Festmahl

Gerade bekomme ich eine Mail, dass sich der Blog schließen möchte. Es ist vielleicht mein letztes mal also hier und auch meine letzte Chance, in diesem ausgesprochen interessanten und besonderen Rahmen beizutragen. So möchte ich nach wirklich langer Zeit, wenn man so will nach einer langen Stille, beitragen -wie zu einem Festmahl, das sich dem Ende neigt, und vielleicht jeder nochmal zeigt, das was er empfindet an Bedeutung jetzt gerade von diesen Mahl, dass wie ein Mitbring Büffet über uns hinaus einigen hoffentlich eine Bereicherung des Lebens war. Ich möchte also dem Ende würdigung, wenn es denn bevorsteht, allenfalls scheint mir das Ende schon natürlich gekommen  zu sein, vielleicht kann es ja nur mit einem Neuen weitergehen – wie im Leben. Einem Anfang, welcher kommen muss aus Knospen – die den Winter ausgehalten haben, tief getrunken haben von der langen Nacht und Stille und von den unzähligen Sternen, und im Sonnenlicht des neuen Jahres sich wie dem Geliebten – alle schönheit der Welt in sich preisend – offendbaren, enthüllen…

Schicksal

Ach so sehr willst du mich also
Schicksal und Freiheit wollt mich
Nicht wehren kann ich mich vor mir

Dass erschütternd Wahrheit sich preist und
In schönen Gemälden offenbarend kreist
Und Güte sich tätigend zeigt und will

Ich Stehe still – vor meinem Abgrund
Wind weht zu meiner Seele Lichtgestalt
Lange unberührten dunklen ewigen Grund

Dass Wunden bluten, und meine
Augen als wie im lichtumsausten hausten
und sachte immer mehr und mehr
in seinem Schimmer scheinen
Scheinen wie nirgendwo und überall
Wie Sonne
Oder zwei Limetten, so frisch und lebendig

Ach so sehr willst du mich also
Liebe, du vielgestaltige Gewaltige
Ewig lösend und bindende
Uns zehrend und erkindende
Schwerste innerste höchste Tugend

Dass aus Erkenntnis ich wie entzaubert
Und nackt liege vor dem Ölbaum
Und die Rose blüht nebem dem Toten
Der sich opferte für das Neue

Schreitend macht sich frei mein Schritt
Breitend sich breit mein Blick
Scheiternd schauervoll mein Geschick
Und auch du bist da
Plötzlich
Und er
Und sie
Die Alten
Die Jungen
Menschen und Planzen
Tiere und Steine, die wie Tanzen auf Erde
Im trillionenfältigen Rosenduft der Liebe

14.1.19

Dank an alle Mitglieder

Auf ins neue Ja (hr)

Die besten Wünsche euch!

Wo Lang?

Festmahl

substantiell

…sind für mich die Künstlergespräche geworden, die ich seit etwa einem Jahr in der Galerie eines Freundes in Witten führe… ,Mimas‘ heißt die kleine Galerie, die in die städtische Konsumhölle integriert ist und zwischen Friseur-Salon und Schuhladen ein sonderbares Bild abgibt. So mancher Mensch wird vielleicht nicht darauf vorbereitet sein, wenn er beim Bummeln durch ein Einkaufszentrum in einem der Schaufenster auf einmal eigenartige, großformatige Holzskulpturen erblickt, viel weniger sogar, wenn in dem gleichen Laden ein paar komische Gestalten herumschleichen und mit unterschiedlichen Musik-Instrumenten eine eigenartige, jeglicher Konventionen entbehrende Musik zum Besten geben – und sich sogleich ein Haufen sonderbarer Gestalten zum Gespräch zusammensetzt…

Bei dieser letzten Veranstaltung hat sich mir im Gespräch mit dem ehemaligen Alanus-Dozenten Klaus Schröder ein wunderbares Einsehen in die Zeitigkeit moderner Kunst ergeben. Eingerahmt von Klang-Collagen, sprechenden Menschen, der Musik des Lebens und der stillen Arbeit von Klaus‘ Exponaten haben sich mir Perspektiven moderner Kunst erschlossen, die sich in ihrer Substanz in und für die Zeit entfalten wollen. Was ist , was bleibt und was was wird beim Betrachten eines Kunstwerkes? Wer bin ich, wer bleibe ich und wer werde ich nach dem Betrachten eines Kunstwerkes sein?

Wie könnte Kunst denn auf andere Weise wirksam werden, wenn sie sich nicht in Zeit und Raum als etwas sich substantiell-Entwickelndes entfalten könnte? Diese Frage war mein Ergebnis nach dem letzten dieser Künstlergespräche. ,Kunst‘ scheint mir daher in vielerlei Hinsicht leider ein verschimmelnder Begriff zu sein, der sich auf augenblickliche ,Artefakte‘ beziehen muss… Ich weiss mein ,Aha!-Erlebnis‘ leider vorerst nicht anders in Worte zu fassen. Aber wie wertlos ist eine Kunst, die sich nach der Betrachtung zur Seite legen lassen ließe – die wir, nachdem wir sie konsumiert haben, gleich wieder vergessen dürften? Und wie wertvoll kann Kunst schließlich sein, wenn sie aus dem augenblicklichen Raum in die Zeit hinein wirken kann?

substantiell

Ein Versuch zur Rufrettung

Juristen haben  keinen leichten Stand. Schon im Studium eilt mir und meinen Kollegen kein guter Ruf voraus. Im Kontext mit meiner Hausarbeit wurde ich von Nicht-Juristen immer wieder mit der Frage nach einem sehr verbreiteten Klischee konfrontiert.

Dem Bücherverstecken.

Es soll wohl vorkommen, wir schreiben alle mehr oder weniger das selbe Gutachten, da ist die eine Quelle Vorsprung für den einen oder anderen vielleicht verlockend. Mir kam es bislang aber nicht vor, wobei ich hier ausdrücklich nicht vom Einzelfall auf die Regel schließen will.

Mir ist eher ein anderes Phänomen, eine kleine, versteckte Solidarität aufgefallen. Es kommt vor, dass meine Kollegen in den Büchern, in denen sie lesen, eine Spur ihrer Lektüre zurücklassen. Die, gewollt oder nicht, für die dann folgenden Leser eine Hilfe darstellt, die gewünschte Stelle auch selbst schnell zu finden: Markierungen:

 

Der kleine grüne Zettel ist im einsamen Schreiben eine kleine Kommunikation. Ich weiß nicht, wie schnell die Bibliothek solche Markierungen entfernt. Sie wahren sich aber den Anschein von etwas nahem, warmen: vor nicht allzu langer Zeit, ist ein Mitstreiter auf der Suche nach der Lösung eines Problems auf genau diesen Seiten gewandelt, die Fährte ist noch heiß, ich bin hier nicht allein. Man könnte von einem „wo-lang?“-Moment sprechen.

Ein besonders schöner Moment war das Finden des folgenden Zettels:

 

 

 

 

 

 

 

 

Sprengstoffgesetz? Sprengstoffgesetz!

 

Was auch immer mich in den Genuss dieser Notiz brachte, auf die ich mir keinen Reim machen kann und will, dieser Person sei an dieser Stelle für Ihre Hausarbeit alles Gute gewünscht!

 

Ein Versuch zur Rufrettung

Hallo Leute

Jonas, dein Beitrag hat mich voll berührt und du hast mir aus der Seele gesprochen, danke!!

ich werkel derweil gerade an Berichten für das Logbuch der Romfahrt, welches ihr hier finden könnt:

https://www.omnibus.org/projekte/democracy-in-motion-2018-rom/omniblog-rom/

Die zentrale Idee, die mich umtreibt und ganz unruhig macht in den letzten Tagen, und die ihr auch in meinem Bericht aus Bozen findet ist: Lasst uns einen Feiertag und einen Tag des Forderns machen für die diDe. Wenn wirklich 70% der Menschen in Deutschland dafür sind, dann lasst uns das versuchen als physische Präsenz nach Berlin zu bekommen. Geben wir uns ein gutes Jahr, und laden ein, mit dem Omnibus und auch auf anderen Wegen, um gemeinsam herauszufinden: wo lang?

Damit wende ich mich an euch

Hallo Leute

Zeit

Nach langer Zeit will ich mich an diesem Ort wieder zu Wort melden.

Zeit – sie scheint mir ein merkwürdiges Rätsel zu sein. Ehe man sich ihrer gewiss wird, ist sie schon verstrichen. Neue Erfahrungen wollen sich immer wieder aufs Neue behaupten und damit den bereits gemachten Erfahrungen ihre Gültigkeit streitig machen… Wie oft komme ich mir im Gegenwärtigen so schlau vor und schaue kurze Zeit später beschämend auf diesen Nichtsnutz zurück, der ich eben noch gewesen bin. ,,Genialer Einfall, Jonas!“, so sage ich mir heute – ,,oh man, hast du das gestern wirklich gedacht, Jonas?“, spricht der Jonas einen Tag später… Eine ewig wiederkehrende Erfahrung, die vor nichts halt macht. Eine Teufelsspirale, die mir immer wieder vor Augen führt, wie beschränkt ich als Mensch doch bin!

Im Verlaufe meines Schreibens auf diesem Blog habe ich diese Erfahrung immer wieder aufs Neue gemacht… Damals, wenn ich einen Eintrag verfasst habe, bin ich nachts aufgewacht – beschämt und verschwitzt – und wollte meinen Stunden zuvor verfassten Eintrag wieder löschen… Rätselhaft, dass ich mich überwinden konnte zu sagen: ,,Jonas, steh zu dem, was du gedacht und gefühlt hast!“ Heute weiß ich, dass genau dies das Richtige gewesen ist. Der Jonas von gestern hat es gedacht und gefühlt… und der Jonas von heute sollte dazu stehen, was er gestern gewesen ist und zukünftig noch sein wird!

Er lebt vor allem in der Gegenwart – dieser Jonas – und nur in der Gegenwart wird alle Zeit unendlich!

In tiefer Dankbarkeit möchte ich mich den Schreiberlingen dieses Blogs zuwenden, die jene Zeit für einen Moment festhalten können, um sich ihrer Unendlichkeit zu vergewissern: Werner, Sophia, Freya, Christopher, Mathias, Enoch, Johannes, Yunus! Mit euch habe ich Zeit auf dieser lieben Erde verbringen dürfen, die unendlich sein wird!

Zeit

Die schweigende Mehrheit

Für mich ist die Direkte Demokratie dazu da, diese „schweigende Mehrheit“ überhaupt endlich mal kennenzulernen. Mit ihr ohne ideologischen Balast ins Gespräch zu kommen und dabei auch wieder mit mir selber. Wie stehst du zu diesem Thema? -Und wie steh‘ eigentlich ich nochmal dazu? Was wollen wir eigentlich? Was ist für die Zukunft das Wichtigste und warum nutzen wir die bisher einmaligen Ressourcen und Möglichkeiten der Menschheit nicht optimal aus (…) und (wie) geht da noch was?

In der Vergangenheit haben bereits allerhand Idioten die Figur der “silent majority“ ganz dreist ausgenutzt und behauptet, dass diese hinter ihnen stünde – und auch jetzt sind da wieder einige fleißig dabei. Dabei haben wir wirklich keine Ahnung. Und suhlen uns darin auch noch.
Ich möchte die schweigende Mehrheit nicht als ausgenutzte Figur sehen, als vage Masse, sondern auch und gerade jetzt, wo wir alle so verrückt scheinen, den Sprung nach vorne machen – mit direktem Kontakt unser Schweigen reflektieren…
An einem Ort wie Tokyo ist die schweigende Mehrheit in derart unnachgiebiger Weise präsent, dass ich mich, in Besinnung auf eine wunderschöne Geste, die bereits einige wo-lang-Leute eingenommen haben, mit Freu(n)den auf die Spur und genau in diesen Kontakt gegeben habe

– und siehe da, allerlei Wunder sind aus dieser mich umgebenden schweigenden Mehrheit herausgetreten…

Einmal mehr habe ich erfahren, wie unglaublich viel Potential diese Geste hat und würde mir wirklich wünschen das Ausprobieren damit auszuweiten, mit vielen und mit wenigen anderen, ikimashō.

 

Die schweigende Mehrheit

Wo Lang

Wo lang?

Diese Frage musste ich mir andauernd im Geiste behandelt wissen und konnte es aber leider nicht vollbringen, bis ich mich zu der schmerzhaften und befreienden Entscheidung bewegte, für dieses mal den Omnibus wieder zu verlassen.

Meine Welle reichte nicht weit und ging nach zweien Tagen wieder in das ewige Meer wo sie sich nun zu erholen sucht.

Mein Leib durstet nach Erholung, und

Anderes sucht wohl meine Seele, und ihr möchte ich doch gehör schenken

Ich weiß wohl wenig, was ich ihr alles Verdanke

Die sich so schön schmückt mit dem Namen – Seele

Wo lang?

Wo Lang

Und da seh ich ihn nun wieder, dieses besondere Omnibus Wesen. Wenn ich um mich schaue, wenn ich im Omnibus bin. Wenn ich durch die Stadt laufe, ihn erscheinen sehe zwischen Beton und Asphalt.

Und wieder, wie damals im kalten Herbst sind Gabriele und Werner – Omi und Opi Da Lang – voll am start.

Quasi wie Gestern, nun aber wieder im Sommer, wie das erste Mal als ich zum Bus kam, sind wir im sonnigen Baden-Wuerttenberg und fuhren mit luftdurchwehtem Omnibus wieder über die Autobahn, nur diesmal von Karlsruhe nach Offenburg und nicht von Freya Zuhuase nach Bad Urach zum Märchenhaften Wasserfall. Etwas von dieser Idylle hat Offenburg jedoch auch.

Wir stehen jetzt an der Ursula Säule, die als Stadtpatronin hier gilt – vor dem sogenannten Salzhaus. Es umgeben uns alte Bauten.

Anders und doch voller Erinnerung sitze ich nun hier am Esstisch im Kerzenlicht und schreibe wieder an meinen Smartphone einen Blog Beitrag.

Ich freue mich hier zu sein, und den Omnibus wieder begleiten zu dürfen.

es geht weiter

nach der gestrigen diskussion über charles eisensteins „ökonomie der verbundenheit“ auf der omnibus-mitarbeiter-versammlung, möchte ich nur dieses festhalten: es geht nicht darum, in einen urzustand zurückzukehren, sondern es geht um eine ganz neue zukunft, die wir heute schon mit taten voller schönheit erschaffen.

„alles ist in bewegung, nichts wird wieder so wie es war…“

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Ando II

Weiter mit einem zweiten Gang.
Wenige Wochen nach meiner Ankunft in Japan hatte bis zum Ende des Jahres die Ausstellung „Tadao Ando: Endeavors“ im National Art Center in Tokyo aufgeschlagen. Das zähle ich im Wechselspiel aus finden und geworfen sein als hypride Form. Erst am letzten Wochenende vor Schluss hatte ich geschafft hinzugehen, hatte mich extra früh auf den Weg gemacht und war bereits 20 Minuten vor Kassenöffnung da:

Immerhin konnte ich in der Warteschlange die breite Streuung in der Demographie der interessierten Besucher feststellen…Die von Tadao selbst kuratierte Ausstellung war fantastisch, und hatte wirklich sehr viele Perspektiven. Zu gerne wäre ich nochmal hingegangen. Es gab eine Installation in Originalgröße der 光の教会, der Church of Light (die übrigens auch in Kansai steht), seinem Büro und vielem mehr.

Dort habe ich dann auch erst erfahren, dass der Skytree, der höchste Turm der Welt, ebenfalls von ihm designt ist, statisch gesehen ein Meisterwerk und als erdbebensicher besungen.

Andere Facetten seiner Arbeit gefallen mir aber viel besser.
Zum Beispiel dieses Onsen in Takarazuka in der Nähe von Osaka:

Ich freue mich schon auf die nächsten Begegnungen. Die Ausstellung hat bereits Hinweise darauf gegeben, dass die schönsten Stücke bis in entlegene Teile verteilt sind.

Ando II