workshop auf dem eine-erde-camp

gestern boten ich und katharina auf einem einwöchigen camp der bundjugend hessen – eine-erde-camp genannt – eine gesprächsrunde zu direkter demokratie an. der veranstaltungsort war eine burgruine oberhalb des örtchens lißberg, sehr ländlich mitten in hessen. etwa 50 teilnehmer und teamer waren hier gerade zum mittagessen versammelt, als ich und katharina eintrafen. wir konnten mitessen und ein wenig die atmosphäre auf uns wirken lassen. wir stellten uns kurz vor und unseren workshop, dann war mittagspause. erst trug sich niemand für unser angebot ein, wir waren ein bisschen enttäuscht und ich dachte, schade, hier gibt es kein interesse für unser thema, dann setzten sich aber doch 6 leute zu uns auf die bänke hinter dem turm und wollten etwas von uns erfahren und mit uns diskutieren. von halb vier bis sechs uhr waren wir in ein intensives gespräch vertieft. und vier unserer teilnehmerinnen waren weiblich mit eigenen starken und unterschiedlichen ansichten, was mich besonders freute, nachdem sich bei meinem schulbesuch am montag fast überhaupt keine mädchen beteiligt hatten. ein mädchen hatte ganz starke bedenken gegen volksabstimmungen, das war auch der grund, weshalb sie an unserem workshop teilnahm und ich konnte ihre bedenken auch verstehen. aber wir dürfen diese bedenken nicht verdrängen und sagen, gut dass es die volksabstimmung nicht gibt, sondern wir können nur wirklich an den großen problemen arbeiten, wenn wir alle mitnehmen. zwei andere mädchen formulierten ganz eigene gedanken,  warum sie auch volksabstimmungen wichtig finden. das freute mich und katharina sehr. am ende hatten wir also doch das gefühl, dass sich die weite reise gelohnt hatte. ich finde es sowieso wichtig, dass wir mit der volksabstimmung in organisationen mit ethischem anliegen gehen und ihnen versuchen klarzumachen, dass sie mit der volksabstimmung ein instrument hätten, mit dem sie mal wirklich rechtsverbindlich und auf jeden fall nachhaltig gesellschaftlichen wandel bewirken könnten.

workshop auf dem eine-erde-camp

ich denke immer an den abbafin

so wollte ich einen blogeintrag eigentlich schon vor ein paar wochen betitelt haben. das wort faszinierte mich und tut es noch immer und schwirrte die ganze zeit durch meinen kopf. jetzt sitze ich im ice mit der destination lißberg in der nähe von frankfurt, wo ich heute mit katharina einen workshop auf dem bundjugend-camp zu direkter demokratie machen werde und bin ganz bestürzt von dem fb-auszug. schlimm wie „alle“ sich gegen dich, enoch verschworen haben und auf dir herumhacken. ich hoffe wolang und der omnibus können dir mentale rückenstärkung bieten. sehr mutig was du da auf die beine gestellt hast und traurig zu sehen, wie eingerostet die strukturen und die jungen leute an der uni sind. dass in den tiefenstrukturen unserer gesellschaft so eine schwache demokratische haltung vorhanden ist. umso wichtiger dass wir da dran bleiben.

ich denke immer an den abbafin

Ergebnis?

Vielleicht haben einige von euch bereits eine Weile darauf gewartet, entschuldigt, dass ich ein bisschen im Verzug bin, hier also das „Ergebnis“ der Urabstimmung über den Abbafin:


Das wurde auf Facebook veröffentlicht. Normalerweise nutze ich dieses Medium nicht so viel zur öffentlichen Kommunikation, mir ist das direkte Gespräch lieber, aber nach dem ersten Kommentar, habe ich es nicht ausgehalten. Ist das meine Wunde?


 

 
„Asymmetrische Demobilisierung“, ein neues Modewort der Politologen, hat hier also voll gefruchtet, um immerhin das nötige Quorum (265 Abstimmende – die bei der Unterschriftensammlung, als ich noch in Vorlesungen gehen konnte, im Nu zusammen waren…) zu verhindern.
Es ist faszinierend, wie Mikro- und Makro-Ebene verschmelzen. Schon hier, in diesen lebensnahen, alltäglichen Räumen wurde der Prozess rund um den Abbafin zu einem großen Entdeckungsfeld, bei dem ich die ganzen Werkzeuge der vielen ((post)strukturalistischen) sozialwissenschaftlichen Theorien, die ich studiert habe, mitnehmen konnte und sehr schillernde Funde bekommen habe…

Ein Teil des Problems, vor allem aber auch der Erfahrung dieser Tage war, dass manche Leute z.B. den (versteckten) Weg zur Abstimmungskabine zwar gefunden haben, sogar recht enthusiastisch, dann aber so etwas verlautbarten wie: „So, wo können wir denn hier jetzt Enoch unterstützen?“… wumms, ein Schlag in den Spiegel.
Oder im Nachhinein einzelne, halbinteressierte Fragen wie: „Und, was kam jetzt eigentlich bei deiner ganzen Sache da raus?“, „Was heißt das Ergebnis jetzt?“… wumms, ein Schlag in den Spiegel.

Naja, Scherben bringen Glück?!…

Hoffentlich, denn das wünsche ich uns allen, auf unserem (Ausbildungs-)Weg zu „Spiegelmeistern“.

Ich habe jedenfalls meine Antwort auf die Frage, was dieses „Ergebnis“ denn heiße, gefunden…

Ergebnis?

so, da bin ich

ich hatte schon angedeutet, dass ich über mein letztes intermezzo am omnibus noch etwas schreiben wollte. jetzt sitze ich hier seit ein paar wochen in witten und schiebe mein vorhaben vor mir her. niemand tritt mir in den arsch. also mache ich den schritt selber und versuche, den fuß wieder in die tür zu kriegen… also, da bin ich!

elmshorn und glückstadt… das waren die beiden stationen meiner letzten omnibus-mitfahrt. das ist jetzt fast einen monat her und der omnibus bewegt sich mittlerweile am anderen ende deutschlands. patrick ist in der zwischenzeit mitgefahren, ich war am niederrhein auf der hochzeit meines cousins und habe meinen besten freund hier in witten, ramón, verabschiedet, der morgen für ein jahr in einem camphill-projekt in südafrika einsteigt.

zurück zum thema: die tour… oder besser gesagt: die nächste tour. omnibus-fahren habe ich bislang immer auch als therapie für mich selbst gesehen (wo eine heilung allerdings nur durch meine arbeit an mir selbst geschehen kann). und jede tour baut auf die vorhergehende tour irgendwie auf. ich bin immer nur sehr kurz mitgefahren, meistens nur eine woche und hatte anschließend ein halbes jahr daran zu knabbern, bevor ich das nächste mal mitgefahren bin. das kann einen auch mal so richtig herunterziehen, so dass ich meine eigene scheinheiligkeit spiegelnd in einer schlamm-pfütze sehen kann… aber mut tut gut, wenn ich mich darauf einlasse. ich merke, wie mich die therapie immer mehr gesunden lässt. mit werner hatte ich eines nachts ein konzentriertes gespräch über entwicklung, vertrauen, den künstler… letztlich also ,,zeige deine wunde“, und zwar nicht als artifizielle heulsuse, sondern als mensch unter menschen. das ist jetzt vielleicht etwas, an dem ich auch in zukunft noch zu knabbern habe, aber bei dem ich jetzt schon merken kann, dass es mich in der täglichen praxis gesunden lässt.

so, da bin ich

zahlen, zahlen, immer nur zahlen

endlich habe ich wieder zeit zu lesen. ich bin in ein zweites eisenstein-buch eingetaucht und am liebsten würde ich wieder einen blogeintrag mit der überschrift „charles eisenstein erklärt die welt“ beginnen. ich habe beim lesen die ganze zeit das gefühl, dass er das ausspricht, was ich schon lange geahnt habe, wo mir aber das wissen und das denken fehlte, die ahnungen zu begründen. zum beispiel in dem kapitel „mathematik und maß“: ich bin schon lange der ansicht, dass rechnen und spielen mit zahlen nicht die höchste form des denkens ist und dass die rechen-genies nicht die größten denker sind. aber so werden sie in unserer gesellschaft gefeiert. mein physik-lehrer (den ich übrigens gestern getroffen habe) hat mal gesagt, dass alle philosophen, die wirklich was drauf hatten und der gesellschaft mit ihren theorien weitergeholfen haben, immer auch mathematiker waren. da bin ich im unterricht fast geplatzt vor wut, aber mir hat der stoff in meinem gehirn gefehlt, um etwas erwidern zu können. charles eisenstein liefert mir nun den stoff. ich finde, mathematik ist ein spiel, bei dem du mit zahlen nach bestimmten regeln hantierst. wer gut rechnen kann, kennt eben gut die regeln und ist routiniert im umgang mit ihnen. das heißt aber nicht, dass er gut denken kann. er kann dieses spiel gut spielen, würde ich sagen. die wirklichkeit ist nämlich viel komplexer und vielschichtiger und nicht so eindeutig, wie die mathematiker sich das vorstellen. wenn du also nur mit deinem im rechnen geübten denken die welt um dich herum verstehen und erklären willst, bist du voll auf dem holzweg. das im rechnen geübte denken kann dir helfen, deine gedanken zu ordnen und sortieren, ok. was ich aber immer faszinierend finde, wie menschen denken, die überhaupt kein gespür für zahlen haben, die sind meistens viel dichter an der realität dran.

zahlen, zahlen, immer nur zahlen

knecht des geldes

ich werde mich jetzt immer selbst zu rede stellen: machst du das, weil du das wirklich willst, weil du das in die welt bringen willst, weil das dein tiefster wunsch ist, auch wenn er völlig blödsinnig ist oder machst du das, weil du dich nach sicherheit sehnst – also, bist du ein knecht des geldes?

knecht des geldes

in die oper gehen

heute abend bin ich in die oper gegangen. in das diesjährige opern air projekt des nürtinger konzert-ensembles, das nun schon seit 19 jahren alle zwei jahre eine oper in nürtinger freilicht-kulisse aufführt. meine eltern sind seit anfang an dabei und auch ich habe als 7jährige, als 9jährige und als 11jährige mitgemacht. dieses jahr wurde wieder „carmen“ zum besten gegeben, wie vor 14 jahren. ich hatte damals im kinderchor mitgesungen, durfte noch bei der schmuggler-scene mitspielen und am schluss wieder mit den anderen kindern vor der „stierkampf-arena“ herumspringen. was für kindheitserlebnisse, musik und sänger und tolle kostüme und ganz viele leute und alles draußen in der nürtinger altstadt und du darfst bis mitternacht auf bleiben. ich habe alle proben und alle aufführungen ganz genau verfolgt, sodass ich heute noch die ganze oper singen kann. ich war bei der heutigen premiere also eine scharfe beobachterin und kritikerin, wurde aber mit einer einfallsreichen inszenierung und tollen solisten beschenkt.

tja, opern sind so eine sache. ich bin damit aufgewachsen, aber ich kann mir auch eine andere, vielleicht schönere art des musikalischen miteinanders vorstellen, bei der alle anwesenden wenigstens minimal mitmachen können. unsere europäische musiktradition ist sehr auf die bühnen-performance, das virtuosentum und das passive publikum ausgerichtet. außerdem sind eigentlich fast alle opern schreckliche geschichten, oder? ich kannte carmen als kind schon von einer cd und fand die geschichte furchtbar, ich hasste diese frau, die so egoistisch war und dem armen mann so viel leid zufügte. was du als frau aus der geschichte lernen kannst: wenn du von deinem typen verlangst, dass er für dich seinen job bei der polizei aufgibt und mit dir und deiner kriminellen gang mitzieht und du ihn dann für einen anderen typen links liegen lässt, dann wird er dich umbringen. und die anderen opern-storys sind auch nicht besser. ich habe mich schon als kind gefragt, warum die nicht mal opern aus schönen geschichten entwickeln können. die sollten sich zum beispiel mal „die kinder aus bullerbü“ oder „ferien auf saltkrokan“ als opern-stoff vornehmen. wer will denn die ganze zeit diese schrecklichen geschichten hören.

in die oper gehen

danke uwh

gestern war mein glückstag. so viel glück an einem tag kann man eigentlich gar nicht haben. ich hatte ein sehr gutes bachelor-abschluss-gespräch mit zwei meiner lieblings dozenten der uwh. der eine war aus berlin per skype zugeschaltet, aber das war gar nicht komisch und es kam einfach ein sehr flüssiges und von allen seiten interessiertes gespräch über die hiphop-kultur, was hiphop eigentlich für eine musik ist, was sie macht, was sie kann und was sie nicht kann und was mir die beschäftigung mit hiphop gebracht hat, zustande. in diesem aufzug erschien ich zu meinem prüfungsgespräch:

am schluss sagten sie, dass sie die note, die sie mir für den schriftliche teil der bachelor-arbeit gegeben haben, leider nicht bestätigen können, sondern dass sie mir stattdessen eine 1,0 geben wollen. das war fast zu viel des guten. dann aß ich noch zwei stunden mit meiner schulfreundin vanessa, die vor vier monaten nach witten gezogen ist, den ersten eisbecher diesen jahres und fand meine kette mit den kleinen diamanten wieder, die ich verloren geglaubt hatte. abends war ich noch im musicclub, wo ich ganz hin und weg von manchen sängerinnen, schlagzeug-, klavier- und kontrabass-soli war und auch viele tolle menschen traf. ich war so im glückstaumel, dass ich bis drei uhr nachts nicht einschlafen konnte..

einen schöneren abschluss meines studiums an der uni witten/herdecke hätte ich mir nicht wünschen können. ich bin im nachhinein sehr froh, dass ich den schritt gewagt habe, mich an einer, dieser privaten hochschule einzuschreiben. ich bin ja auch ein kind der sparsamen erziehung und hatte in den ersten jahren nach der schulzeit ein großes sicherheitsbedürfnis. ich kann mich noch an eine nacht meines ersten semesters an der uwh erinnern, in der ich vor panik, dass ich jetzt an dieser uni bin, dass dann auch wirklich etwas aus mir werden muss und dass ich alles werde zurückzahlen müssen, nicht schlafen konnte. außerdem war die studien-zeit nicht immer einfach. ich war ganz auf mich allein gestellt, keine klasse oder kein kurs, der mich durch das studium begleitete. aber dadurch habe ich langsam auch gelernt, initiativer zu werden. wenn ich mich nicht beweg, dann passiert auch nichts. wenn ich nicht weiß, was mich interessiert, dann kommt auch keiner und sagt es mir. es ist ja nicht so, dass ich nie gewusst hätte, was mich interessiert. als kind warst du buchstäblich dein interesse. aber dann, mit den ganzen sachen die du lernen sollst, mit den dingen die du machen sollst und vor allem mit denen, die du nicht machen sollst, vergisst du im heranwachsen irgendwie, was das nochmal war, dein interesse. an der uni witten/herdecke musste ich mich dann eben auf den weg machen und herausfinden, was das nochmal war, was ich von der welt wissen wollte. was mir dabei half und wofür ich den uni zum einen sehr dankbar bin, dass sie lauter tolle dozenten bei sich versammelt. ich habe wirklich unglaublich schöne, interessante und lehrreiche seminare miterlebt. zum anderen bin ich ihr jetzt dankbar dafür, dass sie mich ins kalte wasser geschubst hat, sodass ich eine eigene such-bewegung beginnen musste. die hat mich erst einmal zum hiphop gebracht, aber von hier aus sehe ich wieder ganz neue sachen, denen ich auf die spur kommen möchte, und komme dabei der freya, die ich werde möchte (und die jetzt wie ein traum tief in mir schlummert) immer ein stückchen näher.

danke uwh

back on the road

war das motto am vergangenen sonntag.

auf der fahrt von kassel nach elmshorn kam ich erstmals in den genuss von gabrieles fürsorglichem gemüt. während opi da lang geschichten aus seiner kindheit erzählte, hat uns omi da lang mit käse-pommes und schokolade wohlwollend umsorgt. so verging die fast achtstündige fahrt auf der autobahn wie im flug, mit musikalischer untermalung des anarchisten-duos.

ich will jetzt erstmal durchatmen, bevor ich in den nächsten tagen mehr über mein intermezzo am omnibus schreiben werde. gestern bin ich nämlich nach zehnstündiger fahrt zu meinen eltern an den niederrhein gefahren. mein cousin hat geheiratet und ich kann mit all den vielfältigen familienzweigen verwachsen. bis die tage!

 

back on the road