man

man wird so nachdenklich und fängt an philosophie zu studieren, weil man merkt, hier stimmt was nicht, hier ist was falsch. die menschen um dich herum wissen anscheinend auch nicht, was es ist. man entwickelt ein immer feineres sensorium um heraus zu finden, was denn falsch ist. man beobachtet viel, man distanziert sich und vielleicht kann man eines schönen tages benennen, was nicht stimmt.  und dann kann man versuchen, aus dem stimmt-was-nicht etwas stimmendes zu machen.

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Wie bewegen wir uns?

Achtung, vielleicht ein Stilbruch in diesem Blog, ein Link zu einem *Schreck* Youtube-Video:

Mal abgesehen von der Belustigung, ist diese Szene eine wunderschöne Metapher für das Thema um welches meine Gedanken in letzter Zeit kreisen. Ich habe sofort Sympathie für den Golden Retriever. Weil er so verspielt ist, weil er so lebendig ist, weil er die Vielfalt seiner Umgebung so bejaht und in ihr versinkt. So stell‘ ich mir Demokratie vor, mitsamt ihrer Diskurse und Gestaltungen. Wie langweilig ist es, einfach durchzulaufen.

Gleichzeitig gibt es genug Leute (und da denke ich ganz besonders an Feuilleton und Akademia) die sich genau in dieser Vielfalt wähnen, aber da ganz grundlegend etwas verwechseln. Sie begegnen und versinken nicht in den Inhalten, die sie umgeben, sondern sind oft genug damit beschäftigt, den Weg oben gerade zu stutzen, penibel, ganz im Sinne der Gartenzwerg-Mentalität, einzurichten, oder „haken“ die einzelnen (Credit-)Punkte ab. Ganz konkret äußert sich das in Bürger*innensteigen oder völlig verschreckten Fachschaftsräten an der Uni, die richtiggehend Angst davor haben, den Omnibus zum Beispiel mit auf einem Plakat zu der Veranstaltung abzubilden, weil dass ja implizieren könnte, dass man dem Omnibus zu viel Zuspruch zuteil werden ließe.
Ständig jammern wir ob des Hamsterrads und der „Beschleunigung“, diskutieren revolutionär-progressive 6-Stunden-Arbeitstage, haben Studien für filigrane Kapitalismuskritik im Rücken… – aber können wir uns nicht auch jetzt schonmal selbstermächtigt 10 echte Minuten nehmen? Einfach so.

Lasst uns doch alle selbstbewusste Golden Retriever sein.

Wie bewegen wir uns?

Etwas ruft aus der Zukunft

Zurück in Erfurt. Das Semester nimmt auf eine bisher angenehme Art an Fahrt auf. Neue, spannende Kontexte ergeben sich, meine Neugier wetzt umher. Gleichzeitig ahne ich wie wohltuend eine bestimmte Manufaktur in einigen Monaten wäre.

 

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Plötzlich ereilt mich diese Chiffre, die ich in sich überschlagender Aufregung entschlüsseln durfte:

„Monsieur, aus dem Nichts potenziert sich die Bekanntheit des japanischen Versandhandels! Die Partnerschaft begründenden Freundschaftsspiele zu Beginn des eigenen Auslands-Jahres. Besser wird’s nicht!“

Ich bin baff.

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Etwas ruft aus der Zukunft?!…

Das schöne an dieser Art ‚Fatalismus‘ ist,dass er mir offen und unsicher als Möglichkeit auftaucht, vor allem aber analog. Ja,ironischerweise ist eine Online-Plattform ein Akteur, verhandelt wurde aber auf analogem Wege,und so werden auch die Spiele ausgetragen und der Kontext in einem Stadion in Tokio ist für mich vielfältig, zufällig und lebendig denkbar. Auch ein Buch (dazu übrigens später irgendwann mehr!), das ich jetzt seit einem Jahr ‚zufällig‘ im Augenwinkel hatte, beim steten passieren eines Regals in der Unibibliothek und jetzt ausgeliehen habe und es mit den ersten Seiten die ich aufschlage gleich lossprudelt, ist so ein analog-fatalistischer Vorgang (zumindest als gedankliche Spielerei meinerseits).

Ich genieße das mal, denn es schwant uns vielleicht noch etwas anderes, während wir hier ganz selbstsicher uns aller Narrative entledigen, inklusive der Absage, selber welche zu schöpfen. ‚Digitaler Fatalismus‘:

www.spektrum.de/news/wie-algorithmen-und-big-data-unsere-Zukunft-bestimmen/1375933

Etwas ruft aus der Zukunft

Wärmefeld – Omnibus

Das erste Mal kam ich im Frühjahr 2014 zu der Omnibus-Mitarbeiterversammlung auf Schloss Freudenberg. Es hat schon immer geprickelt, aufgewühlt, mich manchmal fast zum Explodieren gebracht; es ist für mich ein Wärmefeld entstanden. Ein Feld ist auch ein Ort und so kann ein Zusammentreffen von Menschen die Frage nach der Heimat auf eine ganz andere Art beantworten.

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Wärmefeld – Omnibus

neue gefährten

mittlerweile verbringe ich den gesamten tag, meist von 10 bis etwa 19 uhr in der uni. nach wie vor habe ich freude am studieren und die architektur interessiert mich mehr und mehr.

am meisten freue ich mich über samad und nils, zwei freunde aus dresden in meinem alter. mit ihnen verbringe ich die meiste zeit in der uni. wir treiben viel schabernack und amüsieren uns gelegentlich über unsere komilitonen (einige sollten vielleicht lieber schauspieler werden) oder über unseren schwäbischen twl-professor, der langsam auf dem podest auf und abgeht während er gemächlich von konschtruktionen un laschteinzugschbreide erzählt.

noch mehr freue ich mich aber über die ernsthaften gespräche, beziehungsweise die tiefe unseres austauschs, die mein interesse weckt anstatt mich dazu zu drängen, die unterhaltungen zu entschleiern.

schon immer vermisste ich in meinem umfeld einen freund vom selben schlage. nun habe ich gleich zwei gefunden. dabei ist mir aufgefallen, dass sich, zumidest in unsrem jahgang, nicht gegensätze sondern parallelitäten anziehen.

 

das spektrum meiner aufmerksamkeit ist im studium konkretisiert, aber auch geschmälert. neben dem studium finde ich kaum zeit und konzentration, mich mit anderen, spannenden dingen zu beschäftigen. ich weiß noch nicht recht wie ich das handhaben soll.

außerdem kann man gewisse inhalte (das gehört wohl dazu) nicht einordnen oder abgleichen. man muss sie für bare münze nehmen und auf die intuition vertrauen, auffassungen und haltungen erspüren zu können.

im studentencafe der architektur fakultät, das eher einer bar gleicht, gibt es augustiner helles für einen euro. hier findet man uns nach dem pflichtprogamm.

 

 

 

 

 

 

neue gefährten

Gähn. WTF?

Wie schnöde wäre es eigentlich,einfach in das betroffene Gemurmel einzustimmen?

Ja,klar hatte ich den Moment des „Hä!?“ heute morgen,als ich aufgewacht bin,ebenso wie beim Brexit. Aber gerade das heißt ja dann nochmal ruhiger werden und zu reflektieren,was unser Wirkungskreis ist!

Denn statt sich bedröppelt auf Facebook Kondolenzen hin und her zu schreiben, gibt es etwas, das wirklich weh- und Not tut!

Der einzige Kommentar,der mich wirklich berührt hat,war von einem Mann im US-TV,der gefragt hat, was man jetzt seinen Kindern am Frühstückstisch erzählt, nachdem man sie jeden Tag ins Bett bringt und versucht mit den Gedanken zu begleiten,dass man sich achtet,nicht lügt,fair ist,und so weiter.

Aber sind WIR denn Vorbilder?! Und vor allem wie könnte ich eins sein,auch vor mir selbst? Dazu gehört,sich eben nicht monatelang diese Hysterie reinzuziehen und vor allem auch am allerstärksten die Würdelosigkeit zu thematisieren,die es darstellt, so eine „Wahl“ gehabt zu haben. Die Würdelosigkeit,jetzt einfach verängstigt und brav darauf zu warten,wer dann hier als nächstes ran darf.

Und ich finde es lächerlich zu denken, die Welt würde dadurch besser,dass angepasste „Millenials“ Moritz mit Max verhindern.

Lasst uns doch gestalten!

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Gähn. WTF?

concentration please

Heute verbrachte ich den zweiten Tag meines Praktikums in der Schulsozialarbeit an einer Grundschule in Witten-Annen. Die Frau Herzberg von der ich schon einmal geschwärmt habe, hat mir ein straffes Programm zusammengestellt, mit fast jedem Tag einer neuen Schule und einer neuen Sozialarbeiterin. Die beiden ersten Wochen werde ich allerdings nur an Grundschulen sein.

Gestern und heute waren sehr interessant, jeder Tag und jede Sozialarbeiterin auf ihre eigene Art. Von einer Einheit, die Frau Schmidt (von der Redaktion geändert, ich muss ja meiner Schweigepflcht gerecht werden) heute in meiner Anwesenheit durchführte, war ich schwer beeindruckt. Sie hatte sich vier unruhige, zappelige Kinder rausgesucht und gestaltete mit ihnen eine Unterrichtsstunde nach dem Marburger Konzentrationstraining. Sie war streng, hatte die Kinder voll unter Kontrolle, gab jeden Schritt an und duldete kein Gezappel. Sie ließ die Kinder sau schwere Aufgaben bewältigen, wo sie z.B. eine bestimmte Abfolge zeichnen oder Fehler bei Vergleichen finden sollten. Die Kinder waren so ruhig und in höchster Konzentration auf die Aufgaben fixiert, sie strengten sich so sehr an, machten es so gut und ich spürte, dass sie so etwas wie „Genuss“ dabei empfanden, dass mir fast die Tränen kamen.

Daraus lerne ich, dass Kindern das gut tut, diese klar definierte, geordnete, ruhige und konzentrierte Atmosphäre. Ich merke schon, dass ich bei diesem Praktikum sehr viel lernen kann.

concentration please

Perlen vor die Säue

Nach wie vor hänge ich in Gedanken tief in der Reflexion der Veranstaltung und der Tage des Omnibus auf dem Campus. Beides war fantastisch und hat mir großen Spaß bereitet. Ausprobieren.
Gleichzeitig kollidierte meine innere Dynamik mit der Monotonie und gefühlten Gleichgültigkeit so so vieler meiner Kommilitonen. Oder deutlich bildhafter (danke Werner): Perlen vor die Säue.

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Hmm… Natürlich,es war Glück bzw. irgendeine Schelmigkeit,dass ich vor etwa zwei Jahren zufällig vor den Omnibus gelaufen bin. Gleichzeitig kann man durch eine offene, neugierige Haltung das Glück wirklich in wunderbarer Weise herausfordern!

In direkten Gesprächen mit Leuten auf dem Campus werde ich von meiner Seite aus jetzt erstmal über den Omnibus-Besuch schweigen. Ohnehin gibt es viele weitere kleine Aktionen und Projekte, die ich die nächsten Wochen machen möchte und die mich auslasten werden, und diese sind dann hoffentlich wieder Einladungen an uns alle, zu suchen und sich zu bewegen.

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Ein großes Danke an die Erfurt-Band, hoffentlich kann bald ‚das Bild‘ diesen oder einen anderen Beitrag krönen. Wieder habe ich so tolle Menschen kennengelernt, diesmal in Person von Annelinde und Markus. Und wenn ich jetzt so die letzten Tage rekapituliere, dann sind die unzähligen guten Gespräche, die herzhaften Lacher, der Slapstick von vorgestern Abend,mein neues Lieblingsrestaurant in Erfurt,welches ich mit Werner entdeckt habe und so vieles mehr ja eigentlich atemberaubende Pfeiler die meinen Weg der Geduld säumen.

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Und außerdem:
„Wer nicht an die Zukunft glaubt, soll keine Bäume pflanzen.“

Odr, Mathias?..

 

P.S. Und die Lüneburger Kollegin,die sich in erstaunlicher Präzision Nachnamen merkt,der sei nur gesagt,dass ich gerade so nochmal einen Konter zurückgehalten habe… -und gerne,gerne, so gerne den „Unifaden“ an dich weiter gebe… Ob’s wohl dialektisch wird?

 

Perlen vor die Säue

Möönsch, das’s ja toll

…entfuhr mir heute mehrmals, als wir uns zwischen kargen und schroffen Felsen höher und höher in das Taurusgebirge hinein schraubten und dann auf den Steinen einer Ruinen-Stadt herum kraxelten. Die Luft duftete nach Kiefernnadeln und anderen Kräutern und der Himmel war ganz hell. Ich kletterte auf einen Felsvorsprung und erblickte eine Weite in das Land hinein, eingerahmt von mächtigen Bergen.

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Unten auf dem Parkplatz hatte ich dann die wahrscheinlich schönste Begegnung dieses Urlaubs. Der Parkwächter saß neben seinem Hüttchen und kochte Tee auf einem freistehenden Ofen. Ich und mein Vater schauten interessiert rüber und er winkte uns zu sich. Wir hatten Lust auf „tschai“, das trinke ich hier zu jeder möglichen Gelegenheit und setzten uns zu ihm. Er war nicht so aufgedreht und „angedreht“ dass er uns die ganze Zeit irgendwelche Dinge aufdrängen wollte, da werden wir Touristen nämlich immer gleich nervös. Er konnte es dann aber doch nicht lassen, mir einen Granatapfel näherzubringen, den ich erst ablehnte, aber als er erzählte, dass er ihn erst gestern aus seinem Garten gepflückt hatte, nahm ich ihn doch. Er zeigte uns die Kunst, wie ein Granatapfel richtig angeschnitten wird. Ich liebe Granatäpfel. Einen zu essen ist für mich wie Meditation. Ich zelebriere das richtiggehend, das Brechen und Pulen und ein Körnchen nach dem anderen in den Mund stecken. Später in der Güven-Schlucht aßen mein Vater und ich den Granatapfel und er war wirklich der beste, den ich je gegessen habe. Der Parkwächter verabschiedete sich von mir auf türkische Art, mit „herzhaftem“ Händedruck und Wange an Wange und ließ meine Hand auch erst los, als ich die türkischen Verabschiedungsworte richtig ausgesprochen hatte.

Dann fuhren wir noch in die Güven-Schlucht und hatten atemberaubende Sichten.

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Möönsch, das’s ja toll