ drin… symptomatisch, dass sich in unserem eurythmie-kurs 8 nationalitäten gemeinsam bewegen…

 

MUSIKPHÄNOMENOLOGIE ODER KLASSISCHE MUSIK: brexit

Jonas und Yunus, zwei Tauben

Im Studium der Eurythmie befinden sich gerade nicht eine, sondern gar zwei Tauben. Jonas und Yunus.

Das ist

Heute Abend findet auch schon unser Trimesterabschluss statt. Dafür werden wir einige der erarbeiteten Bewegungen mit Musik und Gedichten aufführen. Gestern haben wir in der Internen Aufführung alles erarbeitete gezeigt, einandhalb Stunden Programm, da wir auch ziemlich viele im Kurs-T sind, 24 Leuts. Eine gar vielfältige Gruppe, die sich gegenseitig wunderbar ergänzen kann.

Zu unserem Kursnamen habe ich auch das passende Bild gefunden, ich hoffe es wird im Hochformat angezeigt.

Die Kunst der stillen Bewegungen, die Kunst des Ausdrucks des Empfundenen oder Erkannten. Die Eurythmie gibt viele Fragen und Antworten auf das Leben, und trifft einen direkt. Da werden Forderungen im Üben von der Übung selbst gestellt, die mich zur Schönheit, Eleganz und Vertrauen leiten. Auch ist das Wahrnehmen, beim Ausführen der Bewegung, voll notwendig, da man im unmittelbaren Austausch steht, mit Raum und Gruppe.

Die Sonne besucht uns oft am Teichbau, wie auch der Schnee.

 

Jonas und Yunus, zwei Tauben

musikphänomenologie oder klassische musik

mein neues studium macht mir großen spaß – und eigentlich wollte ich ja nur meinen studentenstatus nicht verlieren. ich bin wie ein trockener schwamm, der alles was er bekommt aufsaugt. dass ich jetzt musikwissenschaft (d.h. kulturvermittlung mit schwerpunkt musikwissenschaft) studiere, habe ich ingo, dem universitätsmusikdirektor der uni wh zu verdanken. ich war stammgast in seinen jedes semester stattfindenden seminaren, in denen musikphänomenologie zu immer einem anderen thema betrieben wurde. das heißt wir hörten uns eine musik an und dann konnte jeder sagen was er wollte: was er gehört hatte, welche assoziationen ihr kamen, wie das gemacht war.. der offenheit waren keine grenzen gesetzt und vorkenntnisse waren natürlich nicht nötig. so muss die herangehensweise an musik sein – jeder mensch hat seine ganz eigene musikalität die viel mit seinem kreativen potenzial zu tun hat und durch musiklauschen und darüber sprechen kommt man an diese meist verborgenen schichten und schätze heran.

ich finde es schön, dass ich jetzt durch mein studium die möglichkeit habe, ganz viel musikphönomenologie zu betreiben. ich weiß, dass jeder musikphänomenologie betreibt, vielleicht unbewusst. für die meisten menschen ist „ihre“ musik eine lebensnotwendige tankstelle, ohne die sie ihren alltag gar nicht bewältigen könnten.

ich will mal hier den versuch wagen, der geneigten leserschaft ein bisschen klassische musik näher zu bringen, da mir sehr klar ist, dass die klassische musik langsam ausstirbt (wie das bildungsbürgertum, aber dazu ein ander mal). sie hatte zu viel vor, war leider größenwahnsinnig und zu meinem noch größeren bedauern eingebildet. mit diesen charakter-eigenschaften muss man im 21. jahrhundert wahrscheinlich langsam aussterben. doch sollten wir nicht vergessen, was wir ihr alles zu verdanken haben. schwärmerische melodien, unerklärliche klänge und die filmmusik. ohne filmmusik wären filme und das ganze fernsehen langweilig, also: dankeschön klassische musik. und wer war der wahre erfinder der filmmusik? richard wagner. man kann richard wagner finden wie man will, seine eigenen urteile sollte man erstmal beiseite legen und sich ganz vorurteilsfrei und offen auf seine musik einlassen. denn eines muss man ihm lassen – er konnte komponieren wie ein weltmeister (schon wieder so ein größenwahnsinniger).

und so will ich hier als erste musikphänomenologische einlage im rahmen des weltkulturerbes „klassische musik“ ein bisschen wagner erklingen lassen. es ist die ouvertüre des „tannhäuser“, dessen geschichte man jetzt beim lauschen gar nicht kennen braucht. schaut mal wie die musik auf euch wirkt, welche bilder kommen euch?

musikphänomenologie oder klassische musik