mutti, was heißt vaterland?

bei der volks-debatte heute im omnibus-büro habe ich wieder an dieses lied von funny van dannen gedacht und genauso bei einem von sofias letzten einträgen:

„warum sagen wir deutschen mutti, von münchen bis helgoland, ach mutti mutti mutti, was heißt vaterland?“

…auch in der merkel-ära wieder ein brisantes thema… (wobei ich finde, dass er mit der juden-frage heutzutage unrecht hat. da muss man mal die türken und araber reden hören.)

hier also funny van dannen´s beschäftigung mit dem vaterlands-begriff:

mutti, was heißt vaterland?

das leben ist schade

das klingt jetzt sehr traurig, ist aber mit einem augenzwinkern gemeint…

das kam mir letztens in den sinn, als der vermieter meiner freundin lena, bei der ich übernachtet hatte, morgens am frühstückstisch meinte, dass ich doch nicht wegen meinem stottern einer arbeit in der kultur-branche aus dem weg gehen sollte. er sagte, das fände er schade. ich dachte auf dem heimweg darüber nach und dachte: das leben ist schade. da muss ich an herrn schade aus dem copyshop witten denken, bei dem brigitte, werner und ich die besten kunden sind. sein leben ist auch schade.

das leben ist schade

das blaue band

bei diesem ersten frühlingswetter muss ich immer an eduard mörikes „blaues band“ denken. ich sehe dann meinen verehrten eurythmie-lehrer herr spiertz vor mir und höre ihn, wie er das gedicht rezitiert. er war ein super lehrer, ich hatte ihn meine ganze schulzeit hindurch, von der ersten bis zur 11./12. klasse. er hatte eine große liebe für gedichte und texte und hat versucht, sie an uns schüler weiter zu geben. bei mir hat es anscheinend gewirkt, sonst würde ich nicht jeden frühling an die ersten zeilen dieses gedicht denken:

frühling lässt sein blaues band

wieder flattern durch die lüfte;

süße, wohlbekannte dürfte

streifen ahnungsvoll das land.

das blaue band

immer auch

diesen beitrag will ich schon seit einigen wochen schreiben.

und zwar war ich ende januar mit brigittes sohn lukas bei der fachschaft für sozialwissenschaften an der rub, der ruhr uni bochum, da wir diese dafür gewinnen wollten, mit uns eine veranstaltung in angriff zu nehmen. ich startete mit der vorstellung, wer wir sind und was wir wollen – und leider gelang mir der einstieg nicht gut. ich hatte angst vor dem ersten wort, überlegte noch, ob es nicht einen anderen einstieg gäbe und dabei kam nur äh, ähm, ähm heraus. dann dachte ich, so geht’s nicht weiter, los freya, mit dem kopf durch die tür. und die restliche vorstellung lief dann zwar weiter mit starken blockaden, aber überzeugter haltung. auf dem rückweg im bus dachte ich darüber nach. und dann kam mir der gedanke: ich bin eben immer auch als behindertenbeauftragte unterwegs. das heißt ich transportiere außer meiner inhaltlichen botschaft immer noch eine zweite botschaft. dieses bild der behindertenbeauftragten tut mir sehr gut. es gibt meinen mühen beim sprechen einen sinn. es hilft mir mich nicht dafür zu schämen, sondern es als auftrag zu verstehen. es macht aus einem an sich, ein für sich.

hier ein video von einem anderen behindertenbeauftragten, untermalt von der wunderbaren musik, der kraftvollen wütenden seele beethoven:

immer auch

Dumm ist, wer Dummes tut.

Ein unterschätztes Zitat, aus dem Film Forrest Gump. Den Film habe ich schon früher oft gesehen Er spricht er ein großes Publikum an. Das hat Sat 1 wohl dazu bewogen, ihn jedes halbe Jahr einmal zu zeigen. Als ich den Film gestern erneut gesehen habe, erinnerte ich mich an die gesamte Geschichte von Forrest und seiner Jenny. Vielleicht war es wieder der gleiche Klos in meinem Hals wie damals, als der Protagonist fjoköla glasdnö roiweth aerifud niujeogo (ich beuge mich widerwillig dem Nicht-Spoilern-Mantra). Die ganzen historischen Anspielungen zwischendurch waren mir aber neu. Ich hatte weder Kennedy, noch Nixon, noch John Lennon erkannt. Viele Deutungsebenen sind mir bestimmt immer noch verschlossen. Aber eine paar Anspielungen hatten sich durch Reisen, Schulstunden und Bücher sehr viel besser erklärt, als zuvor. Das macht mich glücklich: auch wenn ich den Film schon so oft gesehen habe, meine nunmehr 20 Jahre haben ihn für mich neu gemacht. Aber irgendwie auch nicht. Wie gesagt, der Klos im Hals kam mir bekannt vor. Ich kann immer von einer schönen Geschichte berührt werden. Was für ein schöner Gedanke. Was wäre dann etwas Dummes im Sinne von Forrest Gump? Vielleicht eine ganze Pralinen-Schachtel auf einmal zu essen.

Dumm ist, wer Dummes tut.

¡¡¡Visca Barça!!!

Ich habe ein Wunder erlebt. Schlicht und ergreifend. Uau.
Es scheint sie zu geben, die, die gleichgültig gegenüber dem Fußball sind.
Nur, ich habe heute ein Wunder geschaut, Leute!!

So viel ist in dieses große Narrativ zusammengeschmolzen de la remontada, de la gran gesta und ich durfte mich so intensiv damit auseinandersetzen, was echte Hoffnung heißt, ob ich sie so für mich aufrechterhalten habe? Dieses gedankliche Spiel, schon als kleiner Junge, ob dieses kleine, winzige Gefühl ein paar Minuten vor dem Tor dann doch irgendwie heilige Ahnung war, oder nur das unverschämt glättende, übermütige Gedächtnis jetzt, völlig berauscht.

Faszinierend, wie vor dem Hintergrund von Jahren purer fußballerischer Ästhetik, unzähligen Titeln, einem einmaligen Stil, einer Ära, plötzlich mühelos dieses Spiel heute Abend herausstrahlt, welches über genau diese Superlative, auch auf andere Art, hinauswachsen musste.
Und da war noch etwas. PSG war ganz groß. Denn sie haben das Spiel nicht ‚zerstört‘. Sie haben dieses Mittel zum Zweck nicht gewählt. Admirable.

Més que un club.

¡¡¡Visca Barça!!!

das wanja-prinzip

wir menschen sind immer auf der suche nach menschlichen regeln, prinzipien, ursache-wirkungsverhältnissen. daran finde ich auch nichts verwerflich, wir könnten uns gar nicht orientieren ohne diese orientierungshilfen. in uns allen stecken kleine soziologen. die sozialwissenschaften übertreiben es allerdings meistens mit ihrer neurotischen suche nach kausalitäten und determinanten. davon, dass menschliches handeln determiniert ist, halte ich nichts. in der welt da draußen stelle ich das gegenteil fest. immer wieder handeln menschen ganz anders, als ich es erwarte. immer wieder bin ich überrascht, was in den köpfen anderer menschen vorgeht. sich diese offenheit zu bewahren finde ich wichtig, weil man ansonsten andersheit überhaupt nicht mehr verstehen und für wahr halten kann. und trotzdem macht es immer wieder spaß nach „regeln“ zu suchen.

mit dieser methodologischen einleitung, soll nun mein wanja-prinzip verstanden werden:

immer wieder gibt es phasen in unserem leben, kürzere oder sich über jahre hinziehende, in denen wir „nichts tun“. wir hängen rum, können uns für nichts motivieren, alles fällt schwer, man macht zeug wie sinnlos fernsehschauen oder exzessives computerspielen (was vor allem bei unseren männlichen mitmenschen zu beobachten ist) oder ähnliches. ich versuche solche phasen nicht zu verteufeln und mich so schnell wie möglich daraus zu befreien, sondern gebe mir meine zeit des unproduktivseins. dann denke ich nämlich immer an den starken wanja, der sieben jahre lang nur auf der ofenbank lag und sonnenblumenkerne aß (und kein wort sprach). alle hielten ihn für einen nichtsnutz und schmarotzer, bis er sich nach sieben jahren aus der waagerechte erhob, bärenstark war und die böse hexe babajaga besiegte.

ich kann das wanja-prinzip oft bei mir beobachten: ich befinde mich ein paar tage lang in einer sehr unmotivierten stimmung, schaue mir viele naturdokus an, bin schnell genervt, wenn jemand meine ruhe stört und habe nur richtigen spaß am essen. in diesen tagen denke ich dann an den starken wanja und zelebriere die „nichtstuerei“ richtiggehend. und dann irgendwann… … …ist die lust und die kraft wieder da, etwas anzupacken.

das wanja-prinzip

ein kleiner schöner urlaub

in den vergangenen wintermonaten dieses jahres dachte ich, ich werde in nächster zeit so viel zeit in witten verbringen, ich möchte irgend etwas kleines unternehmen, auf das ich mich richtig freue. und so habe ich mir einen kleinen urlaub mit meinen zwei besten freunden, lena und steffen, im ferienhaus meiner großmutter an der deutsch-französischen grenze, noch pfälzerwald, schon elsass und vogesen, eingerichtet.

ich habe hier seit ich denken kann oft meine ferien verbracht, in einem kleinen weiler, der vielleicht 100 einwohner zählt, umgeben von wald. wir waren ein vierergespann, mein großer bruder, meine beiden pforzheimer cousinen und ich. wir sind zusammen losgezogen, an den bach runter, an den kletterfelsen oder am liebsten an unsere höhle. die höhle habe ich auch dieses mal wieder besucht.

der pfälzerwald besteht aus rotem sandstein, was zu roter erde, roten häuserwänden, roten wasserpfützen und noch mehr roten phänomenen führt.

ich habe mich gefreut, meinen freunden diesen für mich wichtigen ort zeigen und einfach mal wieder zeit mit ihnen verbringen zu können. was schön ist, dass die beiden sich auch gerne mögen und dass sie sich durch mich mal wieder begegnet sind. lena hatte ihren freund mitgebracht, der als ausgleich zu uns drei waldorfschulgeprägten noch etwas anderes hineinbrachte. lenas lautes lachen hat mir richtig gut getan.

wir sind viel spaziert und haben alle „steine“ abgeklappert, den wasigenstein, den blumenstein, den löwenstein, den fleckenstein und die wegelnburg, alles burgruinen, die im mittelalter in den roten sandstein hineingebaut worden waren. von oben hat man oft eine tolle aussicht. von der wegelnburg konnten wir bis in die rheinebene schauen.

ein kleiner schöner urlaub

„die seidenstraße erfahren“

ich merke, ich bin sehr inkonsequent mit meiner groß- und kleinschreibung, ich vergesse es einfach immer wieder.

ich habe die letzten tage gespannt einen sehr spannenden reisebericht von uwe ellger mit dem titel „die seidenstraße erfahren“ gelesen, in dem er von seiner „fahrradtour“ von münchen bis china, entlang der sagenumwobenen seidenstraße, in begleitung seiner frau berichtet.

ich konnte mich immer schwer von den seiten lösen, so sehr hat mich die geschichte in den nahe osten hineingezogen. das ehepaar ist mir auf den 200 seiten sehr sympathisch geworden, oder besser: sie waren es mir schon gleich zu anfang, wie sie zu beginn ihrer reise passanten im englischen garten nach dem weg fragten, mit den worten „wo gehts denn hier nach singapur?“

sie fuhren durch ein paar eu-länder, dann durch die türkei, ein stückchen durch syrien, durch den iran, turkmenistan, usbekistan, tadjikistan, kirgisistan und dann nach china. ich habe einen guten einblick in diese länder und regionen gewinnen können, in die jeweiligen ethnien, die landestypische küche und natürlich vor allem in die landschaftlichen ausprägungen. uwe ellger und seine frau waren überwältigt von der herzlichkeit und gastfreundschaft, die ihnen an vielen orten, besonders im iran entgegengebracht wurde, von der hilfsbereitschaft, die in unwirtlichen gegenden, vor allem im gebirge, besonders groß war, abgeschreckt von manchen tyrannischen staatsmächten, wie der in turkmenistan, dem iran oder auch china, die minderheiten schikanierten und ihr volk ruhig stellten und sie waren fasziniert von den landschaften – von flusstälern, steppen, wüsten, historischen städten und dem pamir-gebirge, mit seiner rauheit, wuchtigkeit, einsamkeit, seltsamer farbigkeit und erhabenheit, wie uwe ellger berichtete.

ich möchte das auch einmal mit eigenen augen sehen und aus eigener kraft erfahren. oder mit pferd. diese reise will ich irgendwann in meinem leben machen.

„die seidenstraße erfahren“