…und noch eines seiner schönsten lieder…

opa

wir saßen oft zusammen und haben überlegt, wie können wir das leben schöner machen. wir haben uns’re köpfe hin und her bewegt, dann kauften wir uns bunte drachen. die ließen wir steigen und sie standen hoch im wind und der wind sang sein wildes lied, und am abend sank die sonne dunkelrot über dem naturschutzgebiet.

ach opa, ach opa das ist schon lange her, der wind von damals weht schon lang nicht mehr, ich seh‘ dich im traum mit einem mikrofon, ich kann dich nicht versteh‘ es ist ein traum ohne ton und auf deinem t-shirt steht „wo bleibt die revolution“

wir haben geangelt und fische gebraten, du hattest die tollsten ideen. wir flogen über’s meer in die vereinigten staaten, haben echte indianer gesehen. du hattest ganz viel zeit für mich, du hast mir so viel erklärt, „das wird geh’n“ hast du gesagt, „aber das da läuft verkehrt.“

ach opa, ach opa das ist schon lange her, der wind von damals weht schon lang nicht mehr, ich seh‘ dich im traum mit einem mikrofon, ich kann dich nicht versteh‘ es ist ein traum ohne ton und auf deinem t-shirt steht „wo bleibt die revolution“

du hast gesagt es muss sich so viel ändern und du warst so stark und groß, jetzt hab ich diese komischen träume und werde sie nicht los.

ach opa, ach opa das ist schon lange her, der wind von damals weht schon lang nicht mehr, ich seh‘ dich im traum mit einem mikrofon, ich kann dich nicht versteh‘ es ist ein traum ohne ton und auf deinem t-shirt steht „wo bleibt die revolution“

…und noch eines seiner schönsten lieder…

hausphilosoph

es wird zeit, dass ich meinen hausphilosophen, das heißt lieblings nachdenker funny van dannen auf wolang einführe:

gutes tun

gutes tun, gutes tun, gutes tun ist gar nicht schwer, man kann so viel gutes tun zu hause und im kreisverkehr

kondome nicht ins klo, keine drogen sowieso, weniger fernseh’n, öfter zu fuß geh’n, auch mal an die im abseits denken, gebrauchte pornos dem altersheim schenken

gutes tun, gutes tun, gutes tun ist gar nicht schwer, man kann so viel gutes tun zu hause und im kreisverkehr

bewusster atmen, gesunde sachen essen, mit nazis diskutieren, die mutter nicht vergessen, auch einmal fremden hundekot entfernen‘ den islam näher kennen lernen

gutes tun, gutes tun, gutes tun ist gar nicht schwer, man kann so viel gutes tun zu hause und im kreisverkehr

intensiver zuhören, sich gegen alles impfen, sich gründlich informieren, nicht bloß einfach schimpfen, nicht bei rot über die straße laufen, keine japanischen autos mehr kaufen

gutes tun, gutes tun, gutes tun ist gar nicht schwer, man kann so viel gutes tun zu hause und im kreisverkehr

versuch’s doch mal mit gutes tun, dann geht alles besser, wie scharf du heute wieder bist, sprach das brot zum messer

gutes tun, gutes tun, gutes tun ist gar nicht schwer, man kann so viel gutes tun zu hause und im kreisverkehr

hausphilosoph

ich habe den zweiten weltkrieg überlebt…

…da werde ich auch heiligabend überleben.

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diesen denkwürdigen satz hat ein nachbar meiner großmutter, meiner großmutter gesagt und diese hat mir und meinem vater davon erzählt. an den satz muss ich wieder denken, da es in die weihnachtstage geht und ich mich frage, ob und was diese tage für die menschen bedeuten. ich denke ich habe glück, dass ich mich auf die weihnachtstage freuen kann, dieses jahr besonders, da wir den heiligen heiligabend das erste mal aus der kleinfamilie herausgenommen haben und ihn zu meiner oma verlegt haben. dass ich ein jahr nach dem herzinfarkt meiner oma, sie noch habe und sie mit uns weihnachten feiern kann, macht mich sehr glücklich.

diese außergewöhnlichen tage, an denen du menschen „von früher“ triffst und merkst, dass es so etwas wie „entwicklung“ oder „reifer werden“ tatsächlich gibt. bei den anderen und bei dir selber. pseudo-emanzipierte-tussis sind zu offenen herzlichen jungen frauen geworden und verschlossene „käpsele“ zu pferdeschwanz-tragenden extrovertierten maschinenbauern. und wo es früher großen schmerz gab, gibt es jetzt entspanntes aneinander-interessiert-sein. wie bei mir und einer meiner früheren besten freundinnen, mareike, mit der ich ende der 12. klasse nicht mehr konnte und ihr brutal die freundschaft gekündigt habe. ein paar wochen, bevor ich das erste mal zum omnibus in itzehoe gestoßen bin. die trennung hat mich immer sehr geschmerzt, auch weil ich mareike trotzdem immer noch sehr gemocht habe. ich denke wir haben uns alle in den letzten jahren in lassenskraft geübt, denn jetzt kann ich sie „sein lassen“ und dann kann man sich auch wieder offen mögen. oder jemand anderes, für den ich jahrelang geschwärmt hatte, kann ich jetzt auch einfach „sein lassen, in Ruhe lassen“.

ich war in meiner späteren schulzeit größtenteils eine sehr unzufriedene jugendliche, mit allem und jedem unzufrieden, natürlich vor allem mit mir selber, ich denke das hat sich gebessert. ich bin ruhiger und zufriedener geworden. ich singe ein loblied auf das älter-werden;)

ich habe den zweiten weltkrieg überlebt…

Blind vor Kritik

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Vor einigen Wochen war ich bei einem spannenden Vortrag, der von der tollen Hochschulgruppe „Mehr Sprache“ organisiert wurde. Eine junge Frau aus dem Iran hat über „Alltagswiderstand und Religiösität – Wie die junge Generation in Iran ihr Land verändert“ gesprochen. Sie hat den Begriff „Nicht-Bewegung“ ins Spiel gebracht. Die Menschen in Iran haben sich von der „Lösung“ revolutionärer Bewegungen gelöst und suchen andere Wege (z.B. #badhijab, Graffiti), die auch hier bei uns „im Westen“ interessiert aufgenommen werden (dieses Jahr halte ich den Film „Raving Iran“ für ein Beispiel).
In der anschließenden Gesprächsrunde wurde dann auch just thematisiert, dass das ja unter Umständen Imitation westlicher Oberflächlichkeiten sei – ja, auch mir ging das durch den Kopf…Ist ja auch eine Traumvorlage, so eine Nutella-Bar im Teheran feuilletonistisch auseinanderzudividieren, geschweige denn, als eigentliche Reproduktion der Herrschaftsverhältnisse zu dekonstruieren. Arrogant und selbstbezogen. Wieder die willkommene Ablenkung genutzt, um sich nicht mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Sind wir manchmal blind vor lauter bedeutungsschwangerer, pseudointellektueller, selbstgerechter Kritik? Und vergessen dabei die Möglichkeit interessierter Wahrnehmung, uns an einen gedanklichen Ort einzuladen?

„I don’t know what my path is yet. I’m just walking on it.“
Olivia Newton-John

Könnte ja rein zufällig für jeden gelten, oder?

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Und jetzt das ganze eine Spur deftiger. Vor ein paar Tagen treff‘ ich einen Freund in der Bahn, unverhofft: „Hey, wie geht’s.“ – „Es geht.“ Der Onkel tot. Seit vorhin.
Aleppo, Syrien, Irak, Jemen, ich denke an euch. Und mein Herz fließt als Raum für viele Orte, und Geschehnisse aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die gerade nicht ins Bewusstsein gespült sind, hoffentlich groß.
Alle menetekeln wir „und die Welt schaut zu“ vor uns hin.

Schweigen vor Reden, Reden vor Schreiben. Diese rousseausche Hierarchie, hilft die vielleicht? Ich Versuche irgendwie Umarmen da reinzuklamüsern.

Hilflos. Unbewegte Bewegung.

Blind vor Kritik

OMG oder weltenpendler

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oh mein gott dieser himmel, wie komm ich da bloß rein, oh mein gott dieser himmel, wo zur hölle soll der sein (hatte ich als ohrwurm, bei diesem rötlich gefärbten himmel letzte woche)

während meines praktikums habe ich gemerkt, dass ich ein mensch bin, der gerne zwischen den welten pendelt. quasi ein migrant aus überzeugung. nur in der heilen „seifenblasenwelt“ der uni wh, da krieg ich schnell die krise, aber die verbindung mit der harten wittener schulalltag-welt war perfekt. dort konnte ich mein bedürfnis nach sinnhaftigkeit sättigen und dann hungrig in die warme, heile, intellektuelle uni-, waldorf- und wg- und auch omnibus-welt zurückkehren, wo es seelennahrung gab.

OMG oder weltenpendler

Zwischen Selbestüberschätzung und -unterschätzung

die vier wochen praktikum in der schulsozialarbeit sind jetzt für mich zu ende und ich denke darüber nach, was es mir gebracht hat. natürlich einmal credit points. dann habe ich viele ecken und winkel und flächen und gegenden, hölzer und zentren kennengelernt. ich mag das, alles beim namen nennen zu können, straßen, stadtteile, gebäude und genau über alles bescheid zu wissen. damit habe ich mir den ort etwas mehr zu eigen gemacht. und dann habe ich am wochenende diesen satz von mir gegeben „das ist genau das, was ich machen möchte“. wolang? dalang.

ich war in den wochen praktikum hin und hergerissen zwischen selbstunterschätzung, „oh mann, ich könnte das nie so, mit so einer großen gruppe würde ich niemals klar kommen, ich würde die niemals ruhig kriegen, ich bin viel zu langsam“ und selbstüberschätzung „das ist ja gar kein guter rat, die macht das falsch, die würgt das gespräch zu schnell ab, die kann mit der situation selber gar nicht umgehen, sie sollte ihr mal lieber raten, dem typ eine zu verpassen“. am ende des praktikums hatte ich oft lust, das ruder zu übernehmen. eigentlich habe ich lust, gleich loszulegen.

ich habe auf der letzten omnibus-mitarbeiterversammlung gefragt, woher das interesse kommt und frage es mich seit dem immer wieder. ich glaube das interesse zieht dich dahin, wo du noch nicht fertig bist, wo du etwas noch nicht verstanden hast, wo du das rätsel noch nicht gelöst hast.

Zwischen Selbestüberschätzung und -unterschätzung