spey, speyer, am speyersten

Heute verbrachten wir den dritten Tag in Speyer, der für mich einen kleinen Höhepunkt bildete, mit guten, produktiven Gesprächen am Omnibus und dem Besuch meiner Mutter und meiner 91jährigen Oma. Meine Mutter war nämlich bei meiner Oma in Frankenthal, das ist nicht weit weg von Speyer, direkt neben Ludwigshafen und die beiden hatten schon unabhängig voneinander gesagt, dass sie mich besuchen kommen würden, wenn wir mit dem Omnibus in Speyer wären. Speyer ist nämlich auch bei den Menschen in der Region ein beliebtes Ausflugsziel. Ich wollte mir gar keine großen Hoffnungen machen, da es die letzten Tage so heiß war und meine Oma nicht überanstrengt werden darf, da sie an Silvester einen Herzinfarkt hatte und wir uns schon auf ihren Tod eingestellt hatten, aber die beiden kamen. Meine Oma hatte es sich in der Nacht fest vorgenommen. So konnte ich ihr den Omnibus zeigen, und ihr meine Mitarbeiter vorstellen, von denen sie teilweise schon viel gehört hatte, von Werner natürlich und auch von Johanna, mit der ich ja eine WG bewohne. Dann setzten wir uns noch zu dritt in ein Eiscafé und meine Mutter und meine Oma konnten auch einmal die Arbeit am Omnibus aus der Nähe beobachten. Dann fuhren die beiden wieder zurück. Ich habe mich riesig über den Besuch gefreut und bin stolz auf meine Oma, dass sie sich das fest vorgenommen und durchgezogen hat. Jetzt hat sie meinen Arbeitsplatz auch einmal mit eigenen Augen gesehen.

Was mich gegen Ende der Arbeitszeit ebenfalls sehr freute war, dass die Frau vom Montagvormittag, die mir so aufmerksam zugehört hatte, noch einmal vorbeikam um zu unterschreiben und mir zwei Brezeln zu bringen. Ich sprach auch an, ob sie sich eine Förderung vorstellen könnte, dann geriet unser Gespräch aber in ganz andere Gefilde. Und als sie schon fast am sich verabschieden war sagte sie noch, „und sie dürfen mich gerne wegen der Förderung ansprechen.“ Das nenne ich mal ein Entgegenkommen. Sie wünschte mir und dem Omnibus tausend mal Glück, dann war es sechs Uhr und wir zogen weiter.

Nach Mannheim. Nach einem krassen Rückwertsmanöver stehen wir jetzt auf den Kapuzinerplanken und der Blick aus meinem Schlafzimmerfenster sieht etwa so aus: image

Die Stadt Speyer habe ich übrigens sehr gern gewonnen, die Kombination aus Rhein-Strand bzw Rheingold, Hafen-Stadt, Jahrtausende alte Geschichte, romanischer Dom, lebendige Fußgängerzone, freies W-Lan, gepflegte öffentliche Toiletten (die ganze Nacht durch geöffnet), bodenständige Pfälzer hat mir sehr gut gefallen. Sie ist am speyersten. Speyer könnte ich mir gut als Wahlheimat vorstellen.

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(Diese Anlage befand sich in einem Innenhof, dem Kulturhof Flachsgasse gleich gegenüber von unserem Omnibus-Standplatz. Mir hat die Gestaltung gut gefallen, so südeuropäisch, römisch und es gab dort auch wieder einen offenen Bücherschrank.)

spey, speyer, am speyersten

Dienst-Tag

Es ist weiterhin heiß und Wolken tauchen auch nur spärlich auf und verschwinden wieder. Die Arbeit heute in Speyer lief aber trotzdem wesentlich besser als gestern, es trauten sich schon viel mehr Menschen zu uns an die Tische und einige ziehen auch eine Förderung in Betracht. Da Speyer einige Touristen anzieht, kommen wir auch vor dem Omnibus mit allen möglichen Nationalitäten und Regionalitäten in Kontakt. Nette Schwaben und Bayern, Hamburger und Sachsen begegnen uns hier.

Große Besonderheiten passierten heute nicht, die Arbeit läuft zu viert ganz gut, wir sind immer im Dienst der Sache unterwegs und geben unser bestes. Ich fühle mich heute Abend richtig k.o. Und auch heute Mittag zwischen 13 und 14 Uhr hatte ich einen ganz schönen Durchhänger. Da muss man aufpassen, dass die Batterien bis zum nächsten Dienst-Tag wieder aufgeladen werden und sollte nicht zu lange Blog schreiben.

Nach der Arbeit sind Johanna, Mathias und ich gleich ins Freibad gegangen, um uns abzukühlen und zu säubern und ich bin ein paar mal mit vollem Einsatz gerutscht, was sicher noch mehr zu meiner jetzigen Müdigkeit beiträgt…

Dienst-Tag

Freyer in Speyer

Der Titel klingt etwas selbst zentriert, das Wortspiel musste aber einmal sein.

Jetzt sind wir zu viert bei der Arbeit, weiterhin Johanna, Werner und ich, aber Mathias hat uns um seine Person bereichert. Zu viert am Omnibus ist mir eigentlich schnell zu viel, da dann weniger Platz ist und das Fertigmachen länger dauert, aber heute lief alles wie am Schnürchen und außerdem ist es für mich auch mal wieder schön, ein neues Gesicht am Omnibus zu erleben. Mathias ist ziemlich genauso alt wie mein kleiner Bruder Roland (gute vier Jahre jünger als ich), kann aber schon souverän einen eigenen Standpunkt einnehmen und vertreten. Zu viert finden auch mehr Parrallelprozesse am Omnibus statt, was ich sehr interessant finde.

Bei der Arbeit vor dem Omnibus haben heute nur zwei Person im Gespräch mit mir unterschrieben und nur eine Person war damit einverstanden, noch einmal auf die Förderung angesprochen zu werden, doch ich hatte trotzdem wertvolle Gespräche. Gleich morgens hat sich eine Frau zu mir gesetzt, mir ganz aufmerksam zugehört und sich dann ehrlich bedankt, da ich ihr Verbindungen aufgezeigt hätte, die ihr zuvor nicht klar gewesen wären. Eine andere Frau hat mich gelobt, da ich sie nicht unter Druck gesetzt und sie nicht zu manipulieren versucht hätte. Dann fragte sie mich, ob ich Christin sei und meinte, ich sein ein religiöser Mensch. Diese Meinung hat mich irgendwie gefreut, da ich in meiner Kindheit einmal eine Phase hatte, in der ich Heilige werden wollte. Davon ist irgendwas hängen geblieben.

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Dann habe ich mir über Mittag die Strom- und Wasserbeschaffung zur Aufgabe gemacht, da unser Wassertank fast leer war, und nach einigem Hin- und Hergerenne haben wir dann beides aus der Eisdiele von nebenan bekommen. Zum Dank habe ich „Petra“ ein Glas Honig und Omnibus-Postkarten geschenkt.

Im Anschluss an die Arbeit sind wir vier an den Rhein runter gelaufen, haben uns den Yachthafen angeschaut, die Beine im Wasser baumeln lassen und die vorbeifahrenden Frachter beobachtet. Dann sind wir wieder zurückgelaufen, haben Tomaten und Mozarella-Salat gegessen und uns besser kennengelernt.

 

Freyer in Speyer

Blumenwalzer

Den gestrigen Tag haben Werner, Johanna und ich schön entspannt auf der Landzunge am Rhein-Strand verbracht. Zuerst haben Johanna und ich noch schön den Omnibus geputzt, dann haben wir uns an den Rhein-Strand gelegt und sind auch ziemlich den ganzen Tag bis 17 Uhr dort geblieben. Wir haben gelesen, gebadet und geschlafen. Mal richtig nichts getan.

Um halb sechs haben wir den Omnibus dann startklar gemacht und sind in die Innenstadt auf unseren Platz gefahren. Der ist in der Hauptfußgängerzone, die genau auf den Dom zuführt. Der Dom übt eine unglaubliche Präsenz auf seine ganze Umgebung aus und auch uns hat er gleich in seinen Bann gezogen. Er ist riesig groß, breit und mächtig, aber seine Ausstrahlung ist meiner Meinung nach eine warme. Das liegt sicher an dem Sandstein, aus dem er erbaut ist, gelber und roter Sandstein über einander geschichtet, mal gestreift oder wild gemustert.

Nachdem wir den Omnibus geparkt hatten, sind wir gleich in den Dom gegangen und haben ihn uns von Innen angeschaut. Er ist ganz schlicht eingerichtet, keinen Firlefanz an den Wänden, nicht überladen mir Figuren und Bildern, was mir sehr gut gefällt. Johanna hat entdeckt, dass um 20 Uhr ein Orgelkonzert stattfindet und wir haben beschlossen, dass wir da alle gerne rein gehen wollen.

Wir sind noch kurz in die „Petersilie“ essen gegangen, dann fing auch schon das Konzert an. Das Programm war bunt gemischt, von Bach über Tschaikowski zu George Gershwin. Den größten Platz bekam ein Stück von Max Reger eingeräumt, da das Konzert auch anlässlich seines 100. Todesjahres statt fand. Ich bin sehr glücklich, mal ein Konzert in diesem Jahrtausend alten Dom erlebt zu haben und manche Klänge gingen auch tief unter die Haut, aber öfters finde ich die Orgeltöne auch zu quäkend oder röhrend oder piepsend.

Am besten hat mir die Orgelversion vom Blumenwalzer von Tschaikowski gefallen, den kenne ich sehr gut, aus dem Ballett, wo wir mal auf ihn getanzt haben, und auch aus dem Orchester, wo wir ihn selbst gespielt haben, und er hat mich beschwingt in den Abend entlassen.

Zurück am Omnibus ist dann Mathias zu der Crew gestoßen.

Blumenwalzer

Rheingold

Erst sollte dieser Blogeintrag „der Omnibus provoziert“ heißen. Denn der Omnibus begegnet den Leuten meist wie ein Gefährt aus einer anderen Welt und holt sie so für einen kurzen Moment aus ihrer Schiene heraus. Das kann in den Menschen Erstaunen, Freude hervorrufen (wie bei dem Mann gestern, der uns bei sich duschen ließ), es kann manche Menschen aber anscheinend auch rasend machen.

Die gestrige Nacht war für mich sehr aufregend und schlaflos. Zwischen halb zwei und drei Uhr nachts wurde ich von verschiedenen Pöblern draußen vor dem Omnibus wachgehalten. Die ersten fuhrwerkten direkt unter meinem Fenster und als das Wort „Backstein“ fiel, dachte ich, jetzt schmeißen die gleich einen Stein durch ein Fester und bin runter gerannt. Ich sah noch, wie die zwei junge Typen eine Omnibus-Klappe wieder zumachten und rief ihnen zu, sie sollten weggehen, wir wollten hier schlafen. Dann bin ich mit immer noch klopfendem Herzen wieder ins Bett gegangen und habe noch die absonderlichsten Gesprächsfetzen aufgenommen. Einer sprach in sein Handy „und dann hab ich gedacht, fuck was macht hier der Omnibus.“ Es klang so, als wollte er uns fertig machen. Dann sagte ein anderer „Volksabstimmung – was denn für eine Volksabstimmung? – scheiß Volksabstimmung, ich sollte hier alles kaputt machen“. Ich lauschte, ob seinen Worten Taten folgten, aber er ging wohl weiter. Dann wurde ich wieder aus dem Schlaf gerissen, weil jemand wild versuchte die Tür aufzumachen. Ich rannte wieder runter und rief den Typen hinterher, dass sie uns in Ruhe lassen sollten. Dann drehte der eine um, stellte sich vor mich und sagte, dass es ihm leid täte. Der wollte echt nur pöbeln. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es die gleichen waren, die schon zuerst da waren. Ich war so wütend und konnte meine Stimme kaum kontrollieren, das merkte der Typ, wahrscheinlich wurde ihm da klar, was sie für Scheiße bauen und sie ließen uns dann in Ruhe.

Der Arbeits-Tag war dann mindestens genauso ruhig, wie der gestrige.

Dann packten wir um kurz vor zwei alles ein, stürzten uns wieder in den Schlund und fuhren nach Speyer. Wir stellten uns auf eine Landzunge, auf der auch viele PKWs parkten und gingen an den Rhein-Strand. Es war, ist so schön! Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Der große blaugrün glitzernde Fluss auf dem ein reger Verkehr herrschte, von kleinen Flitzies bis zu großen Container-Schiffen. Dann die Baum-Reihen auf der anderen Rheinseite, der strahlend blaue Himmel, der Autoverkehr auf der Rheinbrücke und über allem thronte der Speyrer Dom. Der Strand bestand aus Kieselsteinen und war zwar belebt aber wirklich nicht voll. Johanna und ich gingen ins Wasser, ich stand erst mal eine ganze Weile nur bis zu den Oberschenkeln im Wasser da und konnte mich gar nicht an all dem satt sehen.

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Auf dem Weg zurück zum Omnibus sagte ich zu Werner und Johanna, dass ich hier zwei Wochen Uralub machen könnte, ohne mich zu langweilen.

Rheingold

Zerflossen

Heute war es noch heißer! Und nichts los!

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Wir haben vier Unterschriften gesammelt und drei Förderkandidaten und nicht arg viel mehr Gespräche geführt.

Obwohl „nichts los“ nicht ganz stimmt. Zwischen elf und zwei Uhr war auf dem Platz ganz schön viel los, viele Feuerwehrautos und Menschen, da eine Hochzeit im historischen Rathaus gegenüber statt gefunden hat. Die Freiwillige Feuerwehr stand Spalier als das Brautpaar heraustrat und hatte Torbögen aus einem Feuerwehrschlauch aufgebaut und dann schickten sie das Brautpaar noch auf der Feuerwehrleiter hoch in den Himmel.

Dann fuhren alle ab und ab zwei Uhr kam wirklich niemand mehr.

Wir drei, Johanna, Werner und ich, drückten uns in der Hitze herum, versteckten uns unter den Regenschirmen und tauchten alle viertel Stunde unsere Füße in ein Wasserbecken. Bis fünf Uhr wurde es immer noch heißer. Irgendwann tunkte ich meinen ganzen Kopf sogar in Wasser, da ich hoffte, so ein wenig abkühlen zu können.

Glücklicherweise kam kurz vor sechs ein Mann vorbei, mit dem ich mich vormittags schon zwei Mal unterhalten hatte, der wirklich schnell von Begriff war, aber ganz schön lahmgelegt durch viele Medikamente die er anscheinend nehmen muss. Auf meine Frage ob wir bei ihm duschen könnten zögerte er erst, dann gestattete er es aber und war im Nachhinein ganz schön stolz auf sich, uns geholfen zu haben. Er gießt für 50 Cent die Stunde Blumen und hat fest vor, dem OMNIBUS einmal 1 Euro zu überweisen, wenn er nicht so knapp bei Kasse ist wie jetzt.

Abends haben wir dann einen Quinoa-Salat zubereitet und gegessen und ich hab mit Werner und Johanna Gedächtnis-Spielchen gemacht – oder sie mit mir?

Johanna lebt sich gut ein, sie ist eigeninitiativ, da hab ich sie heute auch gelobt, kann super kochen, mit exotischen Gewürzen umgehen, das kann ich gar nicht und sie ist auch schon gut in die „normale“ Arbeit des Omnibus eingestiegen. Ich übe mit ihr und sie mit mir „pälzisch babble“, sie hat ein gutes Sprachgefühl für diesen Sprachraum und kann die Melodie richtig gut nachmachen. Mittlerweile sind wir aber eher bei so einer Art sächsisch gelandet.

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Morgen kommt ein Artikel über den Omnibus in die lokale Presse, mal sehen ob dann mehr Interessierte kommen.
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Zerflossen

Wie ein Hähnchen auf dem Hähnchengrill…

…so sitz ich da und tropfe still.

Diese Lied-Zeile eines Heidelberger Sängers hatte ich heute im Kopf, als ich vor dem Omnibus präsent stand und saß, um Interessierte zu empfangen. Es war schon morgens so heiß, dass wir schon beim Frühstück schwitzten. Den Vormittag über hatte ich leichtes Leiden. Aber ohne Leiden keine Leidenschaft.

Thema war heute und die letzten Tage vor dem Omnibus immer wieder der Brexit. Ich finde das sehr gut, denn am Unterschied Volksabstimmung/Referendum kann man so schön die Feinheiten der Volksanstimmung aufzeigen. Was mich allerdings ärgert, wenn die Leute mit dem Satz kommen „sind Sie auch jetzt noch nach dem Brexit für Volksabstimmung?“ Oder „der Brexit hat ja gezeigt, was bei Volksbastimmung rauskommen kann.“ Dann erkläre ich ihnen immer den Unterschied Volksabstimmung/Referendum, aber wütend macht mich trotzdem, dass viele Deutsche sich einbilden, sie wüssten, was gut für die Briten ist und die Briten hätten einen großen Fehler gemacht. Ich finde es persönlich sympathisch, dass Großbritannien sich selbst bestimmen will und sich von den stark zentralistischen und undemokratischen Strukturen der EU lösen will.

Mit meiner Förderer-Werbung war ich insgesamt in Landau nicht so erfolgreich wie in Kaiserslautern, obwohl mir die Menschen, mit denen ich in Landau sprach viel wohlhabender vorkamen. Daher stellte ich während des Tages die These auf, dass je reicher die Menschen einer Stadt sind, desto weniger wollen sie ihr Geld hergeben.

Um sechs Uhr machten wir uns dann auf den Weg nach Wiesloch bei Heidelberg, also auf die andere Rheinseite nach Ba-Wü. Wir hatten circa 50 km zu fahren und gingen außerdem tanken, den Wassertank auffüllen und das alte Wasser ablassen. Dann fuhren wir in Wiesloch auf unseren Platz zu und damit sollte der anstrengendste Teil des Tages erst noch beginnen: Denn auf den Marktplatz, unseren Standplatz für die nächsten zwei Tage, führten nur zwei schmale Sträßchen, die bis auf den Marktplatz auch noch eine ganz schöne Steigung bewältigten. Werner fuhr also erst einmal mutig das eine Sträßchen, das noch schmälere wie sich später herausstellte, hinauf. Das war so steil, dass er das richtig mit Schmackes hoch musste. Mir blieb das Herz stehen, da wir so nah an den Häuserwänden vorbei rauschten. Dann landeten wir auf einem winzigen Platz, der auch noch halb voll mit Stühlen und Tischen eines italienischen Rastaurants gestellt war. Die Menschen starrten uns alle mit großen Augen und offenen Mündern an. Dann wollte Werner wenden, um die offene Seite des Omnibus dem Platz zuwenden zu können. Er rangierte hin und her, zwei Mitarbeiter des Restaurants halfen auch, aber es half alles nichts. Also fuhren wir das andere Sträßchen ein Stück herunter, Werner wendete dort, wir fuhren wieder auf den Marktplatz hoch und Werner parkte schön. Als er den Motor abstellte, applaudierten die Menschen im Restaurant. Ich kann auch nur applaudieren, dass Werner dieses Manöver so mutig gemeistert hat. Ich habe dabei wieder gemerkt, wie anspruchsvoll das Omnibus-Fahren ist und weiß, dass ich das niemals könnte.

Jetzt stehen wir aber optimal auf diesem kleinen Platz, erfreuen uns an dem Stimmengewirr aus dem Restaurant und sind gespannt auf den morgigen Tag.

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Wie ein Hähnchen auf dem Hähnchengrill…

Hot hot hot

Heute war wieder richtig Sommer. Es freut mich sehr, dass ich dieses Jahr am Omnibus noch richtig Sommer abkrieg. Der Sommer ist ja immer so schnell vorbei, und wenn man am Omnibus ist, dann kann man den Sommer gar nicht verpassen. Du stehst oder sitzt den ganzen Tag draußen und bist schutzlos dem Wetter ausgesetzt; dadurch bist du dem Wetter aber auch ganz nah, bist irgendwie ein Teil von allem dich umgebenden. Das klingt so kitschig, ist aber wirklich meine reale Erfahrung, dass ich mich, wenn mit dem Omnibus unterwegs bin, mit einem ganz anderen Selbstverständnis in der Stadt bewege. Alles wird selbstverständlicher.

Schon morgens, als wir am Frühstückstisch saßen, war es sehr warm. Dann ist der Omnibus nach Osten ausgerichtet, also hatten wir auch den ganzen Vormittag/Mittag bis circa zwei Uhr pralle Sonne. Super Sach´. Wie gesagt, ich finde es wunderbar mich so intensiv den Elementen auszusetzen.

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Die Arbeit vor dem Omnibus lief ganz gut, es kamen viele Menschen, wir hatten meistens was zu tun. Die Menschen kamen mir allgemein entspannt vor, das hängt wahrscheinlich mit der sonnigen Weinanbaugegend zusammen, hier können die Menschen genießen und es sich gut gehen lassen.

Mit der Förderer-Werbung war ich heute leider nicht so erfolgreich, was ich auf mein rotes Sommerkleid zurückführe. Das sieht wirklich schön aus und die Leute haben wahrscheinlich gedacht, dass ich sie damit zu Handlungen bewegen möchte, die sie eigentlich nicht wollen, und haben sich deshalb nicht von mir überzeugen lassen.

Ich hatte zwei, drei Gesprächspartner, Art braungebrannte Arbeiter älteren Semesters, die aus der „Unterschicht“ stammten, die den vollen Durchblick hatten und genau merkten, dass die regierenden Politiker sie für dumm verkauften. Ich bewundere diese „Klasse“ Menschen. Die müssen so hart und viel und immer arbeiten und verdienen wenig, aber sie lassen sich nichts sagen und haben ihren eigenen Kopf.

Jetzt ist es schon neun Uhr abends und hier auf dem Rathausplatz summt es immer noch oder am lautesten vom ganzen Tag wie ein Bienenstock. Die Menschen sitzen gemeinsam draußen, unterhalten sich, sehen die Dämmerung hereinbrechen, die Straßenlaternen gehen langsam an, es ist immer noch warm – was gibt es schöneres!

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Hot hot hot

Der Wald ist nicht genug

Heute verlief der Tag eher in gemäßigten Bahnen. Der Fersehbeitrag vom SWR lockte viele Menschen an den Omnibus, die auch bereit waren, über eine Förderung nachzudenken. Damit war das Ergebnis des Tages quantitativ gesehen viel besser als am ersten Tag.

Insgesamt kamen sehr viele Menschen, ich war gegen Nachmittag richtig froh, wenn mal 5 bis 10 Minauten keiner kam.

Der „herzerwärmende“ Mann vom Vortag kam wieder vorbei, um nach Johanna und mir zu schauen, ein bisschen zu quatschen, bei uns zu unterschreiben und sich in die Förderkandidatenliste einzutragen.

Ich wurde auch in zwei ellenlange Gespräche, von einer halben/dreiviertel Stunde verwickelt; einmal mit einem Mann, der so viele Bedenken hatte wie er Fachwörter verwendete und gar nicht auf meine andere Sichtweise eingehen konnte, sodass wir uns wieder und wieder im Kreis drehten, bis ich kurz aufgebracht wurde; sowie mit einer Frau, die sich erst in Werners Gespräch unverschämter Weise eingemischt hatte, dann aber mit mir ein ganz fließendes und auch für mich ergiebiges Gespräch führte. Sie wollte unbedingt von mir geduzt werden, das fiel mir schwer, fande ich auch nicht so angebracht und die Ansprache zur Förderung klang dann auch in meinen Ohren total bescheuert.

Allgemein stelle ich fest, dass ich auch nach fünf Jahren beim Omnibus wieder einen neuen Einstieg in die Gespräche gefunden habe. Der Einstieg beginnt bei der „Verwirklichung von Volksabstimmungsrechten“, geht über das Grundgesetz zu unserem Gesetzesvorschlag. Diese Schleife gefällt mir gut. Ich gebe mittlerweile den Leuten mehr Futter, damit die Förderer-Ansprache nachher eine gute Basis hat, aber ich habe manchmal auch gemerkt, wie ich ins Labern gekommen bin. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht wie eine Werbe-Tante wirke. Der schenken die Menschen nämlich kein Vertrauen mehr.

Heute war ich nicht so angestrengt wie gestern, wo meine Sprache gegen Nachmittag/Abend auch immer mehr gestockt, geholpert und blockiert hatte; heute war ich viel lockerer, das Sprechen floss nur so dahin (dass ich eben auch manchmal dachte, Achtung, du laberst!) und wenn sich mal ein kleiner Knoten bildete, glitt ich ganz elegant wieder heraus.

Dann packten wir unsere sieben Sachen und fuhren durch den Pfälzer Wald in das schöne sonnige Landau. Die Strecke ging wirklich fast nur durch den Wald, das war so schön, die warme Abendsonne immer wieder zwischen den Bäumen verschwinden und durchscheinen zu sehen, rote Sandsteinfelsen zu entdecken, die für den Pfälzer Wald so charakteristisch sind und dann aus dem Wald rauszufahren und sich in einer völlig anderen Welt von hügeligen Weinhängen umgeben wiederzufinden.

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Symphonie aus der Neuen Welt

Dass Landau so herrlich ist, hätte ich nicht gedacht. Es ist so freundlich, hübsch, gut gepflegt und lebendig hier. Und wir stehen auch noch auf dem Traumplatz. Ich bin sehr gespannt auf morgen.

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Der Wald ist nicht genug