abstimmung

das treffen anfang des jahres in berlin hatte mir jede menge energie gegeben. mir war klar, dass ich jetzt auch endlich mal eigenständig was starten möchte und nicht darauf warten kann, dass hier irgendetwas von selbst passiert. die qualität von abstimmungen erfahrbar zu machen, war mein eigentliches ziel als ich mit meiner initative gestartet bin. das kann ich überall bereits jetzt schon tun, wenn ich liebevoll auf meine mit-menschen zugehe und mich mit ihnen verbinde… positive zeichen setzen und meinen mit-menschen ihre freiheit schenken.

in die anwesenheitslisten trage ich mich schon länger nicht mehr ein. ,,ich will jedes mal da sein, aber mich kein einziges mal eingetragen haben…“, ich dreh den spieß um und erzeuge ein kopfkino. donnerstag hab ich dann den nächsten schritt gewagt: als die liste bei mir angekommen war, bin ich aufgestanden, mit der liste zum dozenten gelaufen, habe die liste zerrissen, sie in den mülleimer geschmissen und bin anschließend einmal im kreis um den gesamten kurs herum gelaufen, um mich schließlich wieder stillschweigend auf meinen platz zu setzen. das war der knaller! mir hat das richtig freude bereitet und scheinbar bei meinen mit-menschen im innern etwas in gang gesetzt. als ich das am nächsten tag nochmal machen wollte, ging das nicht, weil einer aus unserem kurs aufgestanden war und eine ansprache hielt: er habe mit verschiedenen dozenten gesprochen und für nächste woche ein kolloquium einberufen, wo wir gemeinsam über den sinn und unsinn von anwesenheitslisten reden werden. spitze!

als ich mit den leuten aus dem zweiten studienjahr gesproche hatte, waren diese anfangs noch sehr skeptisch, ob ,,die anderen“ denn überhaupt noch kommen, wenn es keine anwesenheitspflicht mehr geben würde. ihre jahrgangsbetreuerin, mit der ich auch gesproche hatte, hat ihre studenten nun von der anwesenheitspflicht befreit. was das bei den leuten in gang gesetzt hat, finde ich bereits jetzt schon wunderbar: die haben sich freude-strahlend bei mir bedankt (warum auch immer?) und die anschließenden gespräche waren äußerst fruchtbar.

 

abstimmung

neues vom bootcamp

bis auf die knochen durchgefroren sitze ich jetzt schon seit einer stunde mit wärmflasche und unter drei decke versteckt in „andreas bett“ und die kälte steckt trotzdem noch in meinem körper. doch die gespräche heute in düsseldorf haben mich gewärmt. die letzten drei tage, die zwei in düren und gestern in düsseldorf, hatte ich gar keine richtigen gespräche. es kamen die ganzen tage über auch nur wenige menschen an den omnibus. da tauchte das bild in mir auf: wir sind die neuen zeugen jehovas.

aber heute hatte ich einige echte gespräche, da kamen meine worte wirklich an und auch die worte meiner gesprächspartner berührten mich. eine patente frau wollte alles ganz genau wissen. sie hatte den unterschied wählen/abstimmen noch nicht ganz scharf, aber verstand immer besser was ich ihr erklärte. dieses geballte interesse, bei dem ich mein gesammeltes wissen an die frau bringen konnte, tat gut. wir hätten wahrscheinlich noch eine halbe stunde so weiter sprechen können, da übernahm werner den ball, passte ihn zurück und es gab einen abschluss. die frau fragte noch, ob man einer anderen partei angehören könne, wenn man uns fördere und erzählte, dass sie für die fdp im landtag gewesen wäre. ich sagte, dass ich es großartig fände, wenn sie als fdp-mitglied uns fördern würde.

tja, bootcamp: warum tut man sich das an? ich denke, ich will mir beweisen, dass ich auch ohne die ganze elektrizität und ohne das ganze gas und erdöl überleben könnte. ich habe aber meine großen bedenken. dann könnte ich mir ja nicht mal eine wärmflasche machen.

neues vom bootcamp

Danke Oma

Der Kleinste zu sein ist cool. Ich habe nur große Schwestern, große Cousinen und große Cousins. In den Zwanzigern zu sein war die meiste Zeit meines Lebens nicht greifbar. Doch jetzt bin ich es. Wie es wohl wäre mit meinen Schwestern und all den anderen gemeinsam diesen Lebensabschnitt zu erleben, zu dem ich immer aufgeschaut habe. Aber alle anderen sind schon weiter.

All die Entscheidungen, die ich damals so spannend fand, sind nun bei mir präsent.

Gestern Abend habe ich das Care-Paket von meiner Oma aufgemacht. Piroschki waren drin. Auch der zehnte Enkel bekommt von Oma solche Pakete. Die haben schon damals bestimmt das Entscheiden erleichtert. Diese fünf russischen Teig-Spezialitäten haben den Lauf der Zeit ein bisschen durcheinandergebracht.

Danke Oma.

Bild

innehalten

die atmosphäre und die gespräche auf dem mitarbeitertreffen in wiesbaden haben mir sehr gut gefallen. wir waren ein kleiner kreis und es wurde dicht und ehrlich von sich berichtet. dabei tauchte immer wieder das bild des „nach innen gehens“ auf unterschiedliche art und weise auf. auch ich habe ja in meinem letzten beitrag geschrieben, dass ich mich jetzt am omnibus immer wieder zurückziehen möchte. da fiel mir ein lied von funny van dannen ein, das ich vor circa 6 jahren oft als ohrwurm hatte. es ist ein bisschen kitschig, aber auch einfach schön. der refrain geht so:

innehalten, in sich gehen

auch mal nach der seele sehen.

denn es ist schön wenn man sie gekannt hat,

bevor sie wieder weiter wandert.

den sonntag haben wir auf der biogartenmesse im schloss türnich verbracht. am samstagabend, als wir bei dunkelheit ankamen und nach wildem rumrangieren endlich standen, war ich ein bisschen genervt. was sollen wir hier dachte ich. es ist zwar wunderschön, aber was bringt das? am sonntag wurde ich dann besänftigt, denn zum einen kamen viele leute an den omnibus, denen wir von unserer arbeit berichten konnten, zum anderen merkte ich, wie hier fänden gesponnen und verbindungen geknüpft wurden. den alten grafen, seine freundin und seinen sohn, die ich schon aus einer ndr-dokumentation kannte, zu erleben und festzustellen, was das für tolle menschen sind, war wirklich schön.

aus düren berichte ich morgen.

innehalten

besser haushalten

ich habe dem omnibus-start mit vorfreude und sorgen entgegengefiebert und morgen beginnt der erste richtige arbeitstag in düren. ich habe die letzten wochen, sogar monaten viele fragen in meinem kopf bewegt. welche gerichte kann ich praktisch gut im omnibus kochen, wie gehe ich mit der kälte um, und wie verdammt nochmal schaffe ich es, dass ich nicht wieder so wahnsinnig erschöpft bin, dass ich ende der woche nicht mehr sprechen kann, wie die letzten zwei mitfahren letzten spätsommer??? denn ich will unbedingt mitfahren. dass der omnibus startet und ich bin nicht dabei, konnte ich mir nicht vorstellen. ich habe mir also viele gedanken gemacht und bin auf den lösungsansatz gekommen: ich muss besser haushalten. ich darf mich nicht so sehr verausgaben, ich muss besser mit meinen energien umgehen und muss mich öfter zurückziehen und rausziehen. das ist jetzt mein großes projekt. ich bin auf die ergebnisse meiner experimente gespannt.

besser haushalten

charles eisenstein erklärt die welt

… habe ich gedacht, als ich die ersten paar seiten des buches „die schönere welt, die unser herz kennt, ist möglich“ gelesen habe. ich habe das buch ziemlich in einem rutsch durchgelesen, da es einen sog ausübt und gedanke für gedanke langsam voran schreitet. das hat mir an dem buch gut gefallen, die ruhe, die es auf mich ausgestrahlt hat und die gründlichkeit, mit der charles eisenstein jeden gedanken zugelassen und ihn ausgebreitet hat. es ist sehr persönlich geschrieben, aus eigenen erfahrungen gespeist, die charles eisenstein ohne befindlichkeiten mit der leserin teilt. er ergründet sein ganzes wesen, befragt alle seine gedanken und gefühle, woher sie kommen, ob sie eine verletzlichkeit verbergen und er arbeitet mit beharrlichkeit an sich selbst.

ich kann aber seine philosophie an die zwei welten, die aus der wir kommen, in der wir uns befinden, die welt der separation und die, in die wir gehen wollen, die welt des interbeing nicht so recht teilen. ich kann mir keine zukünftige welt vorstellen, in der „alles gut ist“. in der die menschen friedlich miteinander leben, in der die familien intakt sind und in der kein mensch mehr geizig, eifersüchtig, rachsüchtig und egoistisch handelt. ich behaupte jetzt mal grob, dass auch die anthroposophie diesen zustand anstrebt und ich habe selbst erlebt, dass in diesem streben nach harmonie und vollkommenheit sich plötzlich alles falsch anfühlt. ich kann an diese welt des interbeing, an die gute welt nicht glauben. ich glaube eher, dass es immer das schlechte, falsche und fehlerhafte geben wird (ich alter relativist) und dass wir menschen immer um das schöne, die glücklichen momente, die „akte der güte“ werden ringen müssen.

das buch hat mich an das schlüsselzitat aus cloud atlas erinnert. sonmi 451 sagt: „unsere leben gehören nicht uns. von der wiege bis zur bahre sind wir mit anderen verbunden, in vergangenheit und gegenwart. und mit jedem verbrechen und jedem akt der güte erschaffen wir unsere zukunft.“

 

charles eisenstein erklärt die welt

ich bin froh…

… kolja klar kennen gelernt zu haben.

er ist mein vorbild, wenn es darum geht, entspannt zu sein, sich nicht stressen zu lassen von gedanken wie „ich werde beruflich wahrscheinlich nicht besonders viel verdienen“ oder von großen brüdern, die dir von ihrem einstiegsgehalt erzählen und im gleichen satz sagen, dass es aber noch um einiges mehr werden soll. hätte ich kolja nicht am omnibus kennengelernt, hätte ich die ganze omnibus-community nicht kennengelernt, dann würde ich mir wahrscheinlich sorgen um meine finanzielle zukunft machen. und jetzt denke ich: ach was soll das geld, meine besten urlaube habe ich doch immer noch auf dem zeltplatz verbracht und nicht in einer hotelanlage.

obwohl: abneigungen gegen großen geldbesitz, habe ich schon lange. ich hatte manchmal dieses bild im kopf, mit geld vollgestopft zu werden, bis ich kotzen muss.

kolja ist anfang dreißig, arbeitete munter beim omnibus, gärtnerte oder ließ es sich einfach gut gehen. er dient mir als vorbild, wenn gesellschaftliche kräfte auf mich einwirken und mir einreden wollen, dass ich arbeiten solle, um möglichst viel geld anzuschaffen, um mir dann tolle sachen kaufen zu können.

ich bin froh…

Gewissheit verlieren

Demokratien kennen auch den bitteren Weg zurück, Europa war lange Zeit globalgeschichtlich unentwickelte Peripherie, die Welt droht nicht zu „erfrieren“, wie noch ein Artikel der NYTimes in den 70ern befürchtete, sondern ganz im Gegenteil, und man mag es kaum glauben, auch Deutsche Altersvorsorgen sind eben nicht vollends „planbar, sicher, riestergefördert“…
Sucht euch ein paar launische, lustige oder faszinierende Beispiele!..
Oh, und dieses darf nicht fehlen: Wenn man ein Hinspiel in der Champions League 0:4 verliert, kann man trotzdem weiterkommen…


Gehegte Gewissheiten zu verlieren bereitet uns oft genug Unbehagen, und wir klammern. Dabei ist es ein wunderschöner Prozess, wenn wir es zulassen. Fallenlassen in neue Perspektiven bereitet Staunen (das ist diese Sache, bei der man große Augen bekommt, und was wir „Erwachsenen“, cool und abgebrüht, wie wir sind, nach außen hin meist irgendwie nicht mehr zeigen) und ich erlebe oft genug dann erst diese Magie und diese Freiheit, die das eigene innere und äußere – jetzt große! – Auge (s.o.) hat, um neue Verbindungen, Brücken und Möglichkeiten zu sehen. Neues entsteht unweigerlich. Seien es taoistische Weisheiten, die auf einen Blick so gar nicht zu mittelalterlicher Scholastik passen wollen, ihr auf den anderen aber in einem großen Reigen die Hand reichen. Oder die „heatmap“ (eine visualisierte Bewegungsverteilung von Spielern und Mannschaften während einem Fußball-Spiel) die ich ausgerechnet von Captain Fantastic, nicht gerade bekannt als Fußball-Enthusiast, zugeschickt bekam, in der ich sofort begeistert Parallelen entdeckt habe, zu seinen digital gewobenen Teppichen!

Gewissheit verlieren

schwerfällig

ich fühle mich so schwerfällig, wie ein elefant im porzellanladen, wie ein nilpferd im schlamm, wie ein büffel im visier. alle sind so schnell und wendig und ich kann nur hinterher schauen. „nicht schnell genug sein“ – das trauma unserer westlichen gesellschaft. aber was passiert mit denen, die nicht schnell genug sind?

schwerfällig