Belanglos?

Ich habe über die letzten Jahre immer mehr Abstand zu meinem eigentlichen Herzverein gewonnen. Im Stadion wurde ich mehr Beobachter als leidenschaftlicher Anhänger. Der letzte Sonntag hat mich wieder direkt in die Welt des Fanseins geholt. Mitsamt verlorener Stimme für den Tag danach.

 

 

Man kann es nicht anders sagen, der Aufstieg in die Bundesliga ist eine Belanglosigkeit. Aber all die 200.000 Menschen im Stadion und auf dem Wasen freute sich gemeinsam darüber. Ich will nicht versuchen, sie mit Worten zu umschreiben.

Gegen mein Lächeln kann ich mich seit Sonntag nicht wehren.

Belanglos?

danke axel

für das bild, das du mir geschickt hast. ich hatte dir ja versprochen, dass ich dir ein foto sende, wenn ich es aufgehangen habe. du kennst ja noch mein altes zimmer in jena… da war alles zugekleistert mit bildern und postkarten. danach habe ich mir geschworen, nie wieder ein bild an die wand zu hängen…

auch dein bild habe ich nicht aufgehangen… aber es hat einen schönen platz auf meinem bücherregal gefunden. danke nochmal!

und hier nochmal in besserer auflösung:

 

 

danke axel

waldorf world

obwohl ich noch wackelig und sehr langsam auf den beinen war und bin, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, am wochenende zum schenken-seminar zu gehen, das ich selbst mitorganisiert habe. besonders auf den samstag habe ich mich schon lange gefreut. denn der samstag, der erste tag des dreiteiligen seminars, sollte am institut für waldorfpädagogik auf dem annener berg statt finden. schon als ich diesen ort vor gut zwei jahren kennen lernte, hat er eine unglaubliche faszination auf mich ausgeübt. es ist ein verwunschener ort, am rande wittens, wie ein vergessenes märchenschloss umgeben von einem wunderschönen schlossgarten. da zwitschert es wie verrückt, große waldameisen tummeln sich, frösche quaken, blätter rascheln, gesundes gemüse wächst und die schönsten blumen blühen. und dann, inmitten des geländes liegt da ein teich. es juckte mich schon lange unter den fingern, mal einen blick hinein, in die „lehre“ zu werfen. und dann war ich wie beseelt. eine dozentin, die viel als klassenlehrerin gearbeitet hat, sprach von aufmerksamkeit, von schenken, von ihren schulkindern, die sie sich jeden abend vor augen führt, von den übungen, ein kind ganz ausführlich in erscheinung treten zu lassen und sie sprach ganz unspektakulär von liebe. da reden alle immer „gibt es liebe?“, „was soll das denn sein?“, „ich glaube ja nicht, dass es liebe gibt“, und diese frau weiß es einfach und erzählt es uns. am waldorf institut gibt es kein zweifeln darüber, ob es echtes schenken, uneigennütziges handeln, altruismus, liebe gibt. es gibt sie, denn es wird ganz viel geschenkt, da wir menschen sind und ganz viel schenken können. am institut wird nicht aus dem mangel gedacht, sondern aus der fülle. es ist so schön dort, da wir menschen sind, die ihren orten schönheit schenken können.

ich musste schon nach dem mittagessen nach hause gehen, da ich zu erschöpft für den nachmittag und abend war. ich schlief erst einmal zwei, drei stunden. unruhig, bilder schwirrten durch meine gedanken. ich dachte, könnte das nicht ein ort für mich sein? wäre das nicht heilsam für mich? hätte ich dort nicht einfach die gemeinschaft, die ich mir an der uni mühsam zusammen sammeln muss?

schon seit einigen jahren kommt immer wieder der gedanke „klassenlehrerin“ in mir hoch. das wäre ein beruf, da könnte ich meine ganze kreativitäts-lust auslassen, auf so vielen ebenen agieren, frei gestalten, welche themen ich behandeln möchte, welches märchen, welches tier, welchen beruf, welche sage, welche geschichte, ob wir raus in den wald gehen und bäume bestimmen oder ob wir drinnen weihnachtssterne basteln. seit dem auch ein „streit“-thema mit meiner mutter. aber ich bin ihr gar nicht böse – sie hat ja recht. es gibt auch einiges, was mich auch immer wieder abhält, in die waldorf world einzutauchen. will ich überhaupt so tief einer gemeinschaft angehören oder gefällt mir nicht doch das „mal hier, mal da“ nicht besser? kann ich überhaupt eine „lehre“ akzeptieren? für diese verhältnisse wurde sicher das wort ambivalent erschaffen.

waldorf world

balsamico

mhh… wenn ich mir hier so meine beiträge durchlese – insbesondere jenen, wo ich angekündigt habe, dass ich kein modulschein mehr entgegennehmen, kein diplom ablegen werde… aber immer da sein will – denke ich mir nur:

,,oh man, jonas, willste hier jetzt echt den märtyrer spielen? oder fängste endlich mal an, dein leben zu leben? wenn du dich irgendwo langweilst, dann gesteh es dir doch ein und finde einen ort, wo du dich entwickeln kannst!“

kochen hat bislang immer nur eine untergeordnete rolle in meinem leben gespielt. ich dachte bislang immer, dass kochen nichts anderes ist, als gemüse kleinzuhacken, in die pfanne zu schmeissen und anschließend zu erhitzen…

auf der suche nach politischem asyl habe ich daher in der küche unterschlupf gefunden – bei felipe, dem singenden brasilianer und der geduldigen meister-köchin silvia. ich will jetzt das tun, worauf ich richtig lust habe und wo mir keiner irgendwelche vorschriften machen kann. vorerst kann ich das hier in der küche praktizieren…

mit silvia halte ich zwischendurch immer mal wieder ein kaffekränzchen ab… wir tauschen uns aus über themen, die uns bewegen… kommen ins plaudern. heute hat sie mir berichtet, dass sie diesen werner küppers noch von ganz früher kennt, als die beiden mit dem auto herumgezogen sind… und dass ihre tochter im juni ihr sozialpraktikum beim omnibus machen wird…

also irgendwie merke ich, dass mir das hier gerade ziemlich gut tut – balsamico eben!

balsamico

alles gute, ama

diesen beitrag wollte ich eigentlich am samstag schreiben, da an diesem tag meine oma 92 jahre alt geworden ist. wir nennen sie nicht „oma“ sondern „ama“, da mein großer bruder diese bennenung in die welt gesetzt hat und es dann bei diesem namen geblieben ist. sie ist ein mensch aus einer anderen zeit, aus einer anderen welt und es ist für mich unglaublich bereichernd, ihr zuzuhören. sie erzählt viel, von den verlusten ihrer kindheit, von den brüdern, die als kinder gestorben sind, von der harten arbeit, vom krieg, von dem beginn eines bürgerlichen lebens, von dem wenigen, was man damals hatte, von ihrem geliebten mann, von ihren kindern, von dem frühen verlust ihres mannes und von vielem mehr. sie hatte ganz andere sorgen als ich, sie kennt so etwas wie umweltzerstörung und die ausbeutung der südlichen welt nicht und wird es auch nicht mehr in ihr weltbild integrieren können. dennoch bewundere ich sie. sie hat auch „nur“ die hauptschule besucht, also keine höhere bildung genossen und sich demnach selbst gebildet. sie hatte den vorteil, das sie nicht ver-bildet wurde, also von einer herrschenden anschauung, einem gesellschafts-paradigma zu sehr geprägt wurde. sie musste für alles mögliche eigene erklärungen entwerfen – die beste schulung für freies denken, wie ich finde.

am liebsten bin ich mit meiner mutter zusammen bei meiner oma – drei generationen frauenpower, das fühlt sich gut an. da treffen dann wirklich drei welten aufeinander, weil wir alle so verschieden sind.

ich habe viel von meiner oma gelernt und sie gibt mir auch viel kraft, da ich für sie irgendwie das größte, das „schätzsche“ bin und ich werde sehr traurig sein, wenn sie – wahrscheinlich bald – von dieser erde verschwinden wird.

alles gute, ama

Eurovision

Als ich die Frage von Studifreunden letzte Woche, was ich denn am Wochenende mache, mit anscheinend funkelnden Augen mit „ESC gucken!“ beantwortete, löste das eine schöne Verwirrung aus.

„Eh, du, echt? Das hätte ich jetzt irgendwie gar nicht von dir gedacht…“
Auch das Feuilleton arbeitete sich bereits seit einigen Tagen an diesem jährlichen Ereignis ab, die allgemeine Oberflächlichkeit des Eurovision Song Contest als konstante Setzung.
Ich für meinen Teil bin jedoch großer Fan, schon seit ich ein Knirps bin und mir seitdem einige Lieblingslieder bewahrt habe. Auch bei diesem grundsoliden Jahrgang habe ich wieder von neuem erfahren, warum. Ich war dieses mal komplett „unvorbereitet“ und kannte keinen einzigen Song bereits im Voraus. Umso schöner war die Herausforderungen für die Darbietungen, sich in einem großen Raum, wo wir mit internationalen Austauschstudenten einen Beamer aufgebaut hatten, und mit zischendem, paralellen Kochen rivalisierender Akkustik, einen Fetzen Berührung in mein Ohr zu bahnen.
Von Portugal wurde ich kalt erwischt und habe in meiner spekulativen Arroganz den knapp 200 Millionen Zuschauern in ganz Europa nicht zugetraut, so etwas im Televoting zum Sieger zu küren. Und so etwas passiert immer mal wieder in einem Jahrgang und ich glaube gar nicht mal so wenigen.
Außerdem versinke ich gerne in vielerlei Nuancen, sei es Moderatoren, die tatsächlich selbst in den wenigen Sekunden, die sie in einer Zuschaltung haben, subtile oder unsubtile politische Botschaften verstecken wollen; wie der Freiraum zwischen den Liedern und der Punktevergabe jeweils vom Gastgeber ausgeschmückt wird; welche altbekannten Gesichter vielleicht mal wiederkehren; oder welche Länder sich mal für ein paar Jahre ganz rausgenommen haben. Oder auch die stillschweigend akzeptierte Lächerlichkeit, das die größten Geldgeber automatisch im Finale sind, und meistens in schöner Regelmäßigkeit am Schlechtesten abschneiden.
Es gäbe noch so viel zu sagen, zu beobachten, und auszutauschen. Dass das Ganze trotzdem so kritisch und verächtlich als oberflächlich bezeichnet wird, wundert mich dann aber doch. Ich glaube, da ist ganz viel Projektion dabei, denn vieles von unserem Alltagsleben fällt selbst in die Kategorie „oberflächlich“ und zwar ziemlich lässig.

Eurovision

oh, was ein schöner tag

…war das heute. zunächst im

wo ich dem wo-lang-konferenz-team bei der arbeit über die schultern schauen durfte

und anschließend im demokratie-garten:

zwischendurch habe ich dann mal bei freya nach dem rechten gesehen und sie zu hause in ihrem krankenlager besucht. wir hatten ein schönes gespräch über unsere letzten blog-einträge, auch wenn wir aufgrund unserer krankheiten (ich habe mich über nacht erkältet) einen gewissen sicherheitsabstand eingehalten haben.

ich bin schon voller vorfreude auf die konferenz!

oh, was ein schöner tag

fühlt sich komisch an

ich versuche gerade das gehen.

falle immer wieder hin.

fange an, mich aufzurichten

und falle immer wieder hin.

die stütze unter meinen armen

war mir bislang nie aufgefallen.

als ich sie fallen ließ,

bin auch ich gefallen.

wackelig und ängstlich

richte ich mich auf.

fühlt sich komisch an,

dieses gehen…

 

fühlt sich komisch an