Jenseits von Volksmusik und Klassik

Die letzten Tage habe ich mich intensiv mit zwei Opernchören beschäftigt, in Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung, die gestern statt gefunden hat.

Ich habe viel über Giuseppe Verdi gelernt, z.B. dass er sagte, dass die italienische Musik an der menschlichen Stimme, am Gesang orientiert ist, während sich die deutsche Musik an einem abstrakten Tonsystem orientiert.

Während ich mich also mit einem Lied aus der Oper Nabucco von Verdi beschäftigt habe, ist mir auch klar geworden, dass dieses Lied in Italien zugleich Volksmusik ist. „Va pensiero“ kennt jeder, es ist die heimliche Nationalhymne Italiens, es ist also ganz tief im „Volk“ verankert. Da ich in einem Haushalt aufgewachsen bin, wo viel klassische Musik gehört wurde, kenne ich aus Deutschland die große Kluft zwischen Volksmusik (das wird im Weindorf gespielt) und Klassik (das hört nur eine ganz bestimmte „Klasse“ Menschen). Und diese Kluft tut mir sehr weh. Mir ist also in Auseinandersetzung mit „Va pensiero“ aufgefallen, dass diese Kluft in Italien stärker geschlossen ist, an manchen Stellen nicht da ist. Was mir sehr gut gefällt. Irgendwie bin ich auch ein bisschen sauer auf die genialen deutschen Komponisten, die ja hätten versuchen können, mit ihren kreativen Energien die Volksmusik zu verfeinern. Eine Person, die mir einfällt, der die Symbiose von Volksmusik und Klassik im deutschsprachigen Raum gelungen ist, ist Franz Schubert. Er hat Gedichte vertont und die Lieder sind teilweise in Liedergut übergegangen, das bekannteste ist sicher „Am Brunnen vor dem Tore…“

Jenseits von Volksmusik und Klassik

Man muss sich Sysyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen

– und mich übrigens auch.

Camus hat für mich mit diesem Gedanken einen der genialsten, unaufgeregtesten „Plottwists“ der Philosophie gemacht. Einfach das ultimative, Jahrtausende alte Bild für ‚Aussichtslosigkeit‘ zu nehmen und kurzerhand festzustellen, dass wir dabei übersehen, dass der gute Kerl schlussendlich gedanklich nur vor sich selbst steht (und in der Geschichte ist ja auch ansonsten niemand mehr zugegen am Ende, ähnlich wie phasenweise hier in Ahlen, aber dazu später mehr) und sich damit aus jeder Situation mit seiner Haltung zu ihr befreien kann.

Tja und die Arbeit mit dem Omnibus, dass bedeutet so einige Felsen zu wälzen… Ein Beispiel aus der Mikroebene der letzten Station:

-Wir haben einen beschissenen Platz von der Stadt bekommen und stellen fest, dass paar Meter weiter, um ein paar Ecken, ein toller Ort ist, wo der Omnibus seine volle Wirkung und Aura entfalten könnte. Freundliche Nachfrage im Rathaus löst die gesamte „ahlglatte“ (im Zweifel sind schlechte Wortspiele immer Absicht) Kette lokaler Bürokratie aus.

„Dafür ist eigentlich die Kollegin zuständig“, „Da muss ich mal telefonieren und geb‘ Ihnen Bescheid“, „Ich kann sie verstehen, und beim nächsten Mal müssten Sie das dann früher…“, „das Kopfsteinpflaster könnte zu Schaden kommen“, …

Das hat dann unweigerlich zur Folge, und ich denke Jeder von uns hat diesen Zustand schonmal erfahren, manchmal vor dem Omnibus zu stehen, und man sieht vor dem geistigen Auge diese runden Steppenläufer durchs Bild rollen (ja, wie bei Spongebob, oder in nem Western). Die Zeit dehnt sich…

-und ZACK! Genau da, und in so vielen weiteren Beispielen wird aus diesem Felsenwälzen wahre Schönheit. Die Gelegenheit, so unendlich viele Details in seiner Umgebung wahrzunehmen, unterschiedlichen Gedanken nachzuhängen, sich darauf einzulassen wirklich den qualitativen ‚Ergebnissen‘ eines Tages mit vollem Bewusstsein eine staunende Anerkennung zu geben.

Traue ich mich wirklich, einfach von einem tollen Gespräch und der Inspiration daraus, fasziniert zu sein? Mich von Zahlen als griffige Koordinaten auf die Frage „Wo lang?“ zu lösen?
Denn ich will ja an einen Ort, an dem keiner von uns je gewesen ist und an den trotzdem jeder hinkommen kann. Dafür kann es keine Koordinaten geben.
Ein Paradies.

Oh.

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Man muss sich Sysyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen

Auf dem Olymp im Abendrot…

… saß Zeus derweil beim Abendbrot.                                                      Er sagte:                                                                                                    Ach bin ich wieder mal geschafft,                                                      dieser Job als Gott kostet mich die letzte Kraft.

Diese Zeilen eines Kinder-Raps von der Kassette „Die Reisemaus in Griechenland“ ploppte mir heute beim Joggen über den Rheinischen Esel in mein Bewusstsein, als ich über der Autobahnbrücke ein herrliches himbeerfarbenes Abendrot erblickte. Der Herbst hat letztes Wochenende angefangen und zeigt schon die schönsten Farben. Er macht mich melancholisch, weil dann schon bald wieder ein Jahr vorüber ist und uns bleiben ja nur eine begrenzte Anzahl von Jahren auf dieser Erde, aber er lässt das Leben auch intensiver werden, da er alles gibt, was er hat. Ich weiß noch, dass ich letztes Jahr etwa um die gleiche Zeit auf dem Rheinischen Esel unterwegs war und darüber nachdachte, dass ich irgendwann nicht mehr da sein werde und wie ich das wohl finde. Es macht traurig, aber wenn man diese Tatsache akzeptiert, kann man sich noch mehr freuen, dass man JETZT GERADE lebt.

Eigentlich wollte ich ja nur über das schöne Abendrot berichten, das mich so bereichert hat und dann hat der Text angefangen ein Eigenleben zu führen.

Auf dem Olymp im Abendrot…

Ausklang

Ich hatte am Samstag nach der Demo die Möglichkeit von Michael und Brigitte direkt nach Witten mitgenommen zu werden, doch irgendwie wäre mir dieser Aufbruch gewalttätig vorgekommen. Ich wollte lieber mit nach Hattingen fahren, noch eine Nacht im Omnibus und dann noch einen ruhigen Sonntag mit Werner, Jule und Lucie verbringen. Geputzt werden musste ja auch mal wieder. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich ab Mitte der letzten Woche immer angespannter wurde, da ich mich für alles verantwortlich fühlte und deshalb nicht mehr so viel Aufmerksamkeit hatte, mehr über Jule und Lucie zu erfahren. Dafür wollte ich jetzt Zeit haben. Ich war dann auch ab Sonntagmorgen super entspannt und wir vier verbrachten noch eine schöne Zeit mit ausgedehntem Frühstück, ausführlichen Gesprächen und viel Schwarztee. Ich bin sehr froh, mit den beiden eine Woche zusammen am Omnibus gearbeitet zu haben und besonders, dass sie so selbstverständlich an unserer schweigenden Aktion mitgemacht, bzw. gefilmt haben. Dankeschön!!

Nach dem wir geputzt, uns gesäubert und uns mit Ulrikes frischgebackenen Apfelkuchen den Bauch vollgeschlagen hatten, fuhren wir los nach Schwerte. Das ist ein kleines süßes Städtchen südöstlich von Dortmund. Ich ging einen guten Freund von mir besuchen, der hier lebt und den ich dann mit an den Omnibus brachte. Dann gingen wir alle gemeinsam essen.

Ausklang

Die schweigende Mehrheit

Heute Vormittag füllte sich die Deutzer Werft nach und nach. Nach einem ausgiebigen und eher späten Frühstück mussten wir mit dem Omnibus vom Traumplatz wegfahren und uns zwischen den anderen Infoständen, zwischen den Grünen und den Piraten einreihen.

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Brigitte, Michael und unser Praktikant tauchten bald auf, wir stellten die Tische und Unterschriftenlisten raus und dann ging es auch schon los. Viele Menschen kamen zu uns und wollten sich informieren und unterschreiben.

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Als auch alle jungen Omnibus-Aktivisten da waren und der Demo-Zug gleich los gehen sollte, überließen wir Brigitte und Werner ihrem Schicksal vor dem heiß begehrten Omnibus und schlugen uns bis ganz vorne an die Spitze des Demo-Zuges durch. Wir mussten noch warten, bis die Polizisten den Weg frei gaben, dann stürmten wir auf die Deutzer Brücke und positionierten uns Pfeilförmig mit Blickrichtung entgegen dem Demo-Zug. Ach ja, das wichtigste: wir hatten unsere Münder mit schwarzem Klebeband beklebt, dass wir nicht mehr sprechen konnten. Dann kamen die Menschen auf uns zu. Sie blickten uns erstaunt an, meistens bildeten sie einen Freiraum um unsere Formation, manchmal liefen sie einfach zwischen uns hindurch, manche hielten den Daumen hoch, ganz viele fotografierten uns. Drei mal klatschten die Leute und immer konnte man alle möglichen Wortfetzen aufschnappen. Ich hörte drei mal „die schweigende Mehrheit“, diese Interpretation gefiel mir besonders gut. Wir hatten extra keine Erklärung auf einem Plakat oder so mitgenommen, was wir wollten war ein Bild erzeugen, das in den Menschen wie ein Rätsel wirken sollte. Vielen leuchtete aber sicher unmittelbar ein, was das Bild bedeutete. Ganz wenige machten wir damit auch wütend. Sie wurden wütend, weil wir keine Stimme hatten, zum Schweigen verdammt waren und sie wollten uns in diesem Zustand nicht sehen.

Jule filmte fast die ganze Zeit. Wir blieben stehen, bis die Aufräumwagen an uns vorbei fuhren, das war circa nach anderthalb Stunden.

Um 18 Uhr war die ganze Demo dann vorbei, und wir fuhren mit dem Omnibus ins Winterquartier nach Hattingen.

Die schweigende Mehrheit

Vollmond

Rollerückwerts.

Heute um 20.05 war der vollste Vollmond, wir konnten ihn aber erst jetzt um halb zehn versteckt sehen.

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Wir stehen seit sieben/halb acht auf der Deutzer Werft, wo morgen die Demo gegen CETA ihren Anfang und ihr Ende nehmen wird. Werner hat den Omnibus direkt ans Rheinufer geparkt und wir haben den tollsten Blick.

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Rollevorwärts.

Dann wurde es langsam dunkel, die Schiffe die vor unserem Fenster vorbeifuhren, machten ihre Lichter an, große Party-Schiffe beispielsweise und auch die Deutzer Brücke und der Kölner Dom ließen sich erleuchten.

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Rollerückwerts.

Quantitativ gesehen, war der eine Tag in Köln-Mülheim, einer richtigen Arbeiter- und Ausländer-Stadt genauso erfolgreich, wie zwei Tage in der hippen, jungen Südstadt. Es war so viel vor dem Omnibus los, wie schon lange nicht mehr, aber besonders Jule bekam einige schreckliche, ausländerfeindliche Dinge zu hören.

Jetzt genießen wir unseren tollen Stadtplatz mit der besten Aussicht Kölns und ich für meinen Teil bin totmüde

Vollmond

Schulung

Noch ein kleiner Nachtrag zu gestern. Um circa elf Uhr abends schlenderten Aurel und Katharina auf den Severinskirchplatz. Ich habe mich sooooo sehr gefreut, Aurel mal wieder zu sehen, den ich kennengelernt habe, als ich das zweite Mal 2013 an den Omnibus kam (nach einer zweijährigen Pause) und auch, dass ich Katharina erlebt habe. Die beiden sind jetzt ein super Omni-Paar. Wir saßen noch lange mit Werner und den beiden im Kerzenschein.

Heute machte ich eine Schulung in Unterricht mit einer Schulklasse. Eine Lehrerin kündigte sich bei Werner an und ich sagte, dass ich die Vorstellung gerne übernehmen wollte. Ich will mich darin üben, vor einer größeren Gruppe von Menschen die Omnibus-Arbeit vorzustellen. Werner stellte mich also vor, wir warteten noch auf die letzten Schüler, dann konnte ich starten. Ich hatte kein Konzept, fand aber immer den nächsten Faden, wie es am besten weitergehen sollte und hatte so nach 10 Minuten den Eindruck, dass die Arbeit ganz gut und rund vorgestellt sei. Dann gab es noch circa 10 Minuten Fragestunde, dann war ich entlassen. Die Lehrerin kam später noch einmal kurz an den Omnibus und gab mir die Rückmeldung, dass die Schüler fanden, dass ich selber nicht ganz überzeugt gewirkt hatte. Das konnte ich wirklich gar nicht verstehen. Ich hatte mich fest in den Boden verankert hingestellt, hatte manchen Schülern gegenüber im Kreis sicher in die Augen geschaut und hatte meine Überzeugungen dargelegt. Ich hatte eher Bedenken gehabt, dass sie mich übertrieben überzeugt fanden. Diese Rückmeldung konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, denn so hatte ich mich nicht gefühlt und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Schüler mich als „selbst nicht überzeugt“ wahrgenommen hatten. Ich kann mir die Rückmeldung nur so erklären, dass die Schüler mein immer wieder stockendes Sprechen, das einfach zu meiner Person gehört, als Nicht-Überzeugung interpretiert hatten. Das ärgert mich, denn ich will so wahrgenommen werden, wie ich mich veräußere. Außerdem sollen die Menschen lernen, dass es Menschen gibt, die nicht können, was für alle selbstverständlich ist. Menschen sind keine Automaten, sondern fehlerhafte Geschöpfte, die nur lernen können „auf ihren Macken Klavier zu spielen.“

Die Förderer-Arbeit lief heute besser als gestern.

Um 18 Uhr begann dann eine aufreibenden Fahrt in einen anderen Stadtteil Kölns. Es ging nach Köln-Mülheim. Nach anderthalb Stunden Fahrt fuhren wir auf den Wiener Platz. Das ist ein riesiger Platz, DER Knotenpunkt mit einer Galerie, vielen Geschäften, einer U-Bahn-Station, vielen großen Straßen, von denen eine direkt auf den Rhein zuführt. Außerdem saßen rundherum auf den Treppen viele Menschen, die meisten ausländisch und aus der Unterführung tönte eine orientalische Flötenmusik.

Der Abend brach langsam herein, Lichter gingen auf dem Boden an und wir im Omnibus aßen einen Couscous-Petrasilien-Granatapfel-Salat.

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Später kam noch Sofia, sie verbringt eine Nacht im Omnibus und fährt dann nach Frankreich; und sie, Werner und Lucie pflegten noch in der Dämmerung ihre Füße in dem Wasserspiel. Sie sahen aus wie Waschweiber.

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Schulung

1. Tag in Köln

Wir stehen hier in Köln auf dem Severinskirchplatz, einem kleine Platz der sich an eine lebhafte Fußgängerzone anschmiegt. Der Vormittag war auch vor dem Omnbus sehr lebhaft, der Nachmittag dann eher dünn besucht. Das hing sicher auch mit dem Sonnenstand zusammen, der uns ab 12/13 Uhr pralle Sonne bescherte. Erst ab 17 Uhr hatten wir wieder Schatten. Krass finde ich das, Mitte September und noch Hochsommerwetter. Aber erfreulich, denn der Herbst lauert schon vor der Tür.

Jule hatte heute lauter heftige Typen, die sie an- oder fertig machten. Das zieht echt runter. Ich dagegen hatte ein super Gespräch, das auch so seine halbe bis Stunde dauerte mit einem mittelalten Kölner, der ganz sicher Förderer wird.

Dann besuchten uns Gabriele, Konstantin, also Andreas Mann und abends nach Dienstschluss kam die Familie von Petra, Werners Tochter um Werner zum Essen auszuführen. Wir Mädels konnten also  ganz entspannt Kartoffelstampf kochen (ein Vorschlag von Lucie) und gingen dann zu Freunden von Andrea duschen.

Wir drei waren so begeistert von diesen Freunden, ihrer Familien-Atmosphäre, ihrem süßen und ernsthaften Sohn, ihrer tollen Wohnung, ihrer Dachterasse und ihrem Lebensstil, dass wir auf dem Rückweg aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus kamen. Wir sagten alle mit dem Brustton der Überzeugung, dass wir später auch SO leben wollen. (Der Sohn, ich glaube er heißt Camillo, hatte mich auf die Dachterasse geleitet, in seinem silbernen Astronautenanzug erzählte er mir ganz ernsthaft von dem Habitus der Kellerasseln und ich lehnte am Geländer und blickte in einen weiten Hinterhof mit vielen mehrstöckigen Häusern und der Mond war fast voll.)

1. Tag in Köln

Alle Jura-Studenten zu mir

Der heutige Tag erscheint mir im Rückblick wie eine Art Wiederholung des gestrigen Tages. Motive wiederholten sich.

Wir Omni-Mitarbeiterinnen redeten wieder intensiv über den Islam, vor allem auch, weil mir eingefallen war, dass Lucie ja im Nebenfach Religionswissenschaften studiert, und ich deshalb etwas von ihrem Profiwissen lernen wollte. Das Thema Burka-Verbot ist eine richtige Modeerscheinung, darüber hatte die letzten Jahre nie jemand am Omnibus gesprochen, aber jetzt erhitzt es viele Gemüter. So brachte ich es auch in unsere interne Diskussion, da mich der Islam und kulturelle Erscheinungen, die mit ihm einhergehen, sehr beschäftigen. Ich sehe beides, ich bewundere oft die Menschen der muslimischen Welt für ihre Nähe und Herzlichkeit, sehe es aber sehr ungern, dass sie ihre Söhne über alle Maßen feiern und die Töchter zurückstehen müssen, keine kurzen Hosen tragen dürfen, irgendwann ihre Haar verbergen sollen und keine Liebesbeziehungen vor der Ehe haben dürfen. Am Anfang der Diskussion stellte ich mich auf die Seite der Burka-Verbot-Befürworter, meine Counterparts hatten aber gute Einwände, die mir auch zu denken geben und zu guter letzt lief noch eine Frau, in Burka-Art verschleiert vorbei, sagte zu ihrem Kind „komm Schatz“ und irgendwie störte es mich gar nicht. Ich weiß nur so viel, dass ich die Feiheiten, die ich in Deutschland habe, zu schätzen weiß und nicht aufgeben möchte, dass ich aber sehr sehr sehr froh darüber bin, dass nicht nur deutsche Nasen rumlaufen. Dann wäre mein Leben viel ärmer.

Ich hatte auch wieder genauso viele FörderkandidatInnen wie gestern, auf jeden Fall nicht besonders viele. Es kamen aber leider auch wenige Menschen an den Omnibus. Obwohl der Friedensplatz so ein belebter Platz in Bonn ist.

Und dann wiederholte sich auch das Schnösel-Schauspiel. Ein junger, aufgebrachter Jura-Student wollte mich, diese lächerliche Initiative und die Volksabstimmung richtig auseinander nehmen. Er bedeutete eine richtige Herausforderung für mich, da ich gegen Paragraphen, Empirie, Objektivität ein Gegenbild entwerfen musste, das ohne alle Schutzschild-Fremdwörter auskommen sollte. Ich will, dass alle meine Grundlagen aus meiner eigene Erfahrung erwachsen und von jedem Menschen verstanden werden können. Das war für den Jura-Studenten gefundenes Fressen, denn total subjektiv. Ich wollte ihm demonstrieren, dass wir hier am Omnibus handfestes empirisches Material sammeln, indem ich Werner mit seinen 15 Jahre Straßen-Arbeit mit einem Wissenschaftler verglich, der im Büro Fragebögen auswertete und meinte, dass in 15 Jahren Straßen-Arbeit viel vielschichtigeres und tieferes Wissen gesammelten werden könnte (wie in so einem Gespräch mit Ihnen, Herr Jura-Student). Dieses Bild leuchtet doch unmittelbar ein, aber an der Uni lernst du deinem spontanen Verständnis zu misstrauen und dir einzureden, dass dein Wissen subjektiv sei. Und damit irgendwie falsch. Ich habe das ja auch an der Uni gelernt, es hat mich unzufrieden mit mir und der Welt gemacht und ich habe versucht, mich daraus zu befreien. Deshalb verstehe ich es auch immer als Befreiungsakt, wenn ich ganz hartnäckig gegen „Objektivität“ argumentiere. Die Diener der Wissenschaft tuen mir richtig leid, weil sie sich selbst misstrauen. Die Jura-Studenten brauchen meine Ladung „Subjektivität“, deshalb streiten sie ja auch mit mir.

Kurz vor Schluss kam Leon uns noch einmal besuchen, dann ging es nach Kölle. Hier stehen wir auf dem Severinskirchplatz im Süden der Stadt, hier pulsiert das Leben, besonders nachts. Ich bin sehr gespannt auf morgen.

Alle Jura-Studenten zu mir